Beiträge von werner

    Heribert Prantl hat damals das Beschneidungsgesetz dafür gelobt, dass es sich mit der Verwendung des Begriffs "ärztliche Kunst" dem medizinischen Fortschritt öffne. Ändere sich der Fortschritt, müsse sich auch die Rechtsprechung ändern. Was also folgt daraus, wenn sich herausstellt, dass es bei der Säuglingsbeschneidung nicht nur keine "angemessene", sondern überhaupt keine Betäubung gibt?

    Bei der Anwendung von Medikamenten im Off-label-Use sollten Ärzte und rituelle Beschneider ihre Aufklärungspflichten beachten, damit ihnen nicht juristischer Unbill droht. Die Aufklärungspflicht gehört sogar nach dem Beschneidungsgesetz zur "ärztlichen Kunst".

    Zitat

    "Becke wies auch darauf hin, dass die Eltern pädiatrischer Patienten über einen eventuellen Off-Label-Use der verwendeten Medikamente aufgeklärt werden müssen."

    http://www.springermedizin.at/artikel/35309-…schmerztherapie

    Zitat

    "Study participants will be uncircumcised men and will be visited at their homes or workplaces, informed about the study, and then randomly assigned to receive either a scratch card for a lottery with high-value prizes (lottery-based incentive); or a food voucher of KES 50 (US$ 0.60)"


    "The intervention involves a 60 minute, interactive, soccer-themed learning experience promoting male circumcision led by a trained, circumcised coach. This intervention has been previously implemented as a trial with an older target group. Based on qualitative research from the this Male Circumcision Uptake through Soccer (MCUTS) trial, the study will tailor the intervention for adolescent males as MTC+. The intervention will target adolescent males aged 14-19. In addition to the learning session and print material, it will introduce a small soccer-related incentive as well as phone based follow-up to the intervention."


    "The intervention will allow men undergoing male circumcision in randomly selected intervention clinics to refer up to five uncircumcised men in their social network for male circumcision. The men will receive a monetary reward of 10 Kwacha (approximately US$ 2) for each person they refer who comes to the clinic for the male circumcision procedure."

    http://www.3ieimpact.org/en/funding/the…-award-winners/

    Good Practice in Postoperative and Procedural Pain Management
    2nd Edition, 2012

    A Guideline from the Association of Paediatric Anaesthetists of Great Britain and Ireland


    http://onlinelibrary.wiley.com/store/10.1111/…v=1&t=hk9j1llr&

    Dr. Kaufmann ist Oberarzt der Kinderanästhesiologie der Kliniken der Stadt Köln-Riehl. Dieses Krankenhaus ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitätsklinik Köln und damit der Klinik, an dem Prof. Berndhard Roth die Kinderklinik leitet, und Prof. Roth ist nun ausgerechnet derjenige, der - wir berichteten darüber in diesem Forum - auf einem Kongress jüdischer Mediziner eine "differenzierte Sicht auf die Beschneidung" angemahnt und das Ritual als "würdevolles Ereignis" bezeichnet hatte. Für die Betäubung empfahl Roth den Einsatz einer Betäubungscreme und des NNS mit Sucroselösung.

    Es sind also nicht nur ritueller Beschneider, sondern auch medizinische Autoritäten in gehobener Position, die die an Venenpunktionen gewonnenen Erkenntnisse auf die rituelle Säuglingsbeschneidung gegenüber ärztlichen Kollegen übertragen. Umso wichtiger wäre eine Abgrenzung im o.g. Artikel von Dr. Kaufmann gewesen.

    Zitat von Wakankar

    Denn seitens der Beschneidungsbefürworter wird eben die Beschneidung in diese "minor procedures" eingeordnet und bagatellisiert.


    Mir kam es hier zunächst darauf an, überhaupt einmal auf die objektive Studienlage hinzuweisen. Daraus ergibt sich dann quasi von selbst, dass die Beschneidungsbefürworter diese Studienlage völlig zu Unrecht für sich "kapern". (Bemerkenswerterweise handelt es sich bei diesen Kaperern nur selten um Ärzte, sondern fast ausschliesslich um religiöse Verbandsvertreter oder Mohelim. Der Öffentlichkeit soll damit offensichtlich Sand ins Auge gestreut werden.)

    Wenn Ärzte bei der Untersuchung der Wirkung von Zuckerlösung zu 99,8% Blutabnahmen und Injektionen zum Thema machen und NICHT Beschneidungen, ist jedenfalls für mich klar, was unter "minor procedures" verstanden wird.

    Egal, wie man Zuckerlösung bei der Schmerzbekämpfung von Kindern beurteilen mag, Fakt ist, dass sich 99,8% aller diesbezüglich durchgeführten Untersuchungen auf Schmerzen beziehen wie sie bei Blutabnahmen, Injektionen, Untersuchungen etc. vorkommen. Beschneidung ist aber keine dieser Interventionen, sondern eine Operation! Diesen Unterschied sollte man immer im Auge haben.

    Die Anwendung von Zuckerlösung bei nicht-operativen Behandlungen muss uns im Prinzip gar nicht interessieren. Kritisch wird es erst dann, wenn diese Anwendung durch rituelle Beschneider auf die Beschneidung übertragen wird, indem z.B. auf den Sucrosegehalt im Süsswein, der bei der Beschneidung verwendet wird, verwiesen wird, und mit wissenschaftlichen "Beweisen" gewedelt wird, die sich, wie Dr. Kaufmann überzeugend dargelegt hat, auf grundlegend (!) andere Interventionen beziehen.

