Beiträge von werner


    Hm, ist vielleicht doch noch ein bisschen was anderes. BvJ beschreibt die psychologischen und funktionellen Auswirkungen, während der FAZ-Artikel sich mit sichtbaren Veränderungen des Gehirns beschäftigt. Diese Forschung ist höchst interessant und hat eine grosse Zukunft, auch wenn man sich (noch?) nicht sicher sein kann, dass solche Veränderungen auch nach Beschneidungstraumen auftreten.

    So etwas wird dann noch als modern und tolerant im Sinne des kulturellen Austausches verkauft.


    Der weisse südafrikanische Jungmann, der am diesjährigen Verstümmelungsritual der Xhosa teilgenommen hatte (das Beschneidungsforum berichtete darüber), wurde von einer amerikanischen Regierungsorganisation für sein "kulturverbindende" Aktion in höchsten Tönen gelobt. Wenn er dabei draufgegangen wäre, hätte man ihm sicher eine Märtyrermedallie verliehen.

    Seine Aussagen zeigen, wie sehr die Beschneidung im türkischen als auch im islamischen Kulturraum verankert ist. Seine Aussage, dass die Beschneidung nicht verhandelbar ist, zeigt klar nicht nur seine Denkweise, sondern des gesammten islamischen Kulturraumes.


    Wobei er ja den türkischen Kulturraum massiv kritisiert.

    Vielleicht könnte man ihn am Besten mit einem atheistischen Juden vergleichen: Religion? Nö. Beschneidung: Aber ja doch!

    Warum also die Differenzierung zu den Eierstöcken und dem Brustgeweben?

    Weil die Studienlagen zu den jeweiligen Amputationen dann doch extrem unterschiedlich sind, und zwar ganz extrem unterschiedlich. Die Untersuchungen zu den gesundheitsprophylaktischen Auswirkungen der Beschneidung sind dünn, und zwar extrem dünn. Die Studien zur Beschneidung stehen alllesamt von der Datenlage her und von der Methodik auf derart schwachen Füssen, dass ihnen ihre propangadistische Absicht schon von weitem anzusehen ist. Dies ist bei der Brustamputation völlig anders, zumal hier die Einschränkungen und verbleibenden Risiken bekannt sind und abgewogen werden können.
    Ich persönlich habe nichts Grundsätzliches gegen "informed consent", wenn sie denn wirklich "informed" ist, und nicht auf einer äusserst fragwürdigen Datenlage, offensichtlichen kulturellen und religiösen Motiven und zusätzlich noch finanziellen Erwägungen beruht. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, dass sich eine Frau ihre Brust abnehmen lässt, weil sie dann besser sauberzuhalten ist.

    Bei Angela Jolie hat sicherlich die Erfahrung mit der Krankheit ihrer Mutter eine erhebliche Rolle bei ihrer Entscheidung gespielt. Frau Jolie weiss andererseits bestimmt, dass sie mit der Amputation nicht aus dem Schneider ist. Eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Bei der Vorhautamputation liegt das völlig anders.

    Zitat

    "Hallo !Dieses Krankehaus der unbahrmherzigen Schwestern ist mir ein Begriff.
    Besonders der oberarzt der kinderurologischen Station Markus Riccabona. Er lässt keine Gelegenheit ungenuzt um in jeder Seite und Zeitung, ( der Standart, netdoktor.de )über Beschneidung und ihre angeblichen Vorteile zu schwelegn. Die Klinik in Linz operiert auch “Wunsch” circumcisionen an Kindern, aus religiösen, und nach einigen Angaben auch aus “äthestischen” Gründen. Auf der Internettseite der Klinik zählt Herr Riccabona fein säuberlich die vilelen gesundheitlichen Vorteile der Beschneidung auf. Nein nicht wegen medizinscher Indikation, ihre allgemien Vorteile. Die Seite über Beschneidung auf der Klinikseite endet mit den Worten: ” In Österreich werden mehr und mehr Buben beschnitten.” Die Klinik führt jährlich 250 bis maximal 400 Zirkumzisionen durch und darüberhinaus eine Hand voll Präputiumsplastiken, von denen Herr Riccabona, sowieso nicht viel hält.
    Dieser Urologe ist mir äußerst suspekt. Seine pseudo-wissenschaftlichen, grundlegend falschen medizinischen Angaben über Beschneidung auf der Klinikseite der unbahrmherzigen Schwestern sprechen für sich."

    http://blog.phimose-info.de/2010/09/729-bu…hneidung-boomt/


    Beschneidung: was dürfen Ärzte?

