Beiträge von werner

    Ich habe noch zwei Fragen zu folgender Aussage.

    Wenn Neugeborene ein bewiesenes Schmerzempfinden haben, wenn eine Operation ohne Anästhesie ihnen großen Schaden zufügt, wenn eine Allgemeinanästhesie für Neugeborene gefährlich ist und Lokalanästhetika gravierende Nebenwirkungen haben --- dann gibt es keine Möglichkeit, den Jungs in diesem Alter die Vorhaut abzuschneiden, ohne ihnen dauerhaften Schaden zuzufügen.


    Jüdische Neugeborenen-Beschneidungen werden ja auch in Krankenhäusern durchgeführt, in Deutschland z.B. im Jüdischen Krankenhaus Berlin. In Israel entscheiden sich immer mehr Eltern dafür.

    1. Weiss man, welche Art von Anästhesie (z.B. Salbe, Peniswurzelblock etc.) dort angewandt wird, oder kann man nur spekulieren?

    2. Ich gehe einmal davon aus, dass den ärztlichen Beschneidern, die in den Krankenhäusern rituelle Beschneidungen durchführen, die von Dir hier dargelegten Erkenntnisse bezüglich Anästhesie und Schmerzempfinden im Säuglingsalter wenigsten in Grundzügen bekannt sind. Wie können es diese Ärzte mit ihrem ärztlichen Ethos vereinbaren, trotzdem rituelle Beschneidungen bei Säuglingen durchzuführen?

    Was die "preexisting conditions" waren, wird nach Beschneidungskomplikationen regelmässig (!) verschwiegen. Das hält natürlich die Statistik "sauber". Allerdings kann man damit auch alle Aussagen einschlägiger Stellen über die "Komplikationslosigkeit" der Beschneidung sämtlichst in die Tonne treten. Sie sind allesamt unglaubwürdig. "Durchgelassen" in die Statistik werden nur "minor complications" - alles andere hat mit der Beschneidung nichts zu tun. "Wissenschaft" vom Allerfeinsten. :evil:

    All diese komplizierten Anpassungsvorgänge lassen die
    Schlußfolgerung zu, daß man auf Neugeborene gut aufpassen muß – und ihnen
    keinesfalls unnötige Belastungen zumuten sollte. Das äußerst angespannte
    Gleichgewicht kann sonst leicht aus dem Lot geraten.


    Besten Dank für diese "Zumutung". ;)

    Wenn auch eigentlich überflüssig, möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass "das äußerst angespannte Gleichgewicht" nicht nur aufgrund der organischen, sondern auch der psychologischen Gegebenheiten "leicht aus dem Lot geraten" kann.

    Unter beiden Betrachtungsweisen drängt sich der "barbarische" Charakter der frühkindlichen Beschneidung und die Frage auf, was Menschen, denen ich ansonsten ein für das Überleben dieses "extremen Nesthockers" auch ohne differenzierte Kenntnis ein instinktives Schutzbedürfnis unterstelle, motiviert, dieses "angespannte Gleichgewicht" durch Beschneidung "aus dem Lot" zu bringen. Der Gedanke, dass durch die Beschneidung die für das Überleben nötigen menschlichen Schutzinstinkte quasi "ausgehebelt" werden, um sie anschliessend einer "höheren Macht" zu überantworten, scheint mir zumindest nicht allzuweit hergeholt. Dem Vorwurf, damit einem "kulturimperialistischen Antisemitismus" zu huldigen, muss man damit wohl auf sich sitzen lassen.

