Beiträge von werner

    Ich halte diesen Satz nicht für falsch, ganz im Gegenteil. Geneigte Kreise haben diese Debatte ja par Ordre du Merkel für beendet erklärt. Aber das ist sie mitnichten.

    Es geht ja nicht nur um diese eine Debatte und ihre "Beeindigung", sondern um alle zukünftigen Debatten bezüglich Kultur- und Religionsfreiheit. Hat man erstmal ein Sondergesetz geschaffen, steigen entweder die Begehrlichkeiten bei jedem neuen Thema oder es müssen immer wieder juristische Kapriolen geschlagen werden, um jede Besonderheit als Besonderheit zu begründen, der mit den anderen Besonderheiten "natürlich" überhaupt nicht zu vergleichen ist.

    Das sind Asymmetrien, die aufgelöst werden müssen. Schmerzhafte Debatten stehen dem Land noch bevor.


    Wie schon bei der weiblichen Genitalverstümmelung wird auch hier wie bei zukünftigen Debatten deutlich, was Reinhard Merkel in der Beschneidungsdebatte mit "rechtspolitischem Sündenfall" bezeichnet hat. Entsprechend abenteuerlich sind die verbalen Verrenkungen der Journalisten wie hier in der SZ. Das ist immer ein untrügliches Zeichen.

    Der folgende Text ist ein offener Brief eines US-Bürgers an Dr. Laura Schlessinger, der im Internet verbreitet wurde.
    Liebe Dr. Laura Schlessinger
    Vielen Dank, daß Sie sich so aufopfernd bemühen, den Menschen die Gesetze Gottes näher zu bringen. Ich habe einiges durch Ihre Sendung gelernt und versuche das Wissen mit so vielen anderen wie nur möglich zu teilen. Wenn etwa jemand versucht seinen homosexuellen Lebenswandel zu verteidigen, erinnere ich ihn einfach an das Buch Mose 3, Leviticus 18:22, wo klargestellt wird, dass es sich dabei um ein Greuel handelt. Ende der Debatte.
    Ich benötige allerdings ein paar Ratschläge von Ihnen im Hinblick auf einige der speziellen Gesetze und wie sie zu befolgen sind:
    a) Wenn ich auf dem Altar einen Stier als Brandopfer darbiete, weiß ich, dass dies für den Herrn einen lieblichen Geruch erzeugt (Leviticus 1:9). Das Problem sind meine Nachbarn. Sie behaupten, der Geruch sei nicht lieblich für sie. Soll ich sie niederstrecken?
    b) Ich würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in Exodus 21:7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis für sie?
    c) Ich weiß, dass ich mit keiner Frau in Kontakt treten darf, wenn sie sich im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (Lev. 15:19-24). Das Problem ist, wie kann ich das wissen? Ich hab versucht zu fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert.
    d) Leviticus 25:44 stellt fest, dass ich Sklaven besitzen darf, sowohl männliche als auch weibliche, wenn ich sie von benachbarten Nationen erwerbe. Einer meiner Freunde meint, das würde auf Mexikaner zutreffen, aber nicht auf Kanadier. Können Sie das klären? Warum darf ich keine Kanadier besitzen?
    e) Ich habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Exodus 35:2 stellt deutlich fest, dass er getötet werden muss. Allerdings: bin ich moralisch verpflichtet ihn eigenhändig zu töten?
    f) Ein Freund von mir meint, obwohl das Essen von Schalentieren, wie Muscheln oder Hummer, ein Greuel darstellt (Leviticus 11:10), sei es ein geringeres Greuel als Homosexualität. Ich stimme dem nicht zu. Könnten Sie das klarstellen?
    g) In Leviticus 21:20 wird dargelegt, dass ich mich dem Altar Gottes nicht nähern darf, wenn meine Augen von einer Krankheit befallen sind. Ich muss zugeben, dass ich Lesebrillen trage. Muss meine Sehkraft perfekt sein oder gibt’s hier ein wenig Spielraum?
    h) Die meisten meiner männlichen Freunde lassen sich ihre Haupt- und Barthaare schneiden, inklusive der Haare ihrer Schläfen, obwohl das eindeutig durch Leviticus 19:27 verboten wird. Wie sollen sie sterben?
    i) Ich weiß aus Leviticus 11:16-8, dass das Berühren der Haut eines toten Schweins mich unrein macht. Darf ich aber dennoch Fußball spielen, wenn ich dabei Handschuhe anziehe?
    j) Mein Onkel hat einen Bauernhof. Er verstößt gegen Leviticus 19:19 weil er zwei verschiedene Saaten auf ein und demselben Feld anpflanzt. Darüber hinaus trägt seine Frau Kleider, die aus zwei verschiedenen Stoffen gemacht sind (Baumwolle / Polyester). Er flucht und lästert außerdem recht oft. Ist es wirklich notwendig, dass wir den ganzen Aufwand betreiben, das komplette Dorf zusammenzuholen, um sie zu steinigen (Leviticus 24:10-16)? Genügt es nicht, wenn wir sie in einer kleinen, familiären Zeremonie verbrennen, wie man es ja auch mit Leuten macht, die mit ihren Schwiegermüttern schlafen? (Leviticus 20:14)
    Ich weiß, dass Sie sich mit diesen Dingen ausführlich beschäftigt haben, daher bin ich auch zuversichtlich, dass Sie uns behilflich sein können. Und vielen Dank nochmals dafür, dass Sie uns daran erinnern, dass Gottes Wort ewig und unabänderlich ist.


