Liebe Theresa, ich bin ganz Deiner Meinung, gegenseitiges Vertrauen und Offenheit sind für mich die Basis und dann kann man/frau/gemeinsam sehen, was an Tiefe dadurch erwachsen kann. Eine Beziehung, in der es möglich ist, die Verletzungen zu zeigen. Dann kann man sich auf den Weg machen und sich dem "eins sein" nähern, auch wenn die Vorhaut fehlt, so bin ich überzeugt.
Du wünscht Dir wohl sehr, dass Dein Mann sich öffnet, schreibst, "Probleme müssen erst mal erkannt werden, man muss drüber reden können", ich lese das als einen Wunsch von Dir.
Was sagt Dein Mann dazu? Nach dem was ich bisher gelesen habe, verdrängt er Deiner Meinung nach, dass es ein Problem gibt. Ich glaube dafür hat er sicher einen Grund, fürs Verdrängen. Wahrscheinlich einen guten Grund und das Verdrängen ist dann die Strategie, damit umzugehen. Eine blöde Strategie, weil ein Problem bestehen bleibt und auch blöd, weil Du ihm nicht gut vermitteln kannst, dass Du Dir mehr Offenheit und Vertrauen wünscht, da dies ja von ihm fordert nicht mehr zu verdrängen.
Was würde passiern, wenn Dein Mann sich öffnet? Glaubst Du, dass ihr zusammen euch auf den Weg machen könntet zu einer Sexualität mit mehr Tiefe, diesem gemeinsamen Ritt auf einer Welle, die euch beide trägt, man sich nicht selber bewegt, sondern bewegt wird und sich dieser Bewegung gemeinsam hingibt?
Ich habe so das dumme Bauchgefühl, aber ich kann mich natürlich irren, dass Dein Mann sich vielleicht nicht mit Dir einfach auf den Weg machen würde, wenn er sich öffnet, sondern erst Mal in ganz schön große Not geraten könnte, das zu verdauen, was die Beschneidung (und die Umstände der Beschneidung mit der Frage, ob das gegen seinen Willen war, ob es vielleicht Vertrauen zu seinen Eltern oder seiner Kultur erschüttert/zerstört hat, ...) mit ihm gemacht hat.
Bei mir war es eine Lebenskrise, als ich entdeckt habe, welche Wirkungen meine Beschneidung für mein Leben hatte und hat. Das war alles schön in meinem Unterbewußtsein verdrängt und hat mein Verhalten geprägt ohne dass ich es kognitiv mitgekriegt habe. Und es war nicht einfach, als Erinnerungen aufgetaucht sind und ich Zusammenhänge erkennen durfte/musste. Das ging Stück für Stück, bis sich ein ganzer Abgrund vor mir eröffnet hat. Es hat mich aus der Bahn geworfen.
Wie ist das bei Deinem Mann? Ich habe Dich früher schon einmal gefragt, so als Frage für Dich selber, nicht damit Du mir antwortest. Link Verdrängt Dein Mann vielleicht eine Verletzung, die sehr sehr schmerzhaft war, und schwer auszuhalten, wenn sie ins Bewußtsein aufsteigen würde, und nicht mehr verdrängt im "Keller"? Könnte er damit umgehen?
Das sind die Fragen, die mir durch den Kopf gehen, wenn Du von Offenheit und Vertrauen schreibst, von Tiefe und "eins sein". Die Beschneidung kann eine ganz schön tiefe Verletzung sein, und wenn diese Erfahrung hochkommt? Dann müsste Dein Mann damit umgehen, und Du natürlich auch.
Vielleicht würde Dein Wunsch nach mehr Offenheit und Vertrauen nicht zu größerer Tiefe im Sex (und darüber hinaus) führen, zumindest erst Mal, sondern ganz schön große Herausforderungen bedeuten? Und Dein Mann weiß das (mehr oder weniger unbewusst)?
So als kleine Reflektion auf Deinen Post. Ich kann falsch liegen, aber ich denke es schadet nicht, Dir diese mögliche Sichtweise anzubieten. Was meinst Du?