    Zitat

    "If you read enough of the history, you will see that the proponents of circumcision have employed what I often refer to as a Pony Express strategy. They will ride one horse until it becomes tired (for example, prevents masturbation) then they’ll mount another horse (prevents epilepsy). When that horse wears out, they’ll find another (intact penis causes cervical cancer in women). This horse soon becomes tired and so they mount another horse (prevents penile cancer). This one gets tired and they then decide to jump on the UTI pony. Finding even that not to be the thoroughbred that it appeared, they choose yet another horse (prevents HIV infection and other STD’s). Do not expect it to end there. There are an infinite number of ponies yet to be ridden and you can be sure they are being saddled up as we speak."

    http://www.stopcirc.com/vincent/science_of_circumcision.html

    Ja, Kinder haben Rechte. Dazu gehört vor allem das Recht, jeden modischen Schnickschnack, den ihnen die Werbung und ihre Peer-Group diktieren, nachzuäffen. Das versteht der Artikel unter "Selbstbestimmung". Wenn es mal "in" werden sollte, ohne Vorhaut rumzulaufen: haben Eltern dann ein Recht, es Kindern zu verweigern? Der Sprössling braucht den Eltern ja nur das AAP-Statement auf den Frühstückstisch zu legen und das Jugendamt zu benachrichtigen, dass man zu wenig auf seine Gesundheit achtet. [/sarkasmus off]

    Diese Seite mit dem grosspurigen Titel "Abgeordnetenwatch" sollte umbenannt werden in "Abgeordnetenquatsch". Ihre Funktion besteht offensichtlich nur darin, Abgeordneten die Gelegenheit zu geben, vorgestanzte Textbausteine abzusondern, und ihre Sprach- und Kommunikationsunfähigkeit unter Beweis zu stellen. Dummschwatz und Gelaber. Wenn das das Ergebnis von "Whatch" ist, bin ich daran nicht interessiert.

    Dr. Mintz ist Arzt und ritueller jüdischer Beschneider. Wenn man nicht erwartet, dass er rituelle Beschneidungen abschaffen will, jede wissenschaftliche Studie völlig korrekt interpretiert und eine möglichst schnell durchgeführte Beschneidung für die beste Schmerzvermeidung hält, habe ich selten eine so offene, kenntnisreiche und um Objektivität bemühte Beschreibung der Schmerzerfahrung anlässlich der Beschneidung von jüdischer Seite gelesen wie hier. Dr. Mintz redet nicht um den heissen Brei herum, kritisiert die verschiedenen Betäubungsmethoden und vermeidet es weitgehend, zur Legitimation der Beschneidung Argumente zu selektieren und zu verdrehen. Er fordert, möglichst alles zu vermeiden, was neben dem eigentlichen Beschneigungsakt das Kind belasten könnte, und beschreibt, was dem Kind helfen könnte. In einem bemerkenswerten Satz attackiert er die Begleitumstände der Beschneidungszeremonie.

    Zitat

    "It is my personal philosophy that torturing the baby for the sake of entertaining the adult guests is not the right thing to do."

    http://cybermintz.com:9080/about.html

    Eine interessante Beobachtung machten Rebbecah Slater et.al. bei der Erforschung des kindlichen Schmerzempfindens. Dabei mass sie die Gehirnaktivität. Warum?


    Zitat

    "A major challenge in analgesic trials in the infant population is definition of a reliable, quantitative outcome measurement of pain because verbal reports and visual analogue scales cannot be used. The most commonly used outcome measures are based on behavioural and physiological observations, and many validated composite pain measurement instruments, such as the premature infant pain profile (PIPP), are based on these observations. These methods might not, however, be an appropriate outcome measure for neonatal analgesic trials because they are largely based on human observation and judgment,and, whereaspainexperienceandpainbehaviourarelinked in adults,they might not be linked in neonates. For example, infants who do not display a change in facial expression after tissue damaging procedures might still display significant cortical responses, which suggests that infant behaviour is not a simple indication of pain activity in the brain. Many conditions, such as immaturity, neurological damage, and maternal drug misuse, can affect integrated sensorimotor function and consequent behaviour, but might not necessarily affect sensory pain processing.

    Ergebnis der Studie: auch wenn das äussere Verhalten des Säuglings bei der Gabe von Sucrose Entspannung signalisiert, werden im Gehirn trotzdem Schmerzempfindungen registriert.

