Beiträge von werner

    Der von Machtnix gefundenen Artikel ist aus 2 Gründen interessant, zeigt er doch das die "Holocaust-Keule"
    - auch in anderem Zusammenhang ("Konversion") angewendet wird und dass
    - sie auch von liberalen Juden benutzt wird.

    Dass von gläubigen Juden die Spiritualität höher eingeschätzt wird als die Physis, wissen wir dagegen ja schon lange (Gott zu Abraham: Beschneiden ODER ausgemerzt werden). Insofern ist es dann natürlich nur konsequent, die Vorhaut als "Objekt des Hasses" zu sehen, unterbindet sie ja die Beziehung zu Gott. Dass Gott die Menschen/Männer MIT Vorhaut auf die Welt kommen lässt, bedeutet in diesem Sinne, dass nach der Geburt noch etwas vor ihnen liegt, nämlich IHRE Entscheidung zum Bund mit Gott. Allerdings " hilft" Gott ihnen bei dieser Entscheidung, indem er ihnen die Alternative aufzeigt...:(

    Cutting and Covenant: How I Decided Whether Or Not To Circumcise My Sons, by Rabbi Julie Greenberg

    " I did not take him for surgery. His body is intact and un-cut. Now he is an older teen who participates actively in the synagogue. Not once have I witnessed or heard from him about a single instance of raised eyebrows or persecution about his penis. My child’s foreskin was never an issue when he was in preschool and the children changed into swimming suits before running in the sprinkler,In the organized Jewish world, there are places that would deny him participation over this issue, but those are not the places that recognize this person for who he is. If he ever does choose to engage in that kind of community, he knows the path of circumcision is open to him."

    Die wöchentlich erscheinende Jüdische Allgemeine hat eine verkauft Auflage von ca. 6000 Exemplaren (-> Wiki), die jüdische Gemeinde in D hat ca. 100.000 Mitglieder. Man sollte diesem Verbandsblatt nicht allzuviel Gewicht beimessen.

    Immerhin ist sie das Sprachrohr des ZDJ und den sollten wir, ob wir nun wollen oder nicht, ernst nehmen. Inwieweit der ZDJ "die Juden" in Deutschland vertritt, ist eine ganz andere Frage. Die Höhe der Auflage spricht natürlich eher dagegen. Die 100.000 sind nur die Gemeindemitglieder. Wieviele Juden es in Deutschland darüber hinaus gibt, weiss niemand. Ich habe irgendwo mal was von 200.000 gelesen. Vor dem Zuzug der osteuropäischen Juden gab es noch 20.000 jüdische Gemeindemitglieder.

    "Sicher ist, eine Kollektivschuld gab und gibt es niemals."
    Genau.

    "Dass heutzutage das Wort „Jude“ auf deutschen Schulhöfen und auf deutschen Sportplätzen als Schimpfwort benutzt wird"
    Und wer das im Beschneidungsforum tut, fliegt raus.

    "Jüdisches Leben hier ist sicher.Und bleibt sicher."
    Davon gehen auch wir selbstverständlich aus.

    "Wir Juden lassen uns nicht einschüchtern. Wer darauf wartet, der muss ewig warten. Resignation? Nein Danke! Nicht mit uns."
    Für Resignation gibt es auch gar keinen Grund.

    Und nun wenden wir uns wieder den Vorhäuten von Säuglingen und Kleinkindern zu...[Blockierte Grafik: webkit-fake-url://89D1C873-9FDF-4A71-9A9B-96682E52179D/imagegif]

    34. Ordentliche Bundesdelegiertenkonferenz 16. - 18. November 2012, Hannover Congress Centrum/Eilenriedehalle

    Anträge zum Beschneidungsgesetz

    http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmproposals/233.pdf

    "Die Beschneidung als Symbol der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft ist irreversibel und kann mit Erreichen der Religionsmündigkeit nicht zurückgenommen werden. Es ist daher zumutbar, die Beschneidung solange aufzuschieben, bis das Kind angemessen an der Entscheidung beteiligt werden kann."

    http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmproposals/469.pdf

    "Wir sind eine Menschenrechtspartei (Artikel 1.1 Grundkonsens). Die ersten Grundrechte sind die individuellen Menschenrechte. Positiviert als Grundrechte.
    Diese Haltung bedeutet, dass wir keinen Respekt vor jedem Versuch haben, diese Menschenrechte durch andere sogenannte Grundrechte, gerade kollektive Rechte wie diejenigen von Religionsgemeinschaften oder auch von "Religion", "Kulturen" oder "Traditionen", auszutauschen.

    Aus aktuellem Anlass möchte ich daran erinnern, dass sich morgen, am 9. November, die "Novemberprogrome" (im Nazijargon: " Reichskristallnacht") von 1938 jähren. Im Vorgriff auf diesen Gedenktag hat gestern ein Kommentator der " Jüdischen Allgemeinen" die Beschneidungsdiskussion im Internet als "virtuelles Bundesprogrom" bezeichnet.