    http://www.marinaslied.de/?p=730

    ...ich denke wir sollten hier besonders bei Antisemitismus vorsichtig sein.


    Dass das Beschneidungsgesetz ein "Sondergesetz" für das deutsche Judentum darstellt, haben schon Viele festgestellt. Es ist ja auch unübersehbar.

    Dass die Bennung dieses Faktums den Antisemitismusvorwurf nach sich zieht, haben nicht wir uns, sondern haben uns die Abgeordneten eingebrockt.

    Ich würde das nur dann tun, wenn Ihr mich -- im Wissen, daß ich die Bilder anschließend nicht mehr los werde -- ausdrücklich darum bittet, zu einem medizinischen Sachverhalt etwas zu sagen.


    Der Penis und der Bereich drumrum wird vom Mohel mit eine durchsichtigen klaren farblosen Flüssigkeit aus einen kleinen blauen Plastikflasche ohne Etikett kurz besprengt. Danach wird auf den Penis gelber Puder (Kreuzkümmel als Teil des Rituals?) gegeben, dass dann wieder bis auf eine dünne Schicht wieder weggewischt wird.

    Die beiden von mir angehängten Standbilder aus dem Film über diese Vorgänge sind harmlos.

    Klar, jetzt wird flott was neues auf den Markt geworfen, was viel besser ist als das was es bisher gab.


    Mit Verlaub - das ist doch Quatsch. Nur weil der "Professor des Jahres" meint, es müsse was auf den Markt geworfen werden, findet das noch längst nicht statt. Der Professor hat nicht die mindeste Ahnung, worum es geht. Für einen renommierten Pharmazeuten in einer pharmazeutischen Fachzeitschrift ist das ein höchst peinlicher Fauxpas.

    Anna Taddio steht für EMLA und Bonnie Stevens steht für Sucrose. Beide arbeiten am "Hospital for Sick Children" in Toronto. Während Erstere seit 18 Jahren nicht müde wird, eine Betäubungssalbe nach der anderen auszuprobieren, stellte die Zweite seit 2001 alle paar Jahre zusammen mit Janet Yamada, die natürlich auch am selben Krankenhaus arbeitet, einen "Review" über Sucrose zusammen. Man muss den Forscherinnen zugute halten, dass sie keinen Hehl aus der Unzulänglichkeit ihrer Bemühungen machen: weder hat sich die Wirksamkeit von Lidocaine erhöht noch forscht jemand noch über Sucrose bei Beschneidungen. Trotzdem müssen Taddio und Stevens regelmässig als Kronzeuginnen für ihre angeblichen Wundermittel herhalten. Wer das tut, muss sich allerdings vorwerfen lassen, dass er ihre Studien überhaupt nicht gelesen hat, sondern nur unhinterfragt Gerüchte transportiert.