    Zitat

    "The results show that although, as previously reported, sucrose significantly reduces the PIPP score—a composite observational behavioural and physiological measure—it has no effect on the neural activity in sensory pain circuits in the brain or the spinal cord. Although true pain perception cannot be measured in non-verbal populations, neural activity in nociceptive pathways is a more direct measure than behavioural and physiological assessment. The finding that sucrose does not change neural activity strongly suggests that pain perception is not affected by this intervention.

    In conclusion, our results show that although oral sucrose does reduce observed pain behaviour, it has no significant effect on the magnitude of spinal nociceptive reflexes or on the acute activation of pain networks in the brain. Sucrose seems to blunt facial expression activity after painful procedures, but our data suggest that it does not reduce direct nociceptive activity in central sensory circuits, and therefore might not be an effective analgesic drug.


    http://www.thelancet.com/journals/lance…1303-7/abstract

    Zitat

    "In den Statuten wird zudem festgehalten, welche Instrumente bei einer religiösen Beschneidung verwendet werden dürfen (Knopfsonde - Mafrid, Schild - Mogen sowie Beschneidungsmesser - Ismil). Andere Instrumente wie zum Beispiel verschiedene Klemmen sind dagegen verboten. Genaue Vorgaben gibt es zur Sterilisierung der Instrumente. Vorgesehen ist auch eine Aufklärung der Eltern vor dem Eingriff. Sie müssen Bescheid wissen, wie sie sich bei Nachblutungen verhalten sollen (sofortiges Informieren des Mohels), aber auch, wie die Wunde in der Woche nach der Brit Mila zu versorgen ist. Auch Nachkontrollen sind in dem Statut verbindlich vorgesehen."

    http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wi…eschneider.html


    Betäubung?

    Kondombenutzung und Informationsdefizit

    Zitat


    Zitat

    The views and sentiments of Masvingo South teenage respondents towards male circumcision as a competing HIV transmission intervention measure were found to be largely negative since only 30% of them expressed positive attitudes towards male circumcision. Variables such as cultural barriers, the imagined pain during and after male circumcision and the fear of botched operations were mentioned by some the respondents as the rationale for harbouring negative attitudes towards male circumcision. The presence of alternative HIV transmission intervention measures, particularly the use of male condoms, to some extent caused some males not to seriously consider male circumcision for minimising the spread of HIV and AIDS. It was also a source of worry for the researchers to realise that some of the views of the research participants were anchored on misconceptions, superstitious beliefs and ignorance of scientificprinciples regarding male circumcision.


    http://www.gjeis.org/index.php/ijir…ile/33742/27827

    Soll das jetzt heissen, dass Kondombenutzung auf Misconception beruht?

    Ich schliesse mich dem Dank an! Es kann gar nicht genug kompetente Fachinformation in dieses Forum integriert werden.

    Paradoxerweise werden sich übrigens die nicht-ärztlichen Beschneider über Erkenntnisse über die Toxizität von Anästhetika freuen, da sie ja schon immer behauptet haben, dass ihre betäubungslose bzw. Emla-Sucrose-"Betäubungs-" Ratz-Fatz-Methode wesentlich schonender ist als die "Umstände", die Ärzte "veranstalten".

    Im Zeitungsartikel heisst es.

    Zitat

    "And nor is it simply the women who are eager to get rid of it: researchers found that the men of Chad, Guinea and Sierra Leone were even more anxious than the women to end the practice."

    Im Artikel von UNICEF heisst es.

    Zitat

    "In Guinea, Sierra Leone and Chad, substantially more men than women want FGM/C to end."

    In anderen Ländern ist es genau umgekehrt.

    Es gibt ja Anthropologen, die den Sinn von Nahrungstabus auf die Unterschneidung von Gruppen beziehen: wir essen das nicht, was die anderen essen. Übertragen auf die Beschneidung: wir sind beschnitten, die anderen nicht. Dieses Gruppenmerkmal ist unwiderruflich und durch den sexuellen Bezug hoch aufgeladen. Wenn man jemanden für immer an eine Gruppe binden will, was gibt es " Besseres"?