    In gewisser Weise ähnlich wie Broder drischt Zaimoglu auf (fast) alles ein, was ihm vor die Flinte kommt. Mit einer Ausnahme: er liebt Deutschland und die Deutschen, weil sie (aus seiner Sicht) kein Blatt vor den Mund nehmen. Egal, wie man dazu steht, hat er dies schon mal zum Anlass genommen, auf die Verlogenheit seiner türkischstämmigen Landsleute einzudreschen, mit, wie ich meine, gar nicht mal so falschen Erkenntnissen. Er kritisiert auch Deutsche, die aus falsch verstandener Integrationsbereitschaft die Verlogenheit von Türken "respektieren".

    Wo bei ihm der Ofen aus ist, ist die Religion und die Aufklärung, obwohl er aus einer eher sekulären Familie kommt, und seinen Eltern (erste Einwanderergenaration) sehr dankbar ist, dass er durch sie nach Deutschland kam. Er selbst billigt sich eine Art ursprünglichen Gottesglauben zu.

    Es gibt m.A. erhebliche Parallelen zwischen den Auffassungen Zaimoglus und einem grossen Teil der deutschen Journalisten in der Beschneidungsdebatte. Aufklärung wird in die Nähe von Nihilismus und Antisemitismus gerückt (Paradebeispiel: Voltaire war Antisemit). Rückwirkend kommt es mir so vor, dass diesen Gesinnungsgenossen das Kölner Urteil mehr als recht kam, um endlich mal die proreligiöse Sau rauszulassen. Nach den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche war das schon etwas verwunderlich.

    Die ethische, medizinisch-psychologische und juristische Argumentation bezüglich Zwangsbeschneidung von minderjährigen Jungen geht diesen Leuten am Hintern vorbei. Das sind für sie nur antisemitische, islamophobe und atheistische Vorwände. Davon sollte man sich nicht beirren und sich auf die Religionsdiskussion einlassen, sondern auch weiterhin die Finger auf die genannte Argumentation legen.

    Um diesen wort-gewaltätigen wortgewaltigen Schriftsteller etwas einzuordnen, habe ich mir erlaubt, ein paar Zitate aus dem Zusammenhang zu reissen.


    Zitat

    "Ich bin nicht geneigt, den Pinschern der Moderne irgendeine Leistung zuzubilligen. Die Aufklärung hat die Magie zum Zerplatzen gebracht. Sie haben die Träume zerstört. Sie haben versucht, den Glauben zu zerstören. Einige haben Gott für verrückt erklärt, sind aber selber verrückt geworden."

    Zitat

    "Man muss den Willen, den Mut zum Reaktionären haben."

    Zitat

    "Indirekt hatte er islamkritische Autorinnen wie Ates und Necia Kelek als "Aufklärungshysteriker" bezeichnet."

    Zitat

    "Vielleicht ist es an der Zeit, im Umkehrschluß einmal die Aufklärung als das Opium der Bürgerklasse anzusehen: jeder Gegenstand, der nicht Ware war und ist, wird dabei entwertet."

    Ich verzichte auf die Angabe der Fundstellen. Sie sind leicht zu ergoogln.

    Der Kommentar von "Kevin" unter dem Artikel macht deutlich, worum es geht.

    Zitat

    "If it were her daughter, and she said she needed to protect her from female circumcision, there would have been no issue. This despite the fact that the form of female circumcision commonly practiced in Malaysia is far less harmful than the typical male circumcision.
    This has everything to do with the West’s inability to see male circumcision for what it is — genital mutilation, an abhorrent , permanently damaging sexual violence against a child and a gross violation of human rights."

    Zaimoglu im Jahre 2006 im Gespräch mit Broder.

    Zitat

    "Ich weiß auch keine guten Antworten. Ich möchte nur verschont bleiben vom Wahnsinn der religiösen Exzentriker aller Abteilungen. Alle Rechte, alle Freiheiten wurden im Kampf gegen die Religion, die Pfaffen, den Klerus und den religiösen Absolutismus erworben. Und wenn ich es großartig finde, in einem säkularen Land zu leben, dann möchte ich keine Freiheit beeinträchtigt wissen. Aber mir ist bewusst, ich "schwimme" da ein bisschen. Denn ich kann diejenigen verstehen, die sich durch Karikaturen verletzt fühlen. Trotzdem kann man daraus nicht die Konsequenz ziehen, dass man vorsichtig sein und Selbstzensur praktizieren muss, um andere nicht zuverletzen. Es ist eine sehr komplexe Situation."


    http://www.spiegel.de/kultur/gesells…n-a-406549.html

    Zitat

    "The female condom is the only evidence-based AIDS prevention technology that has been designed for the female body; yet, most women do not have access to it. This is remarkable since women constitute the majority of all HIV-positive people living in sub-Saharan Africa, and gender inequality is seen as a driving force of the AIDS epidemic".

    http://www.jiasociety.org/index.php/jias…load/18452/3105

    Dies ist m.A. ein erheblich schlauerer Artikel über geschlechtsspezifische Aspekte der Sexualität als man es im Böll-Blog lesen konnte. Auch in diesem Forum kam das Frauenkondom m.A. bisher zu kurz. Es kann einen zusätzlichen Beitrag zur Vermeidung von HIV leisten und Frauen unabhängig machen von dem Willen/Unwillen von Männern, Kondome zu benutzen. Ausserdem schlägt es den Beschneidungspropagandisten ein weiteres Argument aus der Hand.

