Beiträge von werner

    Es geht mir persönlich nicht darum, die Julis insgesamt zu " delegitimieren" (das versuchen die Beschneidungsbefürworter, was ich ablehne). Bei den Julis handelt sich zweifellos NICHT um eine Partei oder Gruppierung mit links- oder rechtsextremen Ansichten.
    Wenn wir darüber diskutieren, ob wir mit einer Organisation zusammenarbeiten wollen oder nicht, halte ich es gerade in der Diskussion über Beschneidung (aber auch sonst) für absolut nötig, nicht nur das Gemeinsame, sondern auch Trennende herauszustellen.

    Zitat

    "Da für eine gesetzliche Regelung der Klitorisvorhautbeschneidung aus religiösen Gründen schon gar kein Bedürfnis besteht scheidet die Gefahr einer Ungleichbehandlung von vorneherein aus."

    Zitat


    "Die Zulässigkeit der Beschneidung wird mit der Religionsfreiheit begründet".


    Frau Zypries irrt. Die Zulässigkeit der Beschneidung wird mitnichten mit der Religionsfreiheit begründet, sondern mit dem Elternwillen. Ob Eltern sich auf " Religion" oder " Tradition" berufen, ist völlig wurscht.

    @ Descant

    Es geht mir - bei DIESER Frage, sonst schon :) - nicht um Gefühle, sondern um die Schwere des Eingriffs. Trotz aller "Frühreife" möchte ich auch heutzutage keinem Vierzehnjährigen zutrauen, die Folgen dieses Eingriffs abzuschätzen. Dass womöglich Kinder diesen und früheren Alters Verantwortung übernehmen müssen, ist traurig, aber kann nicht bedeuten, dass man ihnen auch noch diese Entscheidung zumutet.

    Dass Du dieses Alter vorschlägst in der Gewissheit, dass kein Vierzehnjähriger selbst in Erwartung grösserer Geschenke darin nicht einwilligen wird, möchte ich Dir gar nicht unterstellen :)

    @ Descant

    Dein Bemühen um einen Kompromiss in allen Ehren, aber ich finde, das ist nicht unsere Aufgabe. Auch haben ja bereits die religiösen Vertreter mehrfach unmissverständlich deutlich gemacht, dass die "Putzke-Lösung" für sie nicht infrage kommt. Ich bin der Meinung, dass - ausser bei medizinischer Indikation, versteht sich - kein Eingriff diesen Schweregrades bei Minderjährigen vorgenommen werden darf. Auch einem Religionsmündigen würde ich das Recht, über einen derart massiven Eingriff entscheiden zu können, absprechen. Insofern würde ich noch über Putzke hinausgehen.

    Mit "mit Vorsicht zu geniessen" meinte ich, dass sich für diese Umfrage wahrscheinlich eher Männer gemeldet haben, die Schwierigkeiten im Sexualverkehr haben. Der etwaige Schluss auf die Gesamtzahl ALLER beschnittenen Männer wäre m.E. problematisch wenn nicht unzulässig. Aber selbst wenn sich vor allem Männer mit Sexualproblemen beteiligt haben, ist vieles an dieser Studie bemerkenswert wie z. B. die Häufigkeit bestimmter Einschränkungen (Gefühllosigkeit der Eichel usw.). Auch wenn bekanntlich nirgendwo mehr gelogen wird als bei Umfragen zum Sexualverhalten und man dies abzieht, zeigt die Umfrage doch ganz eindeutig die Verbreitung auch der langfristigen Schädigungen, die von den Befürwortern immer als " Einzelfälle" abgetan werden. Das kann nach dieser Umfrage nicht mehr behauptet werden.

    Ärzte in Zimbabwe sind sauer, dass die Beschneidungsaktion an ihnen vorbeiläuft.

    "The problem is that male circumcision came as a programme where a few selected people were trained and put in charge. And yet this is a simple procedure which any medical doctor can perform," said the acting PMD for Matabeleland North, Dr Nyasha Masuka.

    Und so läuft die Aktion dort ab:

    "Teams are coming from Harare or Bulawayo into our provinces, pitch their tents under a tree, circumcise a few men, and get paid hefty allowances and then leave."

    "If an old man from the village can perform this procedure, then any doctor should be able to do that," he said. Dr Robert Mudyirandima, PMD for Masvingo, said the programme should be available all the times just like any other health service within an institution."


    allAfrica.com: Zimbabwe: Circumcision - Doctors Up in Arms

    Schon Anfang Juli hatte sich der Psychotherapeut Wolfgan Schmidbauer in einem Artikel für die "Süddeutsche Zeitung" bezüglich der Beschneidung zu Wort gemeldet und den Begriff der "Identifikation mit dem Aggressor" in die Debatte eingebracht.

    Zitat


    "Dass manche dieser Opfer die Beschneidung als sexuelle Bereicherung und hygienische Notwendigkeit propagieren, steht für die Identifikation mit dem Angreifer, die sich bei vielen Traumatisierten beobachten lässt. Sie führt auch zu der merkwürdigen Zähigkeit, mit der Kulturen und Religionen an qualvollen Ritualen festhalten."