    Hatten wir das schon?

    http://www.meris-mer.de/fileadmin/media/ZfMER_1_2013.pdf


    Die beiden mit einem Artikel vertretenen Anästhesisten verwirren den Leser damit, dass sie die von ihnen beschriebenen Anästhesieverfahren nicht auf Säuglinge beziehen. Warum wird nicht deutlich ausgesprochen, dass der Peniswurzelblock der Bekämpfung des nachoperativen Schmerzes dient, nur unter Vollnarkose gegeben wird und deshalb bei Säuglingen nicht infrage kommt? Immerhin werden die Grenzen von EMLA aufgezeigt und Zuckerlösung gar nicht erst erwähnt.

    Zitat

    "Before surgery, parents should be counselled in detail and should be required to provide their informed consent that the possible health benefits of childhood circumcision do not outweigh the reported complication rate, and that they have weighed the health benefits against the risks in the light of their religious, cultural, and personal preferences."

    Ich wollte nur zu bedenken geben, daß die Arbeit viele Angriffspunkte bietet.


    Wenn man das Ergebnis der Arbeit ("34,4% brauchen trotz DPWB zusätzliche Schmerzmittel") kombiniert mit den zahlreichen internationalen Umfragen in "Neonatal Intensive Care Units (NICU)", bei denen sich herausstellte, dass das Wissen über den kindlichen Schmerz noch lange nicht bedeutet, dass entsprechende Massnahmen eingeleitet werden, und diese Hinweise wiederum kombiniert mit der Aussage von Prof. Graf vor dem Rechtsausschuss, dass im Berliner Jüdischen Krankenhaus EMLA nicht wie vorgeschrieben, eine ganze, sondern nur eine halbe Stunde vor der Beschneidung aufgetragen wird, dann frage mich ernsthaft, was dieser ganze "wissenschaftliche" Untersuchungsunsinn soll, wenn niemand daraus Konsequenzen zieht.

    Oder soll mit den Untersuchungen nur die Öffentlichkeit betäubt werden - als EMLA für's Gehirn sozusagen?

    Eine treffende Analyse der Eltern-Broschüre der AAP zur Beschneidung aus dem letzten Jahr liefert die Seite Circumstitions.com.

    http://www.circumstitions.com/aap-bro-12.html


    In der Broschüre "empfiehlt" die AAP eine Betäubung. Für notwendig hält sie sie offensichtlich nicht. Das ist für eine Pädiater-Organisation schon ein starkes Stück.

    Zitat

    "Is Circumcision Painful?
    Yes. However, there are pain medicines that are safe and effective. The American Academy of Pediatrics recommends that they be used to reduce pain from circumcision."

    Und was soll man laut AAP tun, wenn man auf die waghalsige Idee kommt, auf die Beschneidung zu verzichten? Man soll seinen Kinderarzt aufsuchen, damit der erklärt, wie man einen Penis sauberhält.


    Zitat

    "If you choose not to have your son circumcised, talk with your pediatrician about how to keep your son's penis clean."

    Dazu braucht man ganz unbedingt einen Kinderarzt, von allein können Eltern sowas ja gar nicht wissen. Womöglich zerren sie noch an der Vorhaut herum - ganz ohne Betäubung. (Nebenbei kann der Kinderarzt noch einen Überzeugungsversuch starten...)


    Dass die AAP Eltern empfiehlt, einen HNO-Arzt aufzusuchen, um den Eltern zu erklären, wie man sich die Nase putzt, oder einen Proktologen, um zu erklären, wie man sich den Hintern abputzt, ist bis dato nur ein Gerücht.

    Immerhin nahm die Charite eine kritische Selbstevalution als Doktorarbeit an und liess dadurch das Ergebnis nach Aussen dringen. Das findet man nicht so oft.

    Mein o.g. Fazit, dass die medizinische Realität oft anders aussieht als in kontrollierten wissenschaftlichen Untersuchungen dargestellt, kennen wir z.B. auch aus den afrikanischen Studien. Mag sein, dass das eine Plattitüde ist. Leider oft aber mit fatalen Folgen.

    Ein toller Artikel mit einer bitterbösen Pointe:

    Zitat

    "A bris isn't a medical procedure. It's a cultish religious ritual and an excuse to throw a party. If you think about it, it's more than a little ghoulish. On a basic level, it's a room full of adults laughing and drinking in celebration at mutilating an infant. How can that be right?"

    Im Internet konnte ich trotz sehr langer Suche bisher keinen einzigen Hinweis auf einen fachkundigen Anwalt finden. Nun wende ich mich an das Beschneidungsforum mit der Hoffnung auf hilfreiche Ratschläge und bestenfalls einen direkten Verweis zu einem entsprechend versierten Rechtsanwalt mit der nötigen Erfahrung. VG


    Könntest Du vielleicht uns/mich darüber aufklären, wie Du gesucht hast? Anwälte für Medizinrecht gibt es ja wie Sand am Meer, einen Anwalt speziell für Beschneidung wirst Du aber nicht finden. Da gab es ja bisher nur wenige Fälle.