Beiträge von werner

    "I write on behalf of the American Academy of Pediatrics ("AAP'), the Infectious Diseases Society of America ("IDSA"), the Pediatric Infectious Diseases Society ("PIDS”), and the American Sexually Transmitted Diseases Association ("ASTDA") in opposition to the motion for a preliminary injunction filed by the plaintiffs in the above-captioned case."

    "Given the overwhelming scientific evidence demonstrating the .increased likelihood that newborns subject to direct oral suction will acquire HSV and that, because neonatal immune systems are underdeveloped, HSV infection in newborns is more likely to result in death or permanent disability, the risk associated with direct oral suction should be clearly communicated to parents or legal guardians in advance of the procedure, and written parental permission for the procedure should be obtained.…"


    3 Major Medical Organizations Come Out Against Haredi Circumcision Rite - FailedMessiah.com

    Die deutschen Beschneidungsbefürworter zitieren doch so gern die AAP. Sie sollten jetzt konsequent sein.

    Ich ging davon aus, das die die im Krankenhaus behandelt werden, nach besten medizinischen Erkenntnissen beschnitten werden.

    Es gibt immer noch tonnenweise Ärzte, nicht nur in den USA, die dem Säugling Schmerzempfinden absprechen und dies für "beste medizinische Erkenntnis" halten. Gerade bei der Beschneidung zeigt sich doch, dass die Behandlung durch einen Arzt und/oder in einem Krankenhaus keineswegs eine Garantie für "beste medizinische Erkenntnisse" darstellt, zumal dann, wenn nach Ansicht der Ärzteschaft die Vorteile einer Beschneidung darin bestehen, den Säugling vor Geschlechtskrankheiten zu bewahren. (würg)

    "Beste medizinische Erkenntnisse". Hach! :cursing:

    @HaWeWa

    Die Trennung von "Fiktivem" und "Realem" ist ja nun geradezu ein Paradebeispiel für "Vulgärrationalismus". Auch das Fiktive ist real.

    Was die Beschneidung betrifft, würde ich unterscheiden: ob bei der religiösen Beschneidung die dadurch erlangte Gnade fiktiv ist, würden Gläubige glatt bestreiten. Ausserden verdienen religiöse Beschneider (fast) nichts dabei. Bei der "amerikanischen" Beschneidung gebe ich Dir allerdings völlig Recht: die versprochene Gnade entpuppt sich bei näherem Hinsehen als reine Fiktion, während die Ärzte davon profitieren, und nicht nur so:

    The $140-million foreskin

    Wenn wir von Religion sprechen, sind wir logischerweise immer stark auf die 3 Abrahamitischen Religionen fixiert, aber wir sollten uns im klaren sein, dass es da noch mehr gibt. Religion ist nicht gleich Religion.

    Stimmt, wobei ich noch nicht einmal behaupten kann, dass ich über die drei abrahamitischen Religionen viel bzw. genug weiss. Über andere Religionen weiss ich auf alle Fälle so gut wie gar nichts.

    Zitat von Josc

    Was fundamentalistisch oder antifundamentalistisch ist, liegt bei gegebenem Interpretationsspielraum zwangsläufig im Auge des Betrachters bzw seiner Interpretation.

    Das Auge des Betrachters von religiösen Texten ist mit seinem Gehirn verbunden, in dem noch andere Dinge eine Rolle spielen. Das meinte ich mit "politisch".

    Wie "böse" kann Jainismus werden, wenn er in die "falschen" Hände gerät?

    Ich habe keine Ahnung (siehe oben). Ich habe aber bisher noch nichts gefunden, was nicht in "falsche Hände" geraten ist. Wahrscheinlich bin ich ein Pessimist, der der menschlichen Natur misstraut. Religion allein reicht aus meiner Sicht auf alle Fälle nicht aus, um den Menschen "gut" zu machen, auch dann nicht, wenn er das "Böse" nicht aus religiösen Texten ableiten kann. Es muss noch etwas anderes dazu kommen: eine weltliche Ordnung wie z.B. Demokratie.

    Zitat von Josc

    Ich meine, es ist ein Wechselspiel, das man nicht nur auf die eine Argumentation beschränken sollte. Das wäre mir zu simplifizierend.

    Meine absolute Zustimmung. Ich wollte auch lediglich meiner Ansicht holzschnittartig Ausdruck verleihen, dass sich Religion nicht im luftleeren Raum abspielt, in dem nur religiöse Texte eine Rolle spielen. Ich habe einen sehr, sehr weiten Begriff von Politik. Manche würden vielleicht ehr von Kultur bzw. Zivilisation sprechen.

    Ich kenne die Bücher von Krämer. Mich hat sie in vielem nicht überzeugt.

