In gewisser Weise ähnlich wie Broder drischt Zaimoglu auf (fast) alles ein, was ihm vor die Flinte kommt. Mit einer Ausnahme: er liebt Deutschland und die Deutschen, weil sie (aus seiner Sicht) kein Blatt vor den Mund nehmen. Egal, wie man dazu steht, hat er dies schon mal zum Anlass genommen, auf die Verlogenheit seiner türkischstämmigen Landsleute einzudreschen, mit, wie ich meine, gar nicht mal so falschen Erkenntnissen. Er kritisiert auch Deutsche, die aus falsch verstandener Integrationsbereitschaft die Verlogenheit von Türken "respektieren".
Wo bei ihm der Ofen aus ist, ist die Religion und die Aufklärung, obwohl er aus einer eher sekulären Familie kommt, und seinen Eltern (erste Einwanderergenaration) sehr dankbar ist, dass er durch sie nach Deutschland kam. Er selbst billigt sich eine Art ursprünglichen Gottesglauben zu.
Es gibt m.A. erhebliche Parallelen zwischen den Auffassungen Zaimoglus und einem grossen Teil der deutschen Journalisten in der Beschneidungsdebatte. Aufklärung wird in die Nähe von Nihilismus und Antisemitismus gerückt (Paradebeispiel: Voltaire war Antisemit). Rückwirkend kommt es mir so vor, dass diesen Gesinnungsgenossen das Kölner Urteil mehr als recht kam, um endlich mal die proreligiöse Sau rauszulassen. Nach den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche war das schon etwas verwunderlich.
Die ethische, medizinisch-psychologische und juristische Argumentation bezüglich Zwangsbeschneidung von minderjährigen Jungen geht diesen Leuten am Hintern vorbei. Das sind für sie nur antisemitische, islamophobe und atheistische Vorwände. Davon sollte man sich nicht beirren und sich auf die Religionsdiskussion einlassen, sondern auch weiterhin die Finger auf die genannte Argumentation legen.