Beiträge von werner

    Interessant, die Genforschung findet einen Platz im Forum. So etwas ähnliches hatten wir schon mal.

    Traumata hinterlassen Spuren im Erbgut

    Und hier zur PTBS und der Epigenetik.

    http://cip-medien.com/media/download…/07.Schmidt.pdf

    Vielleicht hat das Beschneidungstrauma tatsächlich Vorteile. Es muss ja nicht der HIV- Schutz sein. Das Trauma könnze z.B. die sozialen Rezeptoren für ebenfalls Beschnittene stärken oder zur Verringerung der Smegma-Bildung beitragen. Oder jedenfalls irgendwie so in der Richtung. Jedenfalls muss die Traumaforschung komplett umgeschrieben werden. Ist vielleicht besser so ein Trauma, als viele denken. Der von Tätern oft gebrauchte Satz:"Ich will dich nur Dein Bestes" bekommt da eine ganz neue Färbung. (würg)

    Aus der Beschreibung seines Konfliktes ist leicht zu ersehen, wie schwer es ihm ist, sich den Erwartungen seines religiösen Umfeldes zu entziehen. Seien wir optimistisch: mit (Selbst-)Zweifeln und schlechtem Gewissen beginnt die Veränderung zuerst im Kopf und dann in der Tat.

    Dein Wort in Gottes Ohr. :thumbup:

    Ich habe an Psychotherapeuten einen hohen ethischen Anspruch, vielleicht sogar noch mehr als an Ärzte. Ein Psychotherapeut/Arzt, der die schädigende Wirkung eines Ereignisses erkannt (!) hat und mit seiner Behandlung betraut ist, kann sich unmöglich dafür aussprechen (!), dass dieses Ereignis sich wiederholt.

    Zitat

    "We’ve been doing it for thousands of years. I don’t buy that argument. Mankind has been doing horrendous things for thousands of years: slavery, capital punishment, condemning homosexuals, oppressing women."

    Zitat

    "I’m not going to say we need to change this ritual, but at the very least we need to have a conversation about it, to explore what we think and feel about it. If it’s somehow necessary for us to go through this trauma as both parents and children, then it’s doubly necessary that we talk about it, that we give the wounds a chance to breathe."

    Obwohl Elie Jesner als Psychotherapeut (in Ausbildung) erkannt hat, dass es sich bei der Säuglingsbeschneidung um ein massives Trauma handelt, wagt er nicht, gegen die Fortsetzung, Weitergabe und zukünftige Wiederholung der Traumatisierung zu plädieren. Wird er dann als Therapeut z.B. dafür plädieren, dass ein Patient seine Frau weiter verprügelt, aber nach jeder Prügelattacke mit ihr darüber spricht, damit "ihre Wunden atmen können"?

    Alles, was der Autor Bodenheimer - aus jüdischer Sicht - beschreibt, könnte durch eine Brit Shalom genauso erreicht werden (jüdisches Aufwachsen, jüdische Religionserziehung, Identität, Männlichkeit usw.). Warum es nötig ist, sich an die reale Amputation der Vorhaut zu klammern, erklärt er uns nicht. Das glauben wir und damit Basta.

    Gibt es eine Studie darüber, ob die Beschneidung einen Einfluss auf die Fertilität hat?

    Die hohe Fertilität der ultraorthodoxen Haredim in Israel spricht eine eindeutige Sprache. Wahrscheinlich fördert es die Fertilität, wenn man(n) sich angesichts der Reduktion sexueller Empfindlichkeit auf das "Kerngeschäft" des Geschlechtsaktes konzentrieren kann (Maimonides, Deusel et.al.). ;(

    Die Schlichtheit des Unrechts der Beschneidung kann bewirken, dass Beschneidungsgegner aus allen politischen, weltanschaulichen, religiösen oder sonstigen Lagern rekrutiert werden. Aber nur dann, wenn man sie nicht mit ideologischen Überbauten versemmelt.

    Da spricht die Juristin. :rolleyes:

    Die Diskussion dieser Frage hat bei uns eine lange Geschichte, die auch in der Gegenwart noch aktuell ist. Sie begann (?) bei den RAF- Prozessen, bei denen die Angeklagten von "politischen Prozessen" sprechen wollten, was der Richter dadurch zurückwies, dass er "nur" über Mord verhandeln wolle. Heute hat die Menschenrechtskommission des türkischen Parlaments gefordert, dass das Gericht mit dem Zschäpe-Prozess die Verfolgung türkischer Migranten in Europa(!) beenden solle. (Man "erinnerte" auch wieder an den Holokaust.). Der arme Richter! 8)

    Wenn die Beschneidung verboten wäre, stünde nicht ein Täter vor Gericht, sondern ein Mohel. Das Thema "Der Übergang von Täterstrafrecht ("Gesinnungsstrafrecht") zum Tatstrafrecht" als Lehre aus dem 3. Reich ist höchst interessant, würde hier aber natürlich viel zu weit führen.

    Leute, habt Euch nicht so mit der körperlichen Unversehrtheit. Das ist nur ein "abstraktes Ideal", das die Eltern mit Konkretem füllen dürfen.

    Zitat

    "Der „irreversible Verlust von Körpersubstanz“ ist im Vergleich zu einer leicht reversiblen Körperveränderung ein qualifizierendes Merkmal; seine Bewertung unter einem abstrakten Ideal des ‚vollständigen‘ Körpers geht aber über die schlichte medizinische Tatsache hinaus, indem sie affektive (unter Umständen auch religiöse oder weltanschauliche) Maßstäbe und damit die Prärogative des Elternrechts ins Spiel bringt."