    Ab 2014 werden erste Ergebnisse randomisierter, kontrollierter Multicenterstudien bei Neugeborenen und Säuglingen erwartet. In einigen retrospektiven Studien konnte eine erhöhte Häufigkeit von Lernstörungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern gefunden werden, die bis zum Alter von 3 oder 4 Jahren anästhesiert wurden, insbesondere wenn die Kinder zum Zeitpunkt der Anästhesie jünger als ein halbes Jahr waren. Der Arbeitskreis Kinderanästhesie fordert daher „klare Definitionen von nicht- verschiebbaren Operationen in den ersten beiden Lebensjahren“.


    Besten Dank! Das sind wirklich äusserst erfreuliche Nachrichten!

    Was mir als Laien nicht klar ist, ob darunter auch die bei Beschneidungen verwendeten Narkosemittel (Penisblock, Caudalblock) fallen, oder ob ausschliesslich Vollnarkose gemeint ist.

    Bei Beschneidungen durch Mohalim werden keine Anästhetika verwendet. Hier sind die Auswirkungen nicht-anästhesierter Schmerzerfahrung relevant.

    Ich verstehe nicht ganz was du meinst. Warum ist die Eintrittskarte die Welt der starken Frauen patriachaisch und die Eintrittskarte in die Welt der starken Männer auch? Warum ist der Wunsch, sich durch Riten abzugrenzen und zu bestärken, männlicher Unterdrückung geschuldet und nicht ein universeller?


    Ich versuche ja auch nur, es mir zu erklären. Kann gut sein, dass es manchmal schief läuft. ;)

    Im Prinzip hätte ich nichts gegen "Eintrittskarten", und den Wunsch bzw. die Notwendigkeit sich abzugrenzen, würde ich wie Du für universell halten. Kommt nur drauf an, was im Einzelfall auf der Eintrittskarte draufsteht. Da muss natürlich nicht immer "männliche Unterdrückung" drauf stehen. ( In diesem Forum steht z.B. " Charta" drauf).

    Wenn aber "Genitalverstümmelung" drauf steht, würde ich immer irgendeine Form männlicher/patriarchalischer Machtausübung vermuten. Ich frage mich dann, gegen wen sie sich richtet: gegen Frauen/Mädchen oder gegen (in der Regel) jüngere Männer, d.h. Kinder. Beides würde ich für patriarchalischen Usprungs halten. Dass die jeweils Verstümmelten - salopp gesagt - "was draus machen", wissen wir. Oft läuft das nach der Methode "Identifikation mit dem Agressor" ab. Man versucht, der Verstümmelung etwas Positives abzugewinnen, z.B. das Gefühl zu einer Gruppe zu gehören.( Das gleiche Schicksal stärkt bekanntlich den Gruppenzusammenhang). Und flugs verwandelt sich die Eintrittskarte "Verstümmelung" in ein heissbegehrtes Ticket, besonders dann, wenn man - wie die Autorin des Artikels - ohne dieses Ticket aussen vor bleibt, und dann in diesen Gesellschaften in der Regel keine Chance hat. (Aber die Autorin kann ja wieder abreisen...).

    Wie ich betont habe, habe ich nichts gegen "Power", "Love" und "Support" unter Frauen, aber wenn frau nur (!) durch Genitalverstümmelung dazu kommt? Und was ist, wenn frau keinen Bock auf Frauenpower untereinander hat, sondern lieber mit Männern abhängt? Und was ist, wenn frau noch andere Interessen hat, als sich nur über "the deep traditional knowlege of child bearing" auszutauschen, zumal bei verstümmelten Frauen die Geburt bekanntlich nicht so einfach ist?

    Wie gesagt, Fragen über Fragen, und der bescheidene Versuch einer Klärung.