Eine polemisch wirkende Abhandlung, die emotional aufgewühlt erscheint, dient der Sache letztlich nicht besonders. Das ist gerade deshalb bedauerlich, weil Paeffgen in der Sache eigentlich recht hat.
Ich denke, dass Paeffgen hier nicht in erster Linie die religiösen Beschneidungsbefürworter meint, sondern einige seiner juristischen Kollegen und Teile der politischen Klasse bzw. deren publizistischen Sprachrohre, die mit geradezu abenteuerlichen Winkelzügen die Rechtmässigkeit der Beschneidung "begründet" haben. Man kann da natürlich versuchen, so kühl deduzierend zu bleiben wie z.B. Putzke und Isensee. Dass Paeffgen die Verblödungstaktik mancher seiner Kollegen über die Hutschnur gegangen ist, kann ich menschlich verstehen, und bringt den ganzen Irrrsinn vielleicht mehr auf den Punkt als bei den kühlen Köpfen.
Auf diesem Hintergrund zieht das amerikanische Beispiel nur eingeschränkt, denn in der dortigen Diskussion stehen die Beschneider (Eltern, Ärzte, Religionsvertreter) im Focus, während wir es hier mit einer Offensive rechtsverdrehender "Fachleute" zu zun gehabt haben, deren Äusserungen unserer Rechtswissenschaft nicht gerade zur Ehre gereicht haben und die ganze Zunft ins Zwielicht rückten.