    Es ist schön, dass sich das "Hospital for Sick Children" seine Bemühungen im Kampf gegen den Schmerz bei Kindern auf die Fahnen geschrieben hat. Leider wehen diese Fahnen auf halbmast.

    Zitat

    "Earlier research done by Dr. Taddio found that, on the contrary, exposing young children to painful experiences shaped their perception to pain for life, and that they subsequently suffered far more pain, even during minor procedures.

    In the study, health professionals were able to insert an IV line in children who received the lidocaine cream on the first try 74 per cent of the time; among children who received a placebo, the rate was 55 per cent.
    When the numbing cream was used, inserting the IV took 6.7 minutes on average, compared to 8.5 minutes for the children who received no painkiller.

    Zitat

    Just one bad experience can give a kid needle-phobia for life," Dr. Taddio said. "We can remove a lot of that anxiety with a very simple treatment."

    http://m.theglobeandmail.com/life/painkille…?service=mobile

    "Painkiller"?

    Erziehung ist etwas, das man tun oder lassen kann. Das trifft aber auf eine religiöse Vorschrift nicht zu. Gott ist kein "Erzieher". Er wäre nicht Gott, wenn man ihn, wie man das bei der Erziehung machen kann, infragestellen könnte.

    Auf welche alternative Verteidigungsstrategie sollte sich Graumann denn auch einlassen? Mir fällt jedenfalls keine ein. Graumann wusste/weiss ja, dass er verlieren würde, wenn er sich auf juristische, medizinische oder ethische Argumente einlassen würde. Also macht er dasselbe, was z.B. auch die Politiker auf abgeordnetenwatch.de tun: sich gar nicht erst auf die Argumente der Kritiker einlassen, sondern sie auf der Metaebene beschimpfen: verletzend, respektlos, antisemitisch usw. Mit solchen Leuten kann man nicht auf Augenhöhe diskutieren. Rhetorikkurs, 1. Semester.

    In der gesamten Diskussion ist später niemand auf das Video eingegangen. Latasch selbst erwähnte Betäubungssalbe und Sucrose. Das stand jedoch ziemlich zusammenhanglos im Raum, und bezog sich auf Schönheitsoperationen und das Legen von Kanülen. Später wurde bezweifelt, dass in Deutschland rituelle Beschneidungen allesamt ohne Betäubung stattfinden, wie Merkel ausgeführt hatte. Offensichtlich kannte sich niemand mit der Betäubungsproblematik aus.

    Latasch dachte wohl, dass die Anwesenden von der Altehrwürdigkeit des Rituals zutiefst beeindruckt wären. Der Schuss ging aber total nach hinten los. Trotzdem hielten alle die Klappe. Genau darauf zielt Graumann mit seinen barschen Äusserungen ab. Dass Frau Deusel "kompromissbereit" mit der EMLA-Salbe öffentlich herumwedelt, müsste aus Graumanns Sicht schon an Antisemitismus grenzen, wird damit doch dem Schmerz des Säuglings eine Bedeutung zugemessen - fast schon ein Verrat an der Altehrwürdigkeit des Rituals.


    Was Latasch übrigens nicht mehr zeigte, war, dass der Mohel anschliessend das Blut mit dem Mund absaugte.

    Man kann annehmen, dass Graumann schon vor dem Kölner Urteil seine Strategie in der Schublade hatte, schliesslich begannen Putzke et.al. schon 2008 mit der juristischen Dekonstruktion der Beschneidung. Eine Diskussion fand dann 2009/20019 zwischen ihm und F.Schramm ( Justiziar der BDU, nicht E.Schramm) in der Zeitschrift "Der Urologe" statt und 2010 kam der Aufsatz von Fateh-Mogdan. Dass Graumann das alles nicht wusste, ist naiv anzunehmen. Aber erst, als die FTD das Kölner Urteil öffentlich machte, öffnete Graumann seine Schublade.

