Beiträge von werner

    Zitat

    "...Moussa Al-Hassan Diaw, director, Department of Islamic Theology, University of Osnabruck, (Germany)..."

    Übrigens habe ich nicht den Eindruck, dass sich die multireligiöse Delegation "Dänemark zur Brust genommen" hat. Eher umgekehrt.

    Generell fragt man sich, mit welcher Legitimation diese Delegationen eigentlich zusammengestellt werden und überall auftauchen mit der Behauptung, sie würden irgendwen anderen repräsentieren als sich selbst.

    Zitat

    "In the winter the Southern Norway hospital in Arendal decided to no longer offer ritual circumcision. The branches in Flekkefjord and Kristiansand decided the same. The reason is lack of resources.

    Urologist Ole Tysland at of the Southern Norway hospital in Kristiansand says that circumcision is a custom many people bring with them, but it's difficult for him to see it being paid by the government. They must prioritize among the endless stream of requests for treatment and since this is not needed for medical help, this group was simply moved down in the priority list."


    http://islamineurope.blogspot.de/2009/03/norway…cumcisions.html

    Danke.

    Bei allem Respekt für Gregory Boyle und George Hill verschweigen beide, dass der Anstieg der HIV-Übertragung in der Waver-Studie ausschliesslich HIV-positive Männer betraf, die vor Beendigung der Abheilungsphase ohne Kondombenutzung den Geschlechtsverkehr wieder aufgenommen hatten.

    Helen Weiss konnte zwar keinen direkten Effekt der Beschneidung erkennen, vermutet aber dennoch einen indirekten langfristigen Effekt. Sie ist ja eine hartnäckige Beschneidungsbefürworterin.

    Alle Untersucher gehen davon aus, dass die Frage der Mann-Frau-Übertragung wohl nie durch eine Feld-Studie geklärt werden kann. Aus diesem Umstand hat Auvert die Konsequenz gezogen, in seiner Orange-Farm-Kohorte noch mal rumzurechnen, ob er nicht doch was rauskriegt. Meines Wissens wurden in dieser Kohorte jedoch Frauen nicht getestet, sondern nur nach ihrem Sexualverhalten befragt.

    Ist mir jetzt nicht ganz klar, wo etwas von Urologenkongress steht. Prof. Goepel kritisiert in dem Zeitungsartikel von 2004 die von der DGU im Jahre 1997 verfasste Phimoseleitlinie, die er dann 2005 eigenhändig geändert hat. Dass diese Leitlinie irgendetwas mit dem Steigen der Beschneidungsrate zutun hat, ist kaum anzunehmen. Da spielt die Neubudgetierung der ambulanten Operationen die Hauptrolle. Die DGU wollte die o.g. Leitlinie 2008 überprüfen, was m.W. aber nicht geschehen ist. Im aktuellen Verzeichnis der DGU-Leitlinien taucht die Phimoseleitlinie überhaupt nicht mehr auf.
    Die o.g. Leitlininien, besonders die von 1997, spielt allein historisch und insofern eine Rolle, da sie zeigt, wie damals verbreitet gedacht wurde - zu einer Zeit, in der viele davon betroffen waren und hier im Forum darüber berichtet haben.

    Der Knackpunkt an dieser Untersuchung ist ja, dass vom Sexualverhalten der Frauen auf die Ansteckungsrate geschlossen wird, d.h. wenn Frauen lieber mit beschnittenen Männern Geschlechtsverkehr haben, die nach den berüchtigten drei Untersuchungen weniger HIV-infiziert sind, dann reduziert sich auch bei Frauen die HIV-Rate. Das ist eine rein mathematische Rechnung, die die tatsächliche Infektionsrate von Frauen gar nicht einbezieht, da sie gar nicht untersucht wurden.