    Schade, ich bin nämlich ein ausgesprochener "Fan" von ihr. ^^

    Wir haben nichts dagegen, wenn jemand Kerzen anzündet.

    So ist es.

    Die Tatsache, dass es Religionen gibt, die "Götter anbeten" und nicht beschneiden, und auf der anderen Seite Atheisten, die beschneiden, zeigt ja doch, dass das Zurückführen der Beschneidung auf die "Götteranbetung" zu kurz gegriffen ist. Ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob durch die Abschaffung der "Götteranbetung" alles Leid aus der Welt geschafft wäre, speisen sich doch viele unsere Werte aus den Religionen. Grundsätzlich wäre mir eine glaubenspluralistische Gesellschaft am liebsten, in der allerdings auch "Vulgärrationalisten" zu respektieren wären. Religionen wären ohne Sonderrechte gleich zu behandeln.

    Zum Thema Extremismus/Fundamentalismus sei vielleicht noch angemerkt, dass dieser selbst nicht zwangsläufig das Problem ist, sondern es sind die Ideen und Grundlagen einer Religion, die mit extremer/fundamentaler Interpretation je nach Ausprägung der Religionstexte zum gesellschaftlichen Problem werden können.

    Man findet in allen Religionstexten "fundamentalistische" wie "antifundamentalistische" Aussagen. Politischer Fundamentalismus hängt sich meistens an letzterem auf und ignoriert ersteres. Vor allem aber ist Fundamentalismus meistens mit (politischen) Interessen verbunden, die überhaupt nichts mit Religion zu haben. Diese dient nur zur Unterfütterung dieser Interessen und wird entsprechend völlig selektiv und manchmal auch völlig verdreht interpretiert.

    Wie Religion funktionalisiert wird und welche Interessen der Beteiligten wirklich dahinterstehen, hat die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer anhand ihrer " Geschichte des Islam" und " Geschichte Palestinas" überzeugend und stringent aufgezeigt.

    Ob eine Religion "gut" oder "böse" ist, hängt nicht von der Religion ab, sondern davon, in wessen Hände sie fällt.

    Daraus kann man schlussfolgern, dass Beschneidungen besser durch qualifiziertes Personal in optimaler Umgebung durchgeführt werden sollten, und noch bessser gar nicht.

    Volle Zustimmung, vor allem zu Letzterem.

    Auf der anderen Seite haben wir hier überhaupt einmal eine Studie, die sich mit der Komplikationsrate beschäftigt. Meistens bekommen wir "nur" Berichte über spektakuläre Einzelfälle. Zweitens gibt die Studie Einblicke in die Folgen des Bemühens, Beschneidungsaktionen möglichst kostengünstig durchzuführen, und drittens erinnert sie daran, auf welchen wackeligen Füssen in manchen Teilen der Welt das "Argument" steht, es handele sich generell um eine völlig harmlose Routineoperation.

    "Complications noticed 1 day to 7 years (mean: 7.8 months) after circumcision were glanular adhesion in 27 (42.2%) children, meatal stenosis in 14 (21.9%), urethrocutaneous fistula in 11 (17.2%), trapped penis in 5 (7.8%), implantation dermoid in 4 (6.2%) and glans amputation in 3 (4.7%). After treatment, outcome was good in 59 (92.2%) patients, whereas 5 (7.8%) had residual defect."

    Complications of Neonatal Circumcision Requir... [J Trop Pediatr. 2013] - PubMed - NCBI

    Werner:, ich dachte das wäre in diesem Forum klar, um was es geht.

    Mir jedenfalls nicht. Ich bin immer noch auf der Suche...

    Studie: Mehrheit der Deutschen gegen Beschneidungsgesetz - SPIEGEL ONLINE sind 70 % der Deutschen gegen das Beschneidungsgesetz, soviel zum Thema Demokratie, und die Volksvertreter vertreten das Volk.

    Wir leben in einer repräsentativen und nicht in einer direkten Demokratie, und unterm Strich ist mir das immer noch lieber.

    @ werner: leider kann ich Dir gerade nicht folgen...