    Man sollte diese Studie mit allerhöchster Vorsicht behandeln, ganz besonders dann, wenn man eine Verbindung zum Beschneidungstrauma ziehen will.
    Die Verbindung von FKBP5-Veränderungen durch Stress wird schon seit vielen Jahren untersucht und kann als bewiesen gelten. Ob und wenn ja, welche Stresserfahrungen in der Kindheit eine Rolle spielen, ist aber völlig ungeklärt. Im dem verlinkten 3Sat-Bericht werden z.B. isolierte kindliche Nervenzellen im Reagenzglas mit Stresshormonen vermixt. Aber was sagt das aus?
    Andere Untersuchungen zum FKBP-5 sind da schon differenzierter vorgegangen, und haben versucht, nach bestimmten kindlichen Stresserfahrungen ( z.B. sexueller Missbrauch) zu differenzieren. Leider scheitert dieses Untersuchungsdesign daran, dass Kindheitserinnerungen kaum operationabel sind, d.h. sich individuell höchst unterscheiden: Missbrauch wird ganz unterschiedlich erlebt und berichtet, und hängt von einer Vielzahl anderer Faktoren ab.

    Dass kindliche Stresserfahrungen die Belastbarkeit in späteren Jahren verringern können, ist nix Neues. Es ist sicher verdienstvoll, wenn man - wie in der verlinkten Forschung - das "biochemische Korrelat" dieser Stresserfahrungen untersucht. Diese Forschung trifft jedoch irgendwann auf ein ethisches Problem: darf ich dem Säugling zur Stabilisierung seiner Gene nach/vor der Beschneidung ein genstärkendes Mittel verabreichen, um das Risiko späterer psychischer Erkrankungen zu verringern?

    "Denn ich bin weder Baby noch Inhaber eines Penis, mir fehlen also die Voraussetzungen, um aktiv in die Diskussion einsteigen zu können."

    Also konnte Frau Berg z.B. auch nicht in die Diskussion über dem sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch katholische Priester einsteigen und auch nicht in die Diskussion über Kinderpornographie. Zu den "Schwänzen kleiner Männer" hat Frau Berg nämlich "keine Meinung", weil sie keinen Schwanz hat. Handelt es sich hier um eine geschlechtsspezifische Meinungshemmung oder verwechselt Frau Berg einfach nur "keine Meinung" mit "keine Ahnung"?

    "Ich wage nicht zu denken,..." Nur Mut, Frau Berg, wer wagt, gewinnt.

    "Religiöse Minderheiten erscheinen vielfach als neuartige Herausforderung für das politische und kulturelle Handeln der Gegenwart. Doch waren multireligiöse Räume auch in der Vergangenheit der Normalzustand, nicht die Ausnahme. Religiöse Durchmischung entstand über Jahrhunderte hinweg durch Migration, Mission oder als Folge von Eroberungen. Die Machtbeziehungen zwischen religiöser Mehrheit und Minderheit waren daher häufig unklar bzw. prekär: Mitunter konnten die Anhänger der dominanten Religion sogar zahlenmäßig unterlegen sein."

    Freitag, 17. Mai 2013 14.30 Uh

    Podiumsdiskussion
    Kopftuch, Beschneidung, Kreuz: Negative und positive Religionsfreiheit in Deutschland
    Kamran Safiarian (ZDF) -Moderation

    Werner Schiffauer
    Professor für vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie
    an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

    Ulla Wessels
    Professorin für Praktische Philosophie an der Universität des
    Saarlandes

    Wolf Krötke
    Emeritierter Professor für systematische Theologie an der Humboldt-
    Universität zu Berlin

    Universität Konstanz | 2013 | 46

    Ich wage einfach mal die These, dass die Beschneidungsdebatte anders verlaufen wäre, wenn es vorher nicht die Aufdeckung der diversen Missbrauchsskandale gegeben hätte. Letzteres hat die Bevölkerung für das Schicksal kleiner Jungen ausserordentlich sensibilisiert, und das Misstrauen gegenüber Religionsvertretern, die ihr eigenes paralleles Rechtssystem anwenden, verstärkt. Die Diskussion über solche Rechtssysteme (kirchliches Tarifrecht, muslimische "Schlichtungsstellen" usw.) ist noch lange nicht gegessen, und wird auch immer wieder zum Thema Beschneidung führen.

    absolut auf dem neuesten Stand, Eltern weismacht, Phimose sei eine Indikation für eine VA.

    Zitat von Beschneidungs-Experten-Netzwerk

    "Im Falle einer Phimose bzw. einer Vorhautverengung bei Kindern ist eine Operation medizinisch indiziert."

    "Bei Säuglingen und Kleinkindern männlicher Natur ist eine Vorhautverklebung völlig normal. Somit besteht daher kein medizinischer Grund, eine Beschneidung vornehmen zu lassen. Eine Ausnahme gibt es, wenn es zu Problemen beim Wasserlassen kommt. Eltern sollten bei Jungen bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres nicht die Vorhaut zurückschieben und in den Folgejahren die Sache beobachten. In der Regel lässt sich die Vorhaut dann in ungefähr 50% und bei dreijährigen Kindern in etwa 90% der Fälle zurückschieben."