    Das Ergebnis von Auverts Untersuchung setzt die Richtigkeit mindestens von vier Hypothesen voraus:
    1) Die drei Untersuchungen waren korrekt
    2) Die Frauen haben ehrlich geantwortet
    3) Da der Effekt nur langfristig eintritt: die Frauen ändern ihr Sexualverhalten nicht, und
    4) Die Beschneidungsraten entwickeln sich wie geplant.

    Ganz schön viel Holz für einen "quite small benefit".

    P.S. Ich habe das Wort "eventually" ja nicht übersetzt...

    Potzblitz! Wo hat Bertran Auvert denn plötzlich die Mädels her? Bisher waren im Projekt ANRS 12126 doch nur Männer befragt und untersucht und jetzt hat er neue "findings from the ANRS 12126 study".
    Ach so, er hat nur ein bisschen herumgerechnet:

    Zitat

    "Mathematical models show that circumcision will eventually benefit women through the general fall in HIV prevalence in the population..."

    "...eventually"..."hard to prove..."..."although the benefit is quite small"..."A longitudinal incidence study is needed to settle the question"...


    Zitat

    "Conclusions: "This study is encouraging for the current roll-out of voluntary medical male circumcision," comment the researchers."

    Ein bisschen "Encouragement" braucht man ja auch angesichts dieser Dürftigkeit... ;(

    Bedauerlicherweise sind Peniskarzinomerkrankungen in England seit den 1970ger Jahren um 21% gestiegen. Frage ist nun natürlich , woran das liegt.

    Dafür stellt man zuerst eine Hypothese auf:

    Zitat

    "The 21 % increase in penile cancer incidence in England since the 1970s may be explained by changes in sexual practice, greater exposure to sexually transmitted oncogenic human papilloma viruses, and decreasing rates of childhood circumcision."

    Und in Ländern, in denen z.B. Säuglingsbeschneidung ubiquitär ist, gibt es ja auch so gut wie kein Peniskarzinom:

    Zitat

    "HPV prevalence has been shown to be lower in circumcised men with neonatal circumcision offering the greatest protection, as demonstrated by the very low incidence of penile cancer in religious groups where neonatal circumcision is ubiquitous."

    In England jedoch sind die Beschneidungsraten gefallen. Daraus kann man sich nun eine Teilerklärung für die gestiegenen Peniskarzinomraten konstruieren:

    Zitat

    "The proportion of English boys circumcised for medical reasons fell from 35 % in the early-1930s to 6.5 % by the mid-1980s. These trends may also partly explain the continued increase in incidence of penile cancer, particularly the marked rises in the cohort incidence ratio for men born after the mid-1940s when circumcision was much less popular."

    Das stimmt - umgekehrt - mit den sinkenden Peniskarzinomraten in den USA überein, denn dort wird ja sehr viel beschnitten.

    Zitat

    "The decreasing incidence in the USA may be related to higher prevalence of childhood circumcision than in England."

    Dumm ist bloss, dass die Peniskarzinomraten wie in England auch in den Niederlanden gestiegen sind, und da wurde noch nie besonders viel beschnitten - wenn überhaupt. Aus der Reihe tanzen auch Finnland und Dänemark. Dort wiederum sind bei gleichbleibend niedriger Beschneidungsrate die Peniskarzinomraten gesunken. Grund? Die Dänen haben sich Badezimmer zugelegt.

    Zitat

    "...but falling incidence in Finland and Denmark is not explained by this because neonatal circumcision rates in these countries are low . The statistically significant decline in age-standardized incidence of penile cancer in Denmark between 1943 and 1990, despite a low and stable circumcision rate, was thought to have been associated with better penile hygiene resulting from a greater proportion of Danish houses having a bath and routine access to clean water; poor penile hygiene is a risk factor for penile cancer."

    Irgendwie ein verwirrendes Bild. Und was schlagen jetzt die Autoren vor?

    Zitat

    "Public health education about the risks of sexually transmitted diseases, smoking and poor genital hygiene in relation to penile cancer is essential. Another preventative strategy is HPV vacci- nation of boys, to complement vaccination for girls, designed primarily to reduce the risk of cervical cancer. The 2009 International Consultation on Urologic Disease Consensus Publishing Group suggests circumcision and early treatment of phimosis, together with significant changes in global health policy, as the most useful measures to prevent penile cancer."