    In der November-Ausgabe der Zeitschrift "Psychologie Heute" greift Schmidbauer das Beschneidungsthema erneut in einem längeren Artikel auf, wobei er sich besonders den mythologischen Hintergründen des Rituals widmet.

    Zitat

    "Wenn sich Rituale so energisch gegen die Sexualorgane richten, hängt das damit zusammen, dass gerade an dieser Stelle die höchste Lust und die tiefste Kränkungswut zusammentreffen. Die Urheber des Rituals scheinen davon auszugehen, dass durch die Amputation eines Teils der sexuellen Organe auch ein Teil der Sexualität vernichtet wird - und warum sollte das nicht gerade der " böse" Teil der Sexualität sein, der Gott, Göttin, Ahnengeistern missfällt? Was dann übrig bleibt, ist gereinigt. Sexualität nähert uns nicht mehr den Tieren. Sie ist menschlich geworden, künstlich, augenfällig der Kultur unterworfen."

    Im Unterschied zu seinem SZ-Artikel thematisiert Schmidbauer jetzt auch die Situation der Eltern und Familien.

    Zitat

    "...so problematisch wird sie (die Beschneidung), wenn sich Polizei und Staatsanwalt in intakte Familien einmischen würden, die aus tiefster Überzeugung glauben, das Beste für ihre Kinder zu tun. Dadurch würden seelische Schäden angerichtet, die wohl schlimmer sind als die einer Beschneidung, die von der Familie als notwendig und heilsam in ihren Alltag eingebettet sind."

    Hat bei Wolfgang Schmidbauer jetzt auch die "Identifikation mit dem Angreifer" stattgefunden? Oder zeigt er lediglich auf, das auch die Psychotherapeuten keinen Ausweg aus der "Güterabwägung" finden?

    Zitat

    "Was ist unter einer "im Einzelfall gebotenen und wirkungsvollen Schmerzbehandlung" zu verstehen? Ist entsprechend der Auffassung pädiatrischer Schmerzspezialisten eine Vollnarkose bei der Beschneidung unverzichtbar?
    Wäre die letztgenannte Frage zu bejahen, bliebe für § 1631d Absatz 2 BGB-E ebenfalls kein oder nur ein sehr eingeschränkter Anwendungsbereich, weil Vollnarkosen nur von Ärzten gegeben werden dürfen und eine Beschneidung ohne Vollnarkose nicht den Regeln der ärztlichen Kunst entsprechen würde."


    Das hätten sie selbst prüfen (googeln) können: Vollnarkosen bei Kinder unter 6 Monaten werden wegen der Risiken nur im äussersten Notfall gegeben.

    Zitat

    "Oder gibt es Schmerzbehandlungen für Beschneidungen nach den Regeln der ärztlichen Kunst, die außerhalb einer Klinik oder Arztpraxis angewandt werden können?"


    Ja, bitte prüfen, ob Salbe und Zäpfchen " ärztliche Kunst" sind.

    Insgesamt aber ein bemerkenswertes Papier.

    "Am 14. November 1942 kam ich von unserem palästinensischen Paradies in Hitlers Hölle. Ich hatte mich mit 300 anderen Palästinadeutschen freiwillig gegen Juden aus Deutschland austauschen lassen, um weiterzulernen und meiner Wehrpflicht nachzukommen. Die Mittlere Reife schloss ich nach vier Monaten ab und konnte bei Daimler Benz praktizieren. Ich war noch zwei Jahre lang Soldat, hauptsächlich in der Flugzeugführerausbildung, und als das Benzin ausging, bei den Fallschirmjägern in Italien."


    O-Ton Loebert


    Dennoch stimme ich Dir natürlich zu, dass es sich um ein absolut nebensächliches Thema handelt.

    @ R(h)einwein

    Wahrscheinlich ist die mehr oder weniger unverhohlene Isreal-Kritik der 68er gemeint. Demgegenüber war ja Axel Springer ein überzeugter Zionist. Gemeint ist wahrscheinlich auch der Anschlag auf ein jüdisches Gebäude in Berlin durch die " Tupamaros" unter Führung von Rainer Kunzelmann, der, wie später Mitglieder der RAF, eine " Ausbildung" bei den Palästinensern gemacht hat.

    Soweit ich beurteilen kann, hat Descant völlig recht. Spranger war zwar wie Kretschmer in den Nationalsozialismus " verstrickt", hat sich jedoch noch während des 3. Reiches davon losgesagt, und kam in der BRD noch zu hohen Ehren. Ich nehme ebenfalls an, dass er diesen Lehrern, Giordano Bruno nun schon gar nicht, einfach nicht zugehört hat.
    Trotzdem ist der Lebenslauf des Herrn Loebert ziemlich interesssant, falls er denn der Wahrheit entspricht. U.a. hat er sich während 3. Reiches als in Isreal lebender Deutscher gegen verfolgte Juden im Reich austauschen lassen. Später in der BRD hat er höchste staatliche Anerkennung für die Errichtung von Unterkünften für Aussiedler erhalten.
    Mit seiner Beschneidungstheorie hat er sich ja wahnsinnig viel Mühe gegeben. Mir ist niemand bekannt, der auch nur entfernt ähnliche Theorien aufgestellt hat.