    Kein Problem - ich kann mir manchmal selbst nicht folgen... ;)

    Es ging mir nicht darum, was das Kölner Gericht und das Beschneidungsgesetz EXPLIZIT formuliert haben, sondern was der Gesetzgeber IMPLIZIT damit getan hat, indem er das Gesetz in ein und demselben Paragraphen wie seine Absage (!) an "entwürdigende Erziehungsmassnahmen" verortet hat. Darüber sind ja viele "gestolpert". Als im Bundestag jemand das angesprochen hat, ist Frau Künast geradezu explodiert in der Empörung darüber, dass man ein "ehr-würdiges" ( sic!) Religionsritual in die Nähe von "ent-würdigenden Erziehungsmassnahmen" rücke.
    Hinter dem "entwürdigend" steht eine bestimmte (wie Du schlüssig aufgezeigt hast) historisch gewachsene Vorstellung von der "Würde des Kindes". Der Gesetzgeber löst also ganz bewusst die Entscheidung darüber, was "Würde des Kindes" ist, aus der Entscheidungsbefugnis der Eltern, um sie jetzt im Beschneidungsgesetz genau wieder dorthin zurückzulegen, weil er in Folge des Kölner Urteils "entdeckt" hat, dass es in der Gesellschaft unterschiedliche Auffassungen darüber gibt.
    Diese Elternentscheidung betrifft ja nicht "nur" die Körperverletzung, sondern - nach der Verortung im selben Paragraphen - die "Würdeverletzung" des Kindes. Und die Würde ist ja eigentlich unantastbar. Ich frage mich, wie das Verfassungsgericht diese Klippe umschiffen würde.

    Oder zweifelt hier etwa jemand an unserer Demokratie ?

    Die Demokratie (und auch "unsere") unterscheidet sich von allen anderen Staatsformen darin, dass man die Zweifel an ihr artikulieren darf, und das auch noch öffentlich. Der Grat zwischen Zweifel an der Demokratie und "Demokratieverdrossenheit" kann schmal sein. Letztere kann manchmal zu Positionen führen, die mit Demokratie dann nichts mehr zu tun haben. Das ist jetzt natürlich nicht persönlich gemeint, sondern soll nur als Hinweis dienen, die Demokratiezweifel immer an konkreten Vorgängen festzumachen, die im Idealfall auch mit Fakten belegt sind.

    Auf den ersten Blick wirkt Deine Darstellung stringent. Wenn da nicht ein kleiner, aber nicht ganz unwichtiger "Haken" wäre (meine ich zumindest :S ).

    Bis zum Kölner Urteil schien ja Übereinstimmung darin zu bestehen, was unter "entwürdigend" zu verstehen sei. Die anschliessende Debatte hat aber gezeigt, dass dies in der Tat nur ein Schein war. Im Beschneidungsgesetz legt der Staat nun die Entscheidung darüber, was "entwürdigend" ist, in die Hände der Eltern. Darf er das?

    Die Analogie zu Chabad Lubawitsch ist doch flagrant.
    Extremisten bringen die religiöse Mehrheit in Bedrängnis.

    Ich sehe da eher eine Analogie zu dem Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Die Lubawitscher bestreiten die Durchführung der Metzitzah ja gar nicht. Im Gegenteil.

    Zitat

    Handfeste Beweise für Züchtigungen gibt es bisher nicht. Eine Amtsärztin habe fast alle 40 bis 50 Kinder im vergangenen Sommer untersucht - und dabei keine Spuren von Misshandlung feststellen können, sagte Jugendamtsleiter Kanth. "Ein paar Kinder haben zwar gefehlt, aber es gab keine Anzeichen dafür, dass sie wegen der Untersuchung weggeschickt worden sein könnten."

    Die "religiöse Mehrheit" muss sich ja rechtsstaatlicher Mittel bedienen - in diesem Fall geschieht dies durch das Jugendamt (Wächteramt des Staates). Die flächendeckende Untersuchung aller Kinder ist ja ein äusserst massiver Eingriff.

    Wer die Kritik an solchen Sekten mit einem Generalangriff auf "das Christentum an sich" verbindet, hat ein Rad ab (wenn nicht alle Räder).

    Insgeheim müsste doch dieser Mann bedauern, dass im Dritten Reich die Beschneidung nicht von den vielen Verboten erfasst war, die gegen Juden verhängt wurden. Auf das totale K.O.-Argument muss er deshalb verzichten.

    Dieses "Argument" braucht er gar nicht. Aus seiner Sicht führt jede, auch die geringste, Einmischung in jüdisch-religiöse Belange direkt in die Gaskammern. Schon eine etwaige Gesprächsbereitschaft auf jüdischer Seite stellt eine Gefahr dar. Dagegen vor allem richtet sich der Artikel. Er beabsichtigt, "Abweichler" an die Kandarre zu nehmen, und bezüglich der Berliner Beschneidung sieht man ja auch, wie das abläuft: obwohl der ZdJ stocksauer auf die Metzitzah war, greift er im gleichen Atemzug diejenigen an, die das angezeigt haben, und betont die gesamtjüdische Solidarität.
    Moshe Zimmermann hat diesen Vorgang in Israel als "Geiselnahme" der Gesellschaft durch die Ultraorthodoxen bezeichnet.