Beiträge von werner

    Zitat

    "Prof Pringle says the report quotes a more than 20-fold increase in the risk of penile cancer for uncircumcised men, but the figures didn't agree.
    "In fact, the incidence of penile cancer in Israel (almost 100 per cent of males circumcised) is about the same as that in Scandinavia (circumcision the exception), suggesting that it is cleanliness, rather than godliness that is important," he said.


    http://health.msn.co.nz/healthnews/882…cumcision-study

    Zunächst mal: (welcome)


    Wenn ich die bisherigen Diskussionen hier im Forum richtig in Erinnerung habe, ist es allgemein schwierig, einen Therapeuten zu finden, der auf Beschneidung "spezialisiert" ist. Wichtig scheint zu sein, im Erstgespräch zu eruieren, ob der Therapeut die auf die Beschneidung bezogenen Probleme ernst nimmt, oder ob er meint, Beschneidungen an sich hätten keinerlei negative Folgen, und "dahinter" würden ganz andere Probleme stehen. Beide Einstellungen kann man bei allen Therapeuten finden.

    Ich würde nach diesem Kriterium vorgehen. Letztlich kommt es auf den persönlichen Eindruck an, auch bei Empfehlungen. Dass das ein langer Weg sein kann, bis man den persönlich richtigen Therapeuten findet, ist leider manchmal so. Man kann aber auch Glück haben.

    Erst jetzt ist mir aufgefallen, dass das Thema schon vor einem Jahr im Practical Ethics Blog diskutiert wurde, und zwar im von mir bereits verlinkten Beitrag von Julian Savulescu. Brian Earp hat dessen Argumentation damals in einem Kommentar zugestimmt, und das Ziel formuliert "to change the cultural conversation".


    http://blog.practicalethics.ox.ac.uk/2013/03/male-c…-prohibition-2/


    Interessant ist diese Blog-Seite insbesondere auch deshalb, weil sie Kommentare von Dan Bollinger, Georganne Chapin und anderen Intaktivisten enthält.

    (Mit dem zentralen Argument von Julian Savulescu, dass ein Verbot die Beschneidung in die Hinterhöfe verbannen würde, sollte man auch die Frauenbeschneidung wieder erlauben.)

    Julian Savulescu zieht in einem Kommentar die Parallele zur deutschen Situation:

    Zitat

    "By all means go ahead and try to ban it. You will fail to prevent it, as the recent episode in Germany shows."


    Sowohl von Savulescu als auch von Earp wurden folgende Vorschläge von Micheal Glass positiv aufgenommen:

    Zitat

    "...treat it as a sexual assault, and brand the assailants as sexual offenders. This is a powerful way of stigmatising the aggressors.

    Circumcision by unqualified operators should be illegal.

    ...circumcision “should not be performed in the face of parental disagreement”

    ...ensure that every baby to be circumcised must be medically examined by an independent doctor...

    ...if a circumciser does the job badly, he or she should be prohibited from doing circumcisions.

    Das große Missverständnis ist doch, überhaupt davon zu reden, dass das "gebannt" werden soll. Körperverletzung war immer "gebannt", verboten. Lediglich die Strafverfolgung hatte einen blinden Fleck. Es hatte lange Zeit keinen Staatsanwalt, der den Mumm gehabt, in Sachen MGM Anklage zu erheben. Geltendes Recht wurde nicht konsequent angewandt.

    Bitte hier nicht die amerikanische und die deutsche Rechtsprechung in einen Topf werfen. In Amerika gab es nie ein Verbot der Beschneidung. Das wollte die Bürgerinitiative in San Francisco durch eine Volksabstimmung erreichen. Sie scheiterte zunächst an einem Richterspruch, der darauf hinwies, dass medizinische Fragen nicht durch lokale Beschlüsse entschieden werden dürften. Später wurde dann in Kalifornien ein Landesgesetz beschlossen, dass Volksabstimmungen über Beschneidungen grundsätzlich unzulässig seien, weil sie in die Verfassungsrechte der Elternrechte und der Religionsfreiheit eingriffen.

    Das Gesetz kann man hier lesen:

    http://www.leginfo.ca.gov/pub/11-12/bill…_sen_floor.html


    Den Kommentar des Intaktivisten Joseph Lewis hier:

    http://joseph4gi.blogspot.de/2011/08/ab768-…nanimously.html

    Einerseits finde ich erhellend, dass Brian Earp schreibt, dass er sich auf die amerikanische Situation bezieht, andererseits finde ich es problematisch, dass er dies erst auf Nachfragen hin tut. Das hätte er m.A. von Anfang an tun müssen.
    Auffällig finde ich, dass er auf den Hinweis von "Helmut" auf die Gefahr eines Doppelstandards bei der Verwendung von Begrifflichkeiten nicht eingeht. Auffällig ist das insofern, da kaum einer diesen Doppelstandard so eindrucksvoll herausgearbeitet hat wie er selbst. Aber das könnte ja wohl wieder ein paar seiner amerikanischen Gesprächspartner verprellen.
    M.E. bleibt Brian Earp den Nachweis schuldig, warum er ausgerechnet jetzt "etwas gelernt" hat, und deshalb fortan nur noch von "NCT" sprechen will. Amerikanische Gesprächspartner hatte er ja wohl schon immer und "lernen" ist ein ständiger Vorgang. Bisher hatte ihn beides nicht davon abgehalten, eindeutig Stellung zu beziehen. Warum dann jetzt diese Änderung?

