Die "Antwort" der AAP ist zum Totlachen.
1. Die AAP hält Beschneidung für notwendig vor den ersten Sexualkontakt (um die in Amerika offensichtlich hohe Zahl von Geschlechtskrankheiten unter Jugendlichen zu bekämpfen). Nach dieser Logik würde es reichen, 6 jährige zu beschneiden. Die haben wahrscheinlich selbst in Amerika noch keinen Sexualkontakt. Da 6jährige sich wahrscheinlich eher wehren würden, führt man die Beschneidung bei Säuglingen durch. Kinder werden also zwangsbeschnitten, bevor sie sich wehren können.
"The claim that sexually transmitted HIV infection is not a relevant threat to children is incorrect given the US data. In 2011, sexual debut occurred at or before age 13 years for 6.2% of US high school students, and most people in the United States are sexually active before the age at which they would posses the legal authority to consent to a circumcision."
2. Als ethische Rechtfertigung für die Säuglingsbeschneidung muss das Risiko herhalten, dass bei Nicht- Beschneidung womöglich jemand erkrankt.
"Frisch et al appeal to the ethical precept “First, do no harm,” but they fail to recognize that in situations in which a preventive benefit exists, harm can also be done by failing to act."
3. Kondomgebrauch gegen HIV sei zwar besser, aber nicht flächendeckend durchführbar. Deshalb Beschneidung. Dass die Beschneidung trotzdem allein nicht ausreicht, wird von der AAP nicht erwähnt.
4. Dann wird noch die Frisch-Studie "auseinandergenommen", was bekanntlich schon Brian Morris gemacht hat, und
5. der Vorwurf der kulturellen Voreingenommenheit mit dem "Argument" zurückgewiesen, diese sei in Europa grösser, weil dort fast gar nicht beschnitten würde, während die USA mit einer 50-zu-50 Rate von Beschnittenen und Unbeschnittenen "kulturell neutral" seien. Dass dies, nicht zuletzt aufgrund von AAP- Empfehlungen, einmal ganz anders war, fällt unter den Tisch.
Mein Fazit: dass die Gegen-Argumente der AAP so dürftig ausfallen, hat mich persönlich überrascht, ist aber wohl meiner immer noch vorhandenen Naivität geschuldet. Es geht um die Sicherung finanzieller Pfründe, und um sonst nichts.
Nachtrag: dass in der "Antwort" der AAP wiederum jeder Bezug auf die Kinderrechte fehlt, überrascht zwar nicht, sollte jedoch erwähnt werden. Die diesbezüglich "kulturelle Voreingenommenheit" ist offensichtlich derart tief verwurzelt, dass darüber noch nicht einmal gesprochen werden kann.