Beiträge von werner

    Wenn ich das richtig sehe, hat NIEMAND in diesem Forum etwas gegen "das" Judentum, und auch nichts gegen "den" Islam. Selbst das "Hygienebedürfnis" amerikanischer Eltern ist grundsätzlich zu begrüssen.

    All das empfinden wir als Bereicherung, die wir nicht missen möchten. Allein der Behauptung, Beschneidungskritik sei automatisch (!) Antisemitismus, treten wir entgegen (auch gegenüber Herrn Prantl). Wir sollten uns selbst von diesem Vorwurf nicht " scharf machen" lassen, sondern " cool" bleiben. Wenn man selbstsicher in seiner Sympathie zu religiösen Menschen (Betonung auf: Menschen) steht, kann man ihnen auch seine Meinung sagen, und wenn die religiösen Menschen selbstsicher in ihrer Religion stehen, können sie diese Meinung auch ertragen, ohne in ihrem Glauben erschüttert zu werden. Eigentlich komisch: in meinem privaten Bereich hat es diesbezüglich noch nie ein Problem gegeben. (Mein Türkischlehrer ging manchmal während des Unterrichts raus, um zu beten. So what?) Deshalb lehnen auch viele Gläubige ihre "Vertreter" ab, und finden sich in ihnen nicht wieder. DAS macht diesen Angst.

    Die Karikaturen sind sicher nicht jedermanns Sache. Sie dienen vor allem dazu, bestimmten " Religionsvertretern" ein Süppchen zu kochen, das mit Religion gar nichts zu tun hat. Religiös selbstsichere Gläubige stecken das weg. In England gab (gibt?) es mal einen (bekennenden) muslimischen Comedian im Fernsehen, den seinen Glaubensbrüdern/Schwestern sowas um die Ohren gehauen hat, dagegen ist der " Foreskin Man" ein laues Lüftchen. Niemand hat den je ernsthaft bedroht. Ist halt kein visuelles Bild, das man leicht überall verbreiten kann.

    Ich glaube sowieso, dass interreligiöse Ehen die vielleicht grösste Bedrohung für das Judentum sind


    Wieso? Für die Beschneidung vielleicht, aber eine 4000 Jahre alte Kultur hat sicherlich sehr viel mehr zu bieten als nur das. Wäre sonst ein jämmerliches Ergebnis, oder?


    Offensichtlich sind sich selbst die Juden da nicht so sicher - zumindest ihre Verteter. Das Volk fährt nach Zypern...

    Ich glaube sowieso, dass interreligiöse Ehen die vielleicht grösste Bedrohung für das Judentum sind - eine Bedrohung von innen, nicht von aussen. In Europa und in den USA heiratet jede/r zweite Jude/Jüdin eine/n Partner/in aus einer anderen Religion. Ob die dann noch ihre Kinder beschneiden?

    Das Zitat von Richter Gunis zeigt, wie "ernst" die Situation mittlerweile ist.

    Vielleicht damit:


    In Deutschland ist die Religionsmündigkeit im Gesetz über die religiöse Kindererziehung vom 15. Juli 1921 geregelt. Bereits ab Vollendung des 10. Lebensjahres ist das Kind zu hören, wenn es in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen werden soll. Ab Vollendung des 12. Lebensjahres darf ein Kind nicht mehr gegen seinen Willen in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen werden. Ab Vollendung des 14. Lebensjahres wird in Deutschland eine uneingeschränkte Religionsmündigkeit erworben.


    Emla und Paracetamolzäpfpchrn sind Augenwischerei und keine ärztliche Kunst. Sie wirken nur minimal. Es gibt dazu Studien. Ich hoffe, die Abgeordneten haben da nachgefragt.

    Prof. Jerouschek hat diese Frage ja eindeutig beantwortet.

    "Für Jerouschek, der sich als Jurist und Psychoanalytiker seit 2005 mit diesem Thema befasst, sei die Seite des Kindes eindeutig zu bevorzugen. Denn im Kontext einer psychoanalytischen Perspektive verwundere es auch gar nicht, dass die Risiken klein und die positiven Aspekte groß geredet werden. Diese Strategie entspreche der Verleugnung und Marginalisierung von erlittenem Schmerzen, Traumata und Störung"


    Interessante berufliche Kombination für die Beschneidung.