    Genaugenommen hat Hanna Rosin gesagt:

    Zitat

    "Anyone with a heart would agree that the Jewish bris is a barbaric event. Grown-ups sit chatting politely, wiping the cream cheese off their lips, while some religious guy with minimal medical training prepares to slice up a newborn’s penis. The helpless thing wakes up from a womb-slumber howling with pain. I felt near hysterical at both of my sons’ brisses. Pumped up with new-mother hormones, I dug my nails into my palms to keep from clawing the rabbi. For a few days afterward, I cursed my God and everyone else for creating the bloody mess in the diaper. But then the penis healed and assumed its familiar heart shape and I promptly forgot about the whole trauma. Apparently some people never do."

    http://nymag.com/health/features/60146/

    Die Freund-Feind-Linien, die Graumann hier aufbaut, grenzen schon an Demagogie. Das ist IMHO weit weit mehr als nur Polemik. An seiner Darstellung ist fast alles masslos übertrieben und verzerrt. Von "intellektueller Redlichkeit", die er von Anderen anmahnt, zeugt dies in keinster Weise. Da wird nur der blanken Wut Ausdruck verliehen. Ob man damit Lobbypolitik betreiben kann, muss er sich selbst fragen. Der schlechteste Zentralratsvorsitzende, den wir je hatten.

    In der Zeitschrift "Der Anaesthesist" ( Ausgabe 2/2012 ) beschreibt Prof. Ulsenheimer unter dem Titel "Haftungsrechtliche Probleme beim ambulanten Operieren" ein paar Erfordernisse, die vorliegen sollten, um das Haftungsrisiko zu mindern.

    Zitat

    "Auch für ambulante Eingriffe gilt deshalb der Facharztstandard...Facharztstandard bedeutet aber nicht nur ärztliches Wissen und Können, wie es von einem Facharzt (im materiellen Sinn) erwartet werden kann, sondern auch die Einhaltung der gebotenen Strukturqualität, also das Vorhandensein der erforderlichen apparativen und personellen Ausstattung (z. B. angemessene Räumlichkeiten, qualifiziertes Assistenzpersonal, adäquate Überwachungsapparaturen, z. B. Pulsoxymeter u. a.)."

    Beschneidungen in Synagogen auf unhygienischen Kissen ohne desinfizierte Handschuhe dürfte wohl kaum dazugehören.

    Zitat

    "Erforderlich und zu dokumentieren sind auch vor ambulant durchgeführten Eingriffen eine sorgfältige, rechtzeitige Anamneseerhebung, die körperliche Untersuchung des Patienten sowie die Erfassung und Auswertung von Vorbefunden, um die zutreffende Diagnose zu stellen.
    Deshalb müssen präoperativ die nötigen Befunde erhoben werden...sei es vom vorbehandelnden Arzt, sei es vom Operateur bzw. Anästhesist. Jeder an einem ambulanten Eingriff Mitwirkende sollte sich bewusst sein, dass unzureichende Voruntersuchungen oder das Fehlen entscheidender Befunde oftmals Ursache für Zwischenfälle oder Behandlungsmisserfolge sind. Zur Voruntersuchung gehört als Kernaufgabe auch die Erforschung der häuslichen Verhältnisse und persönlichen Lebensumstände des Patienten."


    Man fragt sich, ob die Feststellung "Sohn einer jüdischen Mutter" zur Anamneseerhebung ausreicht.


    Zitat

    "Absolute Priorität vor allen anderen Erwägungen haben Schutz und Sicherheit des Patienten. Wirtschaftliche, persönliche oder sonstige Interessen haben demgegenüber zurückzutreten."


    An diesen Kriterien wird die zukünftige Mohel-Ausbildung zu messen sein.