    Jüdische Allgemeine / POLITIK / 9. November - Ausgeblendet

    Ich muss offen bekennen, dass ich ein Teil dieses "Bundesprogroms" bin, auch wenn ich diesen Vergleich absolut unerträglich und völlig inakzeptabel finde. Ich muss auch bekennen, dass ich die Worte "archaischer Ritus", "Genitalverstümmelung" und "Kindsmissbrauch" in Zusammenhang mit medizinisch nicht-indizierter Beschneidung zwar nur widerwillig in den Mund nehme, sie aber auch nicht aus der Diskussion verbannen kann und will. Mir ist klar, dass Gläubige diese Titulierung ebenfalls absolut unerträglich und völlig inakzeptabel finden. Ich bin sogar mit Frau Knobloch einer Meinung, dass diese Debatte einen Einschnitt nicht nur in der Beziehung zwischen Juden und Deutschen, sondern auch in der Geschichte dieses Landes darstellt. Ich bewundere Rachel Salamander (Jüdische "Literaturhandlung" in München und Berlin), die (fast) keine Gelegenheit auslässt, Illusionen über eine mögliche "Versöhnung" zwischen Juden und Deutschen zu hinterfragen und sehr konsequent die Doppelbödigkeit so mancher deutschen " Philosemiten", die sie auch in dem vorgeschlagenen Gesetz sieht, anprangert. (Frau Salamander zieht nur etwas spöttisch die Augenbrauen hoch, wenn andere Juden/Jüdinnen davon sprechen, sie seien jetzt (!) von " den Deutschen" " enttäuscht". Frau Salamander hat ( meines Wissens ) jedoch nie daran gedacht, "ihre Koffer zu packen". Das ist klar und diese Klarheit ringt mir Respekt ab.)

    Ich bleibe bei meiner Meinung, dass Religionsfreiheit - wie jede Freiheit - Grenzen haben muss. Beim Versuch, diese Meinung in ein entsprechendes Gesetz zu giessen, bewege ich mich im Rahmen der geltenden Gesetze und lehne jegliche Form von Gewalt strikt ab. Den Vorwurf, " verbale Gewalt" zu üben, gebe ich gerne zurück. Ausserdem beharre ich darauf, dass ich nichts, aber auch gar nichts gegen Religion als solches habe, weder gegen die jüdische, noch gegen die muslimische und auch nicht gegendie christliche. Alle liefern/ haben geliefert wertvolle Beiträge zu unserem Zusammenleben. Ich hoffe, dass ich es noch erleben werde, dass die entstandenen Gräben zugeschüttet werden.

    susanna

    Susanna hat m.E. recht. Vor Gericht werden ja auch " subjektive Entschuldigungsgründe" geprüft (Täterstrafrecht, nicht Tatstrafrecht). Die Akzeptanz von " exotischen Bräuchen" unterliegt ja einer historischen Entwicklung. Vor Jahren wurden " Ehrenmorde" ja noch " rechtfertigend" betrachtet. In Sizilien wurde bis vor einigen Jahren noch jeder gehörnte Ehemann freigesprochen, der seine Ehefrau und deren Liebhaber erschoss, wenn er sie in flagranti erwischte. Heute jedoch nicht mehr,:)

    Ich habe in diesem (!) Punkt Prof. Putzke nie verstanden. Dass ein Minderjähriger in die Selbstamputation eines derart wichtigen Körperteils aus nicht-medizinischen Gründen einwilligen kann/darf, erschliesst sich mir genausowenig wie die die gesamte Diskussion über "Berücksichtigung des kindlichen Willens", wie sie z.B. der Kinderschutzbund vertritt. Unsere Rechtsprechung hat sich - aus guten Gründen - dafür entschieden, Minderjährige zwar ernst ( ernster, als dies früher der Fall wahr) zu nehmen, setzt deren " Entscheidungsgewalt" jedoch eindeutige Grenzen.
    Sich nicht entscheiden zu müssen, sondern in einem Schutzraum experimentieren zu können, ist aus heutiger Sicht ein wesentlicher Bestandteil von "Kindheit". Diese Freiheit wird dem Kind durch die Beschneidung für immer genomen.

    "Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) begrüßt den Gesetzentwurf zur rituellen Beschneidung von Jungen, den die SPD-Abgeordnete Marlene Rupprecht zusammen mit den Abgeordneten Katja Dörner, Caren Marks und Rolf Schwanitz nun vorgelegt haben. Der Gesetzentwurf erlaubt den Eltern die Beschneidung, sofern der Sohn 14 Jahre alt und damit einsichts- und urteilsfähig ist. Die Beschneidung soll nach den Regeln der ärztlichen Kunst durch einen Facharzt für Kinderchirurgie und unter Zuhilfenahme wirksamer Schmerzbehandlung erfolgen."


    Kinder- & Jugendrzte im Netz

    BUNDESRAT
    Stenografischer Bericht
    902. Sitzung

    Berlin, Freitag, den 2. November 2012

    Frau Önay:

    "Medizinisch kontraindiziert ist die Beschneidung bei gesunden Knaben jedenfalls nicht. Anderenfalls wäre hier eine Grenze überschritten."

    "Zudem stellt der Gesetzentwurf klar, dass sich die Regelung ausschließlich auf männliche Kinder bezieht – im Gegensatz zur Genitalverstümmelung von Frauen, bei denen die Sexualität massiv beschädigt wird."

    "Bezüglich des Eingriffs durch den sogenannten Mohel kamen die Sachverständigen zu dem Ergebnis, dass der Einsatz bestimmter Salben den Regeln der ärztlichen Kunst entspricht und eine ausreichende Schmerzbehandlung sicherstellt."

    http://dipbt.bundestag.de/dip21/brp/902.pdf