    Hier noch eine sehr ausführliche Behandlung des Themas durch Prof. Jerouechek
    Beschneidung und das deutsche Recht Historische, medizinische, psychologische und juristische Aspekte « TEKMAN POST

    @B.O.Achter

    Da habe nicht nur Ava, sondern auch Dich missverstanden. Sorry. Ich dachte, Du meinst die Beschneidung als "Siegel" der Abstammung.

    Könnte es sich bei den Heiratsregeln nicht auch um ein religiöses Gebot handeln, und nicht nur um eine "Tradition"?

    Ha! Ich habe nicht nur das Kapital gelesen, sondern ich war Schulungsleiter der MG! [Blockierte Grafik: webkit-fake-url://9E73177B-C6A5-4FFA-816E-C589E7978A6F/imagepng]

    Worum es hier geht, ist nicht Marx, sondern Lenin (revolutionäre Strategie und Taktik). Zuerst solidarisieren sich die revolutionären Massen mit den Minderheiten gegen den chauvinistischen Staat, dann erst geht es auch diesen an den Kragen.

    Dass zwischenzeitlich unsere Regierung vor den revolutionären Massen "eingeknickt" ist, lässt sich eigentlich nur durch die Ossi-Vergangenheit von Frau Merkel erklären...

    Wie? Werden jetzt plötzlich die Juden zu Nazis, die im Gegensatz zu uns (Grundgesetz) nichts aus der Geschichte gelernt haben"?! Die "Tätowierung" der KZ- Insassen ist dasselbe wie die Beschneidung?! Das von den Nazis durch den Holocaust verletzte "Recht auf körperliche Unversehrtheit" ist dasselbe wie die Beschneidung? Das Werfen von Bomben (Basken) ist dasselbe wie die Beschneidung (Juden)? Jedes(!) ihrer Interessen muss hinter den Grundrechten zurückstehen? Aus ihrer individuellen Sichtweise können keine Sonderrechte abgeleitet werden? Ihre Traditionen sind Abstammungs"getue"!

    Eine Verfassung hatten wir schon VOR dem 3. Reich. Was den Unterschied zwischen der Weimarer Verfassung und dem Grundgesetz ausmacht (Lehren aus der Nazizeit) hat mit der Beschneidungsdebatte rein gar nichts zu tun. Schutz der körperlichen Unversehrtheit gab es auch vorher schon, ebenso das Recht und die Pflicht zur Erziehung, ebenso die Religionsfreiheit und den Minderheitenschutz. Juristisch gesehen hätte diese Debatte auch schon VOR dem 3. Reich stattfinden können. Was soll es also, den Juden vorzuwerfen, sie würden sich wie die Nazis verhalten, während "wir" Deutsche durch die Verkündung des Grundgesetzes zu lupenreinen "Widerstandskämpfern" geworden sind?

    Wir haben einen Konflikt und wir haben unsere Meinung dazu. Diffamierungen lehne ich persönlich in JEDER Richtung ab.

    quadrat

    Seit dem Interview mit Herrn Kramer ist die rein religiöse Begründung der Beschneidung jüdischerseits vom Tisch. Die Antworten der Rabbis haben Herrn Kramer nicht überzeugt. Es geht m.E. jetzt um "Volkszugehörigkeit", und die umfasst selbst (jüdische) Atheisten. Hat mir ein jüdischer Atheist (nicht Herr Montag) persönlich gesagt, und der ist absolut FÜR Beschneidung - eben wegen der "Volkszugehörigkeit".

