Beiträge von werner

    Pizarro73
    Um damit anzufangen: ich wurde in meiner Kindheit wegen Phimose unter Vollnarkose teil-beschnitten. Und: ja, die erste Frau, mit der ich geschlafen habe, hat mir meine (heftigen) "Schwellenängste" genommen.

    Ich habe durch meine Frage versucht, mein ehrliches Interesse auszudrücken, und es zu vermeiden anzugreifen nach der Methode: "Jetzt vergiss doch endlich mal Deine Vergangenheit, Du Dödel; Du siehst doch, dass es den Frauen nichts ausmacht!"

    Die "Reaktionen der Frauen" waren ja vorher das Thema, und darauf habe ich mich bezogen, aber natürlich gebe ich Dir recht, dass das "nicht Alles" ist. Das hast Du durch Dein Posting ja unmissverständlich klar gemacht.

    Ich finde meine Frage in Deinem Posting wieder: Was bringt "Frieden in mein Herz"? Und ich stimme Dir zu, dass es enorm wichtig ist, dass sich die "Betroffenen" darüber austauschen. Wir haben in diesem Forum zum Beispiel (!) ja auch schon intensiv über das Mittel der Psychotherapie diskutiert - auch da mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Einstellungen.

    Die Frage nach dem "Frieden im Herzen" betrifft ja nicht nur die Beschneidung, sondern ist eine generelle "Lebensfrage", die auch andere Bereiche betrifft; und die wir uns - jetzt werde ich mal fürchterlich altklug - wahrscheinlich bis an unser Lebensende immer wieder stellen werden (müssen).

    Mir kommt gelegentlich der Gedanke, dass, wenn wir aufhören würden zu kämpfen, wir den "Tätern" (Religionsvertreter, Ärzte usw.) ja nachträglich quasi "recht geben" würden mit ihrem Versuch, uns für den Rest des Lebens zu "brandmarken". Aber ich weiss nicht, ob das stimmt.

    In diesem Sinne: Peace :)

    Vielleicht bin ich zu doof dazu, aber ich finde im gesamten Internet keine "Zentralstelle", die die "Leidensgeschichten Betroffener" bündelt (wenn auch "nur" in Form einer Linksammlung). Die Leidensgeschichten sind über das gesamte Netz verteilt, was den Eindruck erweckt, als handele es sich lediglich um " Einzelfälle": zwar schlimm genug und häufig, aber angesichts der grossen Zahl auf der Welt lebender beschnittener Männer immer noch " Ausnahmen". Demgegenüber finde ich allein schon die grosse Zahl der Berichte auf der von Maria Werner in diesem Forum gelinkten Seite "SueEasy" sehr eindrucksvoll, und wenn ich mir vorstelle, man könnte auf eine Seite hinweisen, auf der hunderte, wenn nicht tausende solcher Berichte versammelt sind, könnte wenigstens einigen Befürwortern das Argument ausgehen, es handele sich um "Einzelfälle" oder " Ausnahmen". Irgendwann schlägt ja bekanntlich die Quantität in Qualität um...

    Was ich auch vermisse, ist ein wissenschaftlich fundierter und für Betroffene öffentlich zugänglicher Fragebogen, der die Angaben in den Berichten " sortiert" und damit die Grundlage für eine wissenschaftliche Auswertung bilden könnte. Die unabweisbare Problematik solcher Fragebögen will ich hier gar nicht diskutieren. Ich würde mich einfach "freuen", wenn ich irgendwo die Schlagzeile lesen würde: "Nach einer Umfrage unter 5000 beschnittenen Männern stellte sich heraus, dass..." (da es sich um Leidensgeschichten handelt, wäre meine "Freude" mindestens ambivalent).

    Es kommt mur zwar etwas schwer über die Tasten, aber das " Outing" sogenannter "Promis" würde natürlich auch ein " Zeichen" setzen...

    Im Moment bleibt mir nur die Hoffnung, dass Leute wie Holm Putzke und andere mit so vielen Leidensgeschichten überschwemmt werden, dass sie sie in die öffentliche Diskussion einbringen.

    Pizarro73

    "zumindest unterschwellig immer beschäftigt"

    Ich frage mich, warum das anhält, obwohl man vielleicht ( hoffentlich ) die Erfahrung gemacht hat, dass Frauen einen "trotzdem" mögen und Spass im Bett haben. Und sogar viele und sogar sehr unterschiedliche Frauen. Warum können sich trotz dieser guten Erfahrungen die " alten" Traumen nicht einfach " verabschieden"?
    Mich würden Eure Meinungen darüber zum einen persönlich interessieren, und zum anderen würde ich es für dieses "Betroffenenforum" deshalb wichtig finden, weil die Frage der " Langzeitwirkung" von Beschneidungen eine bedeutende Rolle bei der ganzen Diskussion spielt.

