Beiträge von werner

    Vergessen wir nicht, dass die Beschneidungsquote in Deutschland, im Judentum, bei 20% liegt...
    Ziehen wir die noch ab, die es aus kulturellem Druck heraus tun, bleiben wenige Fanatiker übrig, die es aus aufrichtiger und tiefer Überzeugung heraus tun.
    Wieder einmal versaut eine Minderheit den Ruf der Mehrheit, zumindest im Kopf jener, die diese Zahlen nicht kennen.

    Du hast aber schon mit einbezogen, dass die Beschneidungsquote nur deshalb bei 20% liegt, weil die anderen 80% eingewanderte erwachsene russische Juden sind. Bei denen wird akzepziert, wenn sie eine jüdische Mutter haben. Beschneiden müssen sie nicht. Ob sie deshalb liberale aufgeklärte Beschneidungsgegner sind, wage ich zu bezweifeln. Wenn ich mich recht erinnere, waren bei der Teichtal-Beschneidung mehrheitlich russische Juden anwesend. Die stehen offensichtlich besonders auf Chabad.

    Mit "Rationalisierungen" meinte ich die Begründung der Beschneidung aus der Sitation in grauer Vorzeit, z.B. die "Sand-unter-der-Vorhaut-beim-Marsch-durch-die-Wüste-bei-Wasserknappheit-Theorie" oder die "Vorhaut-als-Eichelschutz-vor-der-Erfindung-der-Hose-Theorie" oder die "Beschneidung-ist-Ersatz-für-den-archaischen-Opferkult-Theorie". Kein Mensch weiss das, man wird es nie rauskriegen (weil die Belege fehlen), aber es macht zugegebenerweise (auch mir) Spass, bei einem Gläschen Wein darüber zu spekulieren. Diesen Unterschied meinte ich festhalten zu müssen. ;)

    Das Stammeszeichen-Argument ist meiner beschneidenen Ansicht nach nie in der Mottenkiste verschwunden gewesen, es hat nach dem Holocaust nur eine Verstärkung erfahren. Vorher ist die (jüdische) Beschneidung immer wieder auch ein Angriffspunkt für Antisemitismus gewesen. Ob die Juden umso sturer waren, je mehr sie von christlicher Seite angegriffen, weiss ich nicht. Heute ist es bestimmt so, wobei sich die Angreifer nicht nur aus dem Christentun speisen, sondern auch aus dem muslimischen Umfeld.


    Der amerikanische Beschneidungsfanatismus (beginnend mit dem Cornflakes-Erfinder) scheint völlig unabhängig von jüdischen Ritual entstanden zu sein. Wüsste ich jedenfalls nicht. Zu den medizinischen Rationalisierungen viktorianischer Moral und ihrer Entwicklungen bis heute hat Thomas Szaz aus meiner beschneidenen Sicht alles gesagt. Allerdings kommt offensichtlich das uramerikanische Bedürfnis, " Wie Daddy auszusehen", ebenso ins Wanken wie der Glaube an die Unfehlbarkeit der Ärzte.
    Stehter Tropfen höhlt den Stein. :D

    Der Wahrhaftigkeit wegen sollte man erwähnen, dass es über die Herkunft der Beschneidung und der Nahrungsmitteltabus nur Vermutungen aber keinerlei (!) Beweise gibt. Die Theorie, dass hinter den Ritualen und Tabus ursprünglich eine rationale Begründung gestanden hat, wird z.B. bezüglich der Nahrungsmittel nur von Marvin Harris vertreten. Andere bedeutende Ethnologen wie z.B. Levy-Strauss vertreten ganz andere Theorien. Die Schweinefleisch-Trichinen-Hypothese ist übrigens lange widerlegt.

    Es sind einige Religionsvertreter gewesen, die mit hanebüchenen Theorien über den rationalen "wirklichen" Hintersinn der Beschneidung, den Gott schon immer gewusst hat, uns Dummerchen aber erst heute aufgeht, aufgetreten sind. Das sind sämtlichst Rationalisierungen, die uns die Rituale als schon immer "vernünftig" schmackhaft machen wollen. Unsere Vorfahren hatten mit Sicherheit aber eine andere "Vernunft" als wir.

    Interessant ist bei der Betrachtung der globalen Circumcision-Connection auch der chinesische Beitrag.

    Gerade kürzlich haben Forscher vom Department of Urology, West China Hospital, Sichuan University eine Metaanalyse über Studien zu sexuellen Dysfunktion nach Beschneidung vorgelegt.

    http://www.nature.com/aja/journal/va…aja201347a.html

    Honorarprofessor an diesem Department ist Dr. Li.

    "Since 2009, Dr. Li has served as a board member for the WHO Consultation on Male Circumcision Devices and also a board member for the American Urological Male Circumcision Task Force.

    Li plays a key role in leading several international studies and surgical training events for the Chinese Shang Ring circumcision technique for HIV prevention in Africa and China."

    http://www.maleinfertility.org/li.html

    Bis die Säuglingsbeschneidung in China eingeführt werden kann, ist allerdings noch ein langer Weg.

    http://www.biomedcentral.com/content/pdf/1471-2458-12-738.pdf

    In der o.g. Metaanalyse, die erwartungsgemäss keine sexuelle Beeinträchtigung nach Beschneidung "beweist", spielen die vier grossen Umfragen von Lauman, von Richters, von Krieger und von Kigozi wegen ihrer hohen Zahl befragter Männer eine erhebliche Rolle. Die Umfrage von Laumann haben Intaktivisten schon ausführlich auseinandergenommen. Richters hat selbst erhebliche Zweifel an ihren Ergebnisen geäussert. Krieger und Kigozi hingegen haben gemeinsam mit Brian Morris die Kritik an der Bronselaer-Studie verfasst.