    Zitat

    "Es klingt auf den ersten Blick nicht so schlimm, wie es in Wirklicheit ist: Für die Beschneidung werden ja auch hygienische Gründe vorgetragen. Und wenn dann in den Debatten, an denen ich teilnahm, der Einwurf kommt "nicht Beschneiden, einfach mal waschen!" – welch' ein Bild von "den Anderen" steckt da dahinter? Der ungewaschene Jude, der ungewaschene Muslim – soll er sein Kind doch säubern, statt am Penis seines Sohnes rumzuschnippeln! "


    Ich wette, dass bei den Debatten, die Jerzy Montag erlebt hat, niemand "ungewaschene Muslime, ungewaschene Juden" gesagt hat. Wenn bei den Debatten das hygenische " Argument" von den Religionsvertretern ins Spiel gebracht wird, kommt natürlich der berechtigte Hinweis auf das Waschen. Das hat aber mit den religiösen Begründungen nichts zu tun. Es ist Jerzy Montag, der hinterher beides in einen Topf wirft.
    Ich habe ja immer gedacht, dass sich die Demagogie in dieser Debatte seitens einiger Politiker nicht mehr steigern lässt. Ich habe mich getäuscht.

    "niederen Beweggründe zu rechtfertigen, die natürlich dann sehr unterirdisch sind und verbrähmt würden und vermutlich - ich betone es - nur bei einer Minderheit der Beschneider auftreten dürften."

    Ich meine, wir sollten hier nicht mit Unterstellungen arbeiten, für die wir keinerlei Be- bzw. Hinweise haben. Damit machen wir uns unglaubwürdig.

    Der Artikel über "Zirkumzisions-Pathologie" ist vielleicht ganz lustig, verschiebt das Thema aber auf die Person des Beschneiders. Darum geht's aber gar nicht.

    Eine abenteuerliche Argumentation:

    "Wie kommt es überhaupt dazu, daß sexueller Kindermißbrauch im Judentum mehr tabuisiert ist, als in anderen westlichen Religionen und Gesellschaften?"

    Eine solche Behauptung aufzustellen, ohne auch nur den allergeringsten Beweis, ist Diffamierung und sonst nichts.

    "Beschneidung ist ein gewalttätiges Eingreifen und eine Verletzung der Genitalien eines Kindes, was rein physisch ein sexueller Mißbrauch bzw. sexuelle Mißhandlung ist."

    Die gedankliche Verbindungslinie, die hier gezogen wird, ist absurd. Mit dem, was wir üblicherweise mit "sexuellem Missbrauch" verbinden, hat Beschneidung rein gar nichts zu tun. Auch das ist diffamierend.

    "Wie gesagt ist es weder meine Absicht, jemanden zu beschuldigen noch alle Juden als Kindermißhandler darzustellen."

    Warum tut sie es dann?


    Meiner Meinung nach sollten Beschneidungskritiker einen "Beifall von der falschen Seite" deutlich ablehnen.

    Max Uthoff zieht hier eine Parallele zwischen Beschneidung und sexuellem Missbrauch ( in der katholischen Kirche). Normalerweise habe ich ein grosses Herz für Satire, aber diese Parallele, die ja auch in einer Petition steht, halte ich nicht nur für eine grobe Beleidigung, sondern auch sachlich für völligen Quatsch. Ziemlich billiger "Gag". Die Reaktion der Zuschauer scheint mir auch eher verhalten.

    Vielen Dank für diesen Hinweis. Der Kinderarzt Benjamin Spock war seit den 1940er Jahren jahrzehntelang der "Godfather" für amerikanische Eltern. Sein erstes Buch war lange Zeit das (nach der Bibel) zweitmeist verkaufte Buch in den USA. Viel früher als in Deutschland vertrat er eine "kindgemässe" Erziehung (feeding on demand).

    Die englische Wikipedia ist sehr gut über ihn, die deutsche miserabel. In der englischen steht:

    Male circumcision
    In the 1940s, Spock initially favored circumcision of males performed within a few days of birth. However, in 1989, in an article forRedbook magazine, he stated that "circumcision of males is traumatic, painful, and of questionable value."[8] He received the first Human Rights Award from the International Symposium on Circumcision (ISC) in 1991 and was quoted saying "My own preference, if I had the good fortune to have another son, would be to leave his little penis alone".


    Im ABC Interview wird ausschliesslich über Beschneidung aus medizinichen Gründen gesprochen Spock war kein Jude, soviel ich weiss.