Beiträge von werner

    Dr. Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbands Deutscher Urologen, bekannt aus der Maischberger-Sendung im vergangenen Jahr, vertritt nach wie vor die Ansicht, dass Ärzte rituelle Beschneidungen nicht durchführen dürfen.


    Zitat

    "Eine medizinische Notwendigkeit liege dann vor, wenn die Gesundheit des Patienten verbessert, Schaden verhindert oder Leiden gelindert werde. "Dann dürfen wir Mediziner auch an einem Minderjährigen oder Säugling einen Eingriff durchführen. Im anderen Fall wäre es uns schlicht nicht erlaubt", erklärt der Urologe und ergänzt wegen der aktuellen Debatte: "Und das ist unabhängig vom Thema Religion, sondern hat mit der Berufsordnung und dem -ethos der Mediziner zu tun."

    Beim Vorliegen einer "Phimose" liege aber eine medizinische Notwendigkeit vor. Weitere Differenzierungen findet man in den öffentlichen Statements von Bühmann vergeblich. Auch im Urologenportal muss man tief graben...


    http://www.lifeline.de/leben-und-fami…ll-id88891.html


    Übrigens weist Bühmann auch in der "Bravo" darauf hin, dass "Phimose" schon im Vorschulalter behandelt werden muss - "normalerweise".

    Zitat

    "Normalerweise wird eine Vorhautverengung (Phimose) schon im Vorschulalter erkannt und behandelt."


    http://www.bravo.de/dr-sommer/koer…gehts/ex/page/0

    Merkwürdigerweise wurde in der dpa- Meldung zu dieser Untersuchung, die gestern von mehreren Online-Medien (u.a. Spiegel, Focus) verbreitet wurde, mit keinem Wort erwähnt, dass dabei die Vorhäute beschnittener Säuglinge verwendet wurden. Es ist nur von "menschlicher Haut" die Rede.
    Kann/sollte man darüber nicht mal die deutsche Öffentlichkeit informieren?

    Hallo Willi98,

    wir sind hier leider keine ausgebildeten Urologen und mit "Ferndiagnosen" ist es immer sehr schwierig. Ich würde Dir raten, einen Urologen an Deinem Wohnort aufzusuchen, und ihm das mal zu zeigen. Wenn Du davor Schiss hast: das haben wir hier alle, und es ist ja nicht gesagt, dass er gleich mit der Horrormeldung rüberkommt. Vielleicht ist ja alles ok. und er verschreibt Dir bloss eine Salbe.

    Was immer der Urologe sagt, und Du Dir immer noch unsicher bist, bist Du hier herzlich willkommen, darüber zu reden. Aber auch sonst bist Du natürlich willkommen! :thumbup:

    In einer anderen Sonntagsrede hat Kretschmann folgendes formuliert:

    Zitat

    "

Jesus habe ausdrücklich zur Kritik aufgefordert, äußerte sich der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Die heutige Kirchenführung dagegen sieht in Kritik sehr schnell Illoyalität und Ungehorsam." Die Kirche müsse sich entscheiden: "Will sie, dass wir gehorchen, oder will sie uns überzeugen? Wir wollen in Glaubensdingen überzeugt werden und nicht gehorchen, weil das gar nicht geht."

    Zugleich warf er dem Papst mangelnde Diskussionsbereitschaft vor: "Die alten Traditionen - wir verkünden, Ihr gehorcht - haben die Oberhand gewonnen", sagte Kretschmann in einem Interview mit der "Badischen Zeitung" (BZ): "Zentrales Thema aller Gottsucher im 21. Jahrhundert und auch dieses Papstes ist das Verhältnis von Glaube und Vernunft". Wenn man in einer naturwissenschaftlich geprägten Welt nicht über solche Fragen öffentlich diskutiere und frage, was das praktisch für das Kirchenleben bedeute, "dann kann ich mir nicht vorstellen, dass man aus der Krise herauskommt", findet der Ministerpräsident klare Worte.