    @ R(h)einwein
    Ich bin mir da nicht so sicher, ob die Beschneidungsbefürworter "Amputation" als " wertfrei" betrachten. Schon den blossen Vergleich eines aus ihrer Sicht religiösen Aktes mit einem medizinischen würden sie als " herabsetzend" betrachten.

    Haben wir nur die Wahl zwischen " brutal ehrlich" und " diplomatisch"?

    Descant

    Ich verfolge die Debatte, seitdem das Kölner Urteil veröffentlicht wurde, und kann nicht behaupten, dass ich damit "durch" bin. Ist aber vielleicht mein Problem, dass manchmal ich so lange brauche...:(

    Auf alle Fälle sollte dieses Forum als eine der möglichen "Anlaufstellen" für Betroffene und für "Gedankenzweifler" erhalten und auch lebendig bleiben. Dies ist eine der wenigen "Orte" im Netz, wo nicht einfach nur "Dampf abgelassen" wird, sondern auch kontrovers, differenziert, umfassend und selbstkritisch diskutiert wird.

    Betroffenen Mut zu machen, sich zu "outen", und sie zu unterstützen, dass sie gehört werden, bleibt m.E. noch für lange Zeit wichtig. Da bleibt noch viel Arbeit.

    Mag sein, dass die Diskussion abebbt, wenn das Gesetz durch ist. Dass damit " der soziale Friede" einkehrt, glaubt ja wohl niemand mehr. Daran müssen beide Seiten noch lange arbeiten.

    Wenn das nicht zu intim ist: welche ART von "Beachtung" meint Ihr? (verbale, visuelle, manuelle, orale usw.).Und ich wiederhole noch mal meine Frage von oben: muss der "Mangel an Beachtung" zwingend mit dem Beschnittensein zusammenhängen, oder kann es nicht auch andere Gründe haben? Das Gefühl, dass dem eigenen Penis zu wenig "Beachtung" geschenkt wird, kenne ich nämlich auch aus vielen Gesprächen mit un-beschnittenen Männern.

    Ich greife einmal den in diesem "Faktencheck" gemachten "Vorschlag" für eine der Beschneidung " angepasste" Medizinethik heraus:

    "Wenn wir nun – zum Beispiel um eine ausreichende Schmerzbehandlung zu gewährleisten – durch das neue Gesetz (sofern dieses denn tatsächlich beschlossen wird) zum Vollstrecker der Beschneidung gemacht werden, dann brauchen wir dazu ein Mandat. Ein solches Mandat können wir uns nicht selbst erteilen. Dazu bedürfte es eines gesellschaflichen Konsens, welcher uns von unserer Berufsethik, der wir auch nach außen hin verpflichtet sind, entbindet.”

    Einen solchen Konsens gibt es zweifellos in Israel und den Ländern mit ausschliesslich/überwiegend muslimischer Bevölkerung (vielleicht auch noch, wenn auch abnehmend, in den USA.) Bei uns gibt es diesen Konsens mit Sicherheit nicht, was heisst, dass Ärzte bei uns die Beschneidung als " unethisch" ablehnen müssten.

    Angesichts der offensichtlichen Breite der ärztlichen Ethikmöglichkeiten über das "Primum nihil nocere" hinaus, scheint es mir unwahrscheinlich, dass die Ärzte sich auf obigen Vorschlag einigen werden. Deshalb erschliesst sich mir Sinn und Zweck dieses "Faktenchecks, abgesehen von einige Detailformationen z.B. bezüglich der Komplikationsrate, eigentlich nicht.

    Ich glaube, es gibt auch eine Menge un-beschnittener Männer, die Angst haben, irgendwas könnte mit ihrem Penis nicht "richtig" sein, man(n) könnte ausgelacht werden, könne die Frau nicht "zufrieden stellen" usw. Wenn Du beschnitten bist, denkst Du natürlich, DAS wäre der Grund. Kommt aber vielleicht ganz woanders her. Es gibt sicher Frauen, denen das wichtig ist, es gibt aber " genügend" andere, denen ganz andere Sachen VIEL wichtiger sind. Die Farbe des Kondoms z.B. :)

    Das Cabrio scheint hier ja zu einer Art "Running Gag" zu werden. Hoffentlich fühlt sich niemand auf den Schlips getreten. Mir persönlich gefällt's...

    @Picard 72

    Mir hat Gott sei dank schon die erste Frau, mit der ich mich entjungfert habe, diesen Zahn gezogen. Aber bis dahin wars echt schlimm. Hast Du schon mal mit einer der Frauen darüber gesprochen?