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24101363


    Wir Freizeitwissenschaftler können uns nun noch weitere Hypothesen ausdenken, warum die Peniskarzinomraten steigen bzw. fallen, z.B. dass die Engländer und Holländer sich zunehmend weniger waschen.

    Wirkliche Wissenschaftler wie z.B. Morten Frisch und Robert Van Howe haben zu der o.g. Untersuchung folgende Anmerkung:

    Zitat

    "Finally, the authors speculate, without any empirical evidence, that an increasing incidence of penile cancer could be explained in part by decreasing rates of childhood circumcision. The substantial decline in childhood circumcision of boys in England from around 35 % in the 1930s to less than 5 % in the 1990s combined with the rather inconspicuous changes in overall penile cancer incidence is hardly compatible with any major role of circumcision in the prevention of penile cancer in England. Generational lifestyle changes, with accompanying greater risk of becoming exposed to HPV, are far more likely to be responsible for any upward drift in penile cancer incidence in younger age groups. If the above suggested supplementary graphs document an increase in penile cancer incidence in younger birth cohorts, attempts to promote responsible sexual behaviors and the possible introduction of HPV vaccination in preadolescent boys need consideration."

    http://www.deepdyve.com/lp/springer-jo…real-PYXKaNGeXa


    Ach, übrigens: wen ruft die o.g. "International Consultation on Urological Diseases" als einzigen (!) Beweis für ihre Beschneidung/Karzinomthese an? Genau - den hier:

    "Schoen EJ, Oehrli M, Colby C, et al. The highly protective effect of newborn circumcision against invasive penile cancer."

    Ich bezweifle, dass hier die englische Übersetzung wirklich ganz korrekt funktioniert.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es in Norwegen eine Regelung, dass Ärzte ihre Mitwirkung an einer Abtreibung verweigern können. Nach Ansicht von Hoie können sich Ärzte bei Beschneidungen aber nicht auf diese Regelung berufen. Sollte es bei Beschneidungen zum Konflikt kommen, hofft Hoie, dass die Krankenhäuser eine Lösung finden können, bei der die Beschneidung durchgeführt wird, eine Ablehnung seitens einzelner Ärzte aber trotzdem respektiert wird.
    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Hoise sich auf eine Diskussion über das Prozedere nicht einlassen will. Auch die Anästhesiefrage möchte er den Ärzten überlassen. Im obigen Zitat ist "academic" bzw. das dänische Wort dafür wohl besser mit "fachlich" zu übersetzen.
    Hoie will die Beschneidung in die Krankenhäuser kriegen, und wie das dann umgesetzt wird, den Ärzten überlassen. Punkt und fertig.

    Es gibt keine Studie und womöglich noch mal eine Fallbericht, in dem ein "Eingriff in zentrale Elemente religiöser Identität" zu irgendwelchen gravierenden psychischen Folgen für die Kinder geführt hätte.

    Nun ja, Studien über den Einfluss "zentraler Elemente religiöser Identität" auf das kindliche Erleben gibt es natürlich jede Menge. Oft kommen die Religionen dabei nicht so gut weg, und manches Kind hätte sich gewünscht, dass jemand mal in diese "Elemente" "eingegriffen" hätte...

    Selbst, wenn es so ist, dass auch sekuläre/atheistische Juden ihre Jungen beschneiden, so gibt es natürlich auch im Judentum sehr unterschiedliche Arten, Kindern Religion zu vermitteln. Das Judentum ist ja keine in sich hermetisch geschlossene Religion, auch wenn uns das manche Protagonisten immer weissmachen wollen, und wenn zum Beispiel bei den sekulären/atheistischen Juden kein oder nur ein sehr kleines "Auffangbecken Religion" existiert, müssten die Jungen dann ziemlich blöd dastehen.