    "Prüfet alles, das Gute behaltet". "

    In seinem Buch schreibt Karl Becker:

    Zitat

    "Theoretisch könnte man auch bis zur Pubertät abwarten, da die Rate an Phimosen entwicklungsbedingt weiter sinkt. Da man den Jungen eine Operation zu diesem späten Zeitpunkt aus verschiedenen Gründen nicht zumuten möchte, wird üblicherweise vor Schuleintritt mit einer Salbentherapie begonnen.
    Seit einer Studie aus dem Jahre 1993 gelten dünn aufgetragene kortisonhaltige Salben als wirksamste konservative Therapie. Erst wenn auch die Salbentherapie nicht ausreichend hilft, oder es zu einem (oder mehreren Rückfällen kommt), wird die Operation erwogen. Entscheidend aus ärztlicher Perspektive ist eine differenzierte Beratung über die verschiedenen Behandlungsoptionen. Es gibt Eltern, die auch ohne religiösen Hintergrund, dennoch auf die Salbentherapie verzichten,etwa weil die Jungen sich nachhaltig sträuben, der Befund ausgeprägt ist, oder aus unterschiedlichen Gründen die langwierigere konservative Therapie nicht erwünscht ist. Eltern, die aus religiösen Gründen sowieso eine Beschneidung ihres Sohnes wünschen, haben logischerweise ebenfalls kein Interesse an einer konservativen Salbenbehandlung."


    Fazit: die Salbentherapie wird angeboten. Die Eltern sagen "Nein", und schon liegt der Junge unterm Messer. Das geht noch schneller, wenn man die Eltern darüber "aufklärt", welche Grenzen eine Salbentherapie eventuell haben könnte ("nur" 85% Erfolgsquote), wie schlimm eine spätere Beschneidung sei, und dass viele Jungen sich "nachhaltig" dagegen sträuben. Und dann ist es wohl besser, man greift gleich zum Messer.


    Ich finde die Offenheit, mit der Becker hier beschreibt, wie Eltern "aufgeklärt" werden, geradezu "erfrischend".  (würg) 

    Zitat

    "Religionskritik, die in einer freiheitlichen Gesellschaft selbstverständlich möglich ist und auch drastisch ausfallen darf, verrutscht gelegentlich in populistische Religionsbeschimpfung. Wir haben das bei der Debatte um die Beschneidung von Minderjährigen aus religiösen Gründen erlebt. Das war der Blick in den Abgrund."

    Was aber tun?

    Zitat

    "Das ist eine sehr problematische Stimmungslage, gegen die man offen angehen muss. Dies kann allerdings glaubwürdig nur geschehen in der Bereitschaft auch zur Selbstkritik der Religionsgemeinschaften."

    Wie? "Selbstkritik der Religionsgemeinschaften"? In der Beschneidungsdebatte sah man diesbezüglich in einen Abgrund.

    http://www.nwzonline.de/interview/gros…,308657157.html

    Schlimme Erfahrungen in Europa machte der amerikanische Student James McDonald in Europa. Erstens wurde er viel häufiger als in Amerika auf das Thema Beschneidung angesprochen und zweitens verständnisvoll ("in need of sympathy") als traumatisiertes Opfer bezeichnet.
    James jedoch fühlte sich erst durch diese Reaktion traumatisiert.

    Zitat

    "What’s more, I question what the effect on circumcised men is of the constant reiteration that they have been "mutilated;" what consequences that will have on their mental well-being. In my eyes, the repetitive assertion that circumcision is harmful fuels the cycle of trauma with greater surety than a controlled, and relatively minor neonatal procedure."

    http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.553482


    Also, den nächsten beschnittenen Amerikaner nicht bedauern, sondern offensiv angehen. Der kann das ab!  ;)

    Besten Dank!

    Zitat von Weguer

    "Das ist kein Zufall, das sind keine bedauerlichen Einzelfälle."

    Mit Sicherheit nicht!