    Aus grundsätzlicher ethischer und juristischer Perspektive muss man sich fragen, wohin der "Respekt" davor, dass manche Beschnittene ihren Zustand als "enhancement" betrachten, führt: dass man es nämlich von der subjektiven Interpretation der "Täter" abhängig macht, wie man die Tat beurteilt. So kommt man ethisch und juristisch in Teufels Küche.


    Ich finde die Beiträge von Brian Earp zur Beschneidungsdebatte nach wie vor äusserst gehaltvoll und wichtig. Daran ändert sich für mich auch durch seinen "Strategiewechsel" im Prinzip rein gar nichts.

    Brian Earp bekennt, dass er in der Vergangenheit Fehler gemacht hat. Er möchte jetzt von den Beschneidungsbefürwortern ernst genommen werden.

    Zitat

    "But it does mean that there is some important “homework” to do if one wants one’s criticisms to be taken seriously by those whose moral universe may be shaped by different considerations."

    In seiner Ankündigung seines Artikels bei Twitter dankt er ausdrücklich seinem Oxforder Kollegen Julian Savulescu. Dieser vertritt die Meinung:"Harm reduction, not prohibition":

    http://blogs.bmj.com/medical-ethics…ot-prohibition/


    Wird das in Zukunft auch Brian Earps Meinung sein, sobald er seine "Hausaufgaben" gemacht hat?

    Die von Prof. Willems gezogene Dichotomie von Religionsfreiheit und Beschneidungskritik ist im Übrigen m.A. irregeleitet: Beschneidungskritik ist nicht per se antireligiös, sekulär oder atheistisch, sondern kann ohne weiteres religiös begründet werden.

    Im Prinzip beschäftigt sich dieser Exzellenzcluster mit dem Verhältnis von Politik und Religion. In seiner Grundsatzbegründung sieht er zwischen Beidem ein Spannungsverhältnis. Diese Spannung einseitig zugunsten der Religion aufzulösen, wie es den Stellungnahmen zur Beschneidung aus dem Cluster regelhaft zu entnehmen ist, entspricht m.A. keineswegs dem Selbstverständnis des Clusters.

    Mit Wissenschaft haben die Äusserungen von Prof. Willems m.A. in der Tat wenig zu tun. Dann müsste er nämlich eine gleichbleibende objektive Distanz zu allen Beteiligten einnehmen. Demgegenüber ist bei ihm ein unverhohlenes Plädoyer für eine grössere Beteiligung von Religionen im politischen Leben zu entnehmen. Wie wir wissen, ist der mit Abstand grösste Teil der Medienlandschaft nach dem Kölner Urteil genau auf diesen Zug aufgesprungen. Aber auch der kleine Teil beschneidungskritischer Journalisten ist dem Prof. Willems noch zuviel:

    Zitat

    "...eine Reihe von publizistischen Stimmen vernehmen, die die Gelegenheit nutzen, sich für eine grundlegende Zivilisierung oder Modernisierung von Religion auszusprechen.

    ...

    "Aber auch Teile der Medien haben zu dieser ablehnenden Haltung durch ihre Berichterstattung beigetragen, indem sie die Komplikationen nach der Beschneidung des vierjährigen Jungen übermäßig dramatisiert haben."

    Jetzt soll es die Politik richten: mit einer grösseren Unterstützung des Gesprächs von Religionen mit Religionsskeptikern. Die Richtung, in die dieses "Gespräch" gehen soll, ist aber schon vorher festgelegt, geht es doch darum, dem Säkularismus zu wehren. Diesem Ansinnen sollte sich die Politik aber gerade nicht vor den Karren spannen lassen.

    Zitat

    "Ich glaube nicht, dass das laizistische Modell das bessere Modell für den Umgang mit religiöser Pluralität ist."

    http://www.deutschlandfunk.de/das-verhaeltni…ticle_id=261338

    Laizismus ist also nur ein "Modell", an das man glauben kann oder auch nicht. Ob diese Aussage noch vom Grundgesetz gedeckt ist, kann ich nicht beurteilen.

    Im Übrigen halte ich diesen ganzen Ansatz, an der Beschneidungsdebatte grundsätzliche Überlegungen zur Rolle der Religion aufzuhängen, für verfehlt. Diese Überlegungen gab es schon lange vor dieser Debatte.

    Zitat

    "There’s essentially no enforcement, and I’ve seen certain people in the community that practices MBP [metzitzah b’peh] thumbing their noses at the regulation for this very reason, saying it will never be enforced and it can’t be enforced.”

    A health department spokeswoman declined to say whether a consent form had been signed in the most recent case or whether the infant’s parents had told officials the mohel’s name. “We are currently investigating the case and won’t discuss its details,” the spokeswoman said.
    Health regulations stipulate that a mohel must keep copies of consent forms for one year. Asked whether the health department had ever requested that a mohel provide a copy of a signed consent form, the department spokeswoman said, “We are not commenting beyond what was in the [January] Health Alert.”"


    http://forward.com/articles/19220…r-metzit/?p=all