    Der 17jährige Brandon de Wet hat am diesjährigen Beschneidungsritual der Xhosa teilgenommen.

    Zitat

    "But Brandon's parent say they have noticed a change in their son."He seems a lot more placid, a lot more mature. This experience has definitely changed him," his mother says.
    His father says it has been an "invaluable lesson for him".
    "He was exposed to another way of life and now has a deeper appreciation of the luxuries that he would have otherwise taken for granted."


    http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-23284898


    Brandon hat gelernt, dass weder das Leben noch der Besitz eines Penis "for granted" genommen werden können.

    http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-23378694

    Dass hier jemand seine Vermutungen über die "Fetischspinner" damit begründet hat, dass Frauen asexuell sind und keine Fetische haben, kann ich nicht nachvollziehen.

    Für die These, dass manche Frauen/Mütter was gegen männliche Selbstbefriedigung haben, und einige von ihnen dabei auch an Beschneidung denken oder sie sogar durchführen lassen, spricht einiges. Dass diese Frauen/Mütter mit den "Fetischspinnern" identisch sind, wage ich zu bezweifeln.

    Gefälschte und Untersuchungen, die eine Absicht verfolgen, sollte man nicht in einen Topf werfen. Auch das wäre extrem unseriös. Diese Untersuchungen sind nicht "gefälscht". Das kommt in der Wissenschaft extrem selten vor. Dass die Untersuchungen auf extrem schwachen Füssen stehen, sehen die meisten Wissenschaftler viel schneller als wir. Dass damit eine Absicht verfolgt wird, weiss inzwischen jeder Dödel. Dabei sind es sehr oft gar nicht mal die Wissenschaftler, sondern die Propagandisten und die Presse, die die Ergebnisse zielgerichtet interpretieren und verbreiten. Weder die Authoren der Studie, die kürzlich die Bakterien unter der Vorhaut ausgezählt haben, konnten sich gegen die in der Presse verbreitete Behauptung wehren, damit sei die Beschneidung als HIV-Prophylaxe "bewiesen", noch wurde Bronselaer gehört, der mehrfach darauf hinwies, dass er keinesfalls sexuelle Befriedigung untersucht habe (sondern nur die Sensitivität am Penis).

    Die Abtreibungsdebatte (auch bezüglich der Spätabtreibungen) zum Anlass zu nehmen, die Fixierung der Presse auf Frauenrechte zu beweisen, ist absurd. Gerade bezüglich Abtreibung kann die Presse gar nicht genug auf Frauenrechte "fixiert" sein.
    Auch z.B. bei Sorgerechtsentscheidungen sind die Familiengerichte sehr oft auf "Frauenrechte fixiert". Leider immer noch aus gutem Grund - zum Kindeswohl.

    Allerdings sind diese Behauptungen nicht anonym aufgestellt worden. Sind sie deswegen wahrer?

    Wissenschaftliche Untersuchungen basieren auf der Erhebung von Daten und ihrer Interpretation. In wissenschaftlichen Artikeln wird die Art der Datenerhebung benannt und ihre Interpretation dargestellt. Das ist durchsichtig und nachvollziehbar, und gerade deshalb (!!!) angreifbar. Wie man das angreift, wird weltweit seit Jahren von Intaktivisten wie z.B. auf BvJ demonstriert.
    Dies in einen Topf zu werfen mit anonymisierten Erzählungen aus Foren, die ganz unstreitbar von grossen Zahl von einschlägigen Perverslingen bevölkert werden, kann beim besten Willen nicht angehen. Das nimmt niemand in einer seriösen Diskussion ernst, und man gerät in die Gefahr, sich lächerlich zu machen.

    Es ist nicht auszuschliessen, dass es in unserer Gesellschaft Skandale gibt,deren Aufdeckung ein quasi mafiöses Schweigen ( "Omerta") verhindert, aber dann sollte man darauf investigativen Journalismus ansetzen, und nicht eine brodelnde Gerüchteküche aus zweifelhaften Quellen.