    Zu Deiner Aufzählung

    - Gefühl, die eigenen Schamgrenzen seien von den Erwachsenen verletzt worden,
    - das Gefühl des Ausgeliefertseins
    - die psychischen Probleme, Ängste und Hemmungen Frauen gegenüber,

    könnte man vielleicht noch hinzufügen:

    - Gefühl, mit Fragen und Problemen sowohl bei der Beschneidung als auch später alleingelassen zu sein
    - massive Probleme bei den ersten, oft auch bei späteren Erfahrungen mit der Selbstbefriedigung
    - Schamgefühle Gleichaltrigen gegenüber in der Pubertät und auch später
    - Gefühl, einen beschädigten/defizitären Körper zu haben (insgesamt, nicht nur am Penis)
    - Probleme, Ärger und Wut über die Beschneider zuzulassen bzw. zu empfinden und stattdessen ihr Verhalten zu legitimieren (Identifikation mit dem Aggressor, Täter-Opfer-Kreislauf)

    Könnte man sicher noch verlängern.

    Dieser Artikel ist wirklich der Hammer und mein Respekt und Dank gilt allen, die daran mitgewirkt haben. :thumbup:

    Nicht ganz klar geworden ist mir, welche Schein- bzw. Falschdiagnosen von den betreffenden Chirurgen vorgeschoben werden: wird die normale Vorhaut für krank erklärt, wenn ein bestimmtes Alter erreicht wird; werden prophylaktische Gründe vorgeschoben oder wird z.B. Lichen sclerosus diagnostiziert, wo gar keins ist.
    Aber vielleicht sind diese Fragen nur mein Problem und angesichts des Gesamtskandals auch völlig zweitrangig.

    Es gibt verschiedene Anträge. Der von der Bundesweiten Arbeitsgruppe säkulare Grüne beschlossene fordert die zügige Einberufung der religionspolitischen Kommission, zu der auch das Thema "Beschneidung" gehört.
    Im übrigen wurde auf der letzten Vollversammlung der säkularen Grünen die Erarbeitung eines Positionspapiers zu "Beschneidung" durch die SprecherInnen angekündigt. Unter den SprecherInnen sind Gislinde Nauy und Walter Otte. Ich denke, diese Namen stehen für sich.

    Auch in dem Antrag der sekulären Grünen ist von Beschneidung nicht die Rede.

    http://saekulare-gruene.de/kommission-wel…end-einrichten/

    Auf der Vollversammlung der sekulären Grünen gab es einen "kurzen Bericht über die Arbeit am Beschneidungspapier."

    http://saekulare-gruene.de/dritte-vollver…-am-05-oktober/


    Ich will mit diesen Angaben keine Wertung verbinden, sondern nur zur Dokumentation beitragen.

    Zitat

    "Diese Kommission war vom (scheidenden) Bundesvorstand der Grünen bei den religionspolitischen Gesprächen Ende April für den Herbst 2013 zugesagt worden. In dem Beschluss des Bundesvorstandes heißt es u.a., dass in der Kommission "unter anderem über Themen, wie Staatsleistungen, Religionsunterricht, Beschneidung, Gleichstellung der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften sowie anderer Weltanschauungen und die Trennung von Religionsgemeinschaften und Staat debattiert" werden soll mit dem Ziel, "einen Kommissionsbericht bis Ende 2014 vorzulegen, die innerparteiliche Debatte aufzugreifen und dieses Thema anschließend auf einer BDK zu beraten."

    In dem neuen Antrag der säkulären Grünen ist von Beschneidung nicht mehr die Rede.


    http://hpd.de/node/16801

    Malte Lehmings vom Tagesspiegel hat sich ja bekanntlich zum entschiedenen Beschneidungsbefürworter entwickelt. Lange vor der Beschneidungsdebatte hat er allerdings Herrn Kramer tüchtig eingeseift.

    Zitat

    "Was ist bloß aus der guten alten Antisemitismuskeule geworden? Einst war sie härter als jeder Dickschädel, auf den sie traf, heute wirkt sie schlapp und schlaff, abgenutzt durch inflationären Gebrauch. Denn was für fast alle stimmt, stimmt für fast keinen mehr."


    http://www.tagesspiegel.de/meinung/antise…st/1840868.html