    Wie heisst es so schön: "Honi soit qui mal y pense."

    Der Gewinn dieser Studie liegt darin, dass sie einen Überblick über den Stand der Forschung gibt, den man sich sonst aufwendig zusammensuchen muss. Das hat es so noch nicht gegeben.
    Einen neuen Aspekt bringt sie in der Tat nicht ein.

    Wir haben doch mindestens einen Psychologen hier an Bord.


    Zur Erklärung brauchst Du keinen Psychologen. Hintergrund ist die Angst vor der weiblichen Sexualität bzw. die Angst vor den eigenen sexuellen Gefühlen, deren Anlass die Frau ist. Im Islam gibt es das auch.

    Wenn man polemisch sein möchte, könnte man sich die Frage stellen, was es mit einer Religion auf sich hat, die Frauen nicht die Hand gibt, aber Penisse von Säuglingen in den Mund nimmt. Aber wer möchte schon polemisch sein? :rolleyes:

    Einen psychotherapeutischen Ansatz, der sich wohltuend von den Hüftschüssen selbsternannter SexberaterInnen aus der Pschycho-Tipps-und-Tricks-Ecke abhebt, beschreibt in dem Buch die Intaktivistin und Krankenschwester B.Maurene White. Sie hat viele Beschneidungen und die Reaktionen der Eltern miterlebt und weiss, wovon sie redet.

    Maurene White bezieht die Ehefrauen mit ein.

    "The couple’s motivation to collaborate during assessment and openness to the contemporary option of foreskin restoration as part of their self-managed treatment mitigated negotiating a dynamic, flexible, long-term plan to resolve their problems which are not isolated but illustrate those of potential millions."

    http://link.springer.com/chapter/10.1007/978-94-007-6407-1_8

    Wer zwischen den Zeilen lesen möchte, findet, wenn auch indirekt, schon was zur Beschneidung.


    Zitat

    "Aber die Welt des Judentums ist auch eine Welt der Interpretationen. Die Gesetze sind ewig, doch die Zeiten ändern sich."

    "Den Leuten, die ihm gegenübersitzen, weil sie Juden werden möchten, sagt er zur Abschreckung: "Du kannst Gott zufriedenstellen, ohne dass es furchtbar schwierig für dich ist. Du hast ein freies Leben. Ich habe kein freies Leben."

    "Die Menschen können nicht alles verstehen, aber sie haben eine Aufgabe, sie müssen lernen und arbeiten, sie müssen sich an die göttlichen Gesetze halten. Er sagt: "Gott hätte auch eine fertige Welt erschaffen können, mit Häusern, Straßen, Autos, damit die Menschen darin Spaß haben. Aber so ist es nicht. Gott will, dass wir selbst etwas leisten." Die Menschen haben die Baumaterialien und einen Plan bekommen. Jetzt sind sie am Zug."


    Zitat

    "Every year, across the globe, an estimated 13.3 million boys and 2 million girls are involuntarily subjected to genital cutting. Both male and female genital cutting persist, generating a multi-billion-dollar-a-year industry that is defended by its proponents with dubious studies, manipulated statistics, and an appeal to “custom.” Physicians and parents alike have been misled into believing that these mutilations are beneficial, necessary, and harmless. Today, flawed studies have allowed the promotion of circumcision as a way of combating HIV/AIDS in Africa, an experiment that failed in the USA, where a half-million circumcised males have succumbed to AIDS. These facts notwithstanding, the public and legal outcry against these abuses is increasing. For instance, the high court in Cologne, Germany ruled in 2012 that circumcision harms the child, that the harm is irreversible, that it denies the child the right to his own body, and that circumcision denies the individual the right to choose his own religion. Thus, the issue of circumcision has expanded beyond the arena of medicine and is firmly established as a human rights and legal problem. The contributors to this volume, an international panel of experts in the fields of medicine, law, ethics, anthropology, sociology, history, religion, and politics, thoroughly examine and elucidate this violation of human rights."

    Einer Frau, die im Krieg mehrfach vergewaltigt wurde und danach auf jeden Annäherungsversuch mit der Austrocknung ihrer Vagina reagiert, würde Frau Fux empfehlen, Gleitcreme zu benutzen oder/und mit einem Sexualtherapeuten ihr verkorkstes Sexualleben zu besprechen. Offensichtlich steht sie mit ihrer Vagina "auf Kriegsfuss".

    Ich empfehle Frau Fux eine Fortbildung bei einem Traumatherapeuten.

    Zitat

    "Man soll sich nie schämen, Hilfe zu suchen und anzunehmen."

    Frau Fux ist mit Sicherheit eine der HauptantwärterInnen für die nächste Auszeichnung der betreffenden Religionsgemeinschaften: nicht der Beschneider steht mit dem Penis auf Kriegsfuss, sondern das Opfer. Nicht ersterer, sondern letzteres hat eine Meise und muss zum "Psychiater".

    Pizarro73 hat völlig recht: in der Therapie muss sich der Patient der Wahrheit stellen, und dazu gehört auch die Wahrheit über den/ die Täter. Dem traumatisierten Patienten für verrückt zu erklären und ihm zur Verarbeitung seines Traumas Gleitgel zu empfehlen, ist infam.