"Der Zentralrat der Juden in Deutschland will sich weiterhin einer sachlichen Debatte über die Beschneidung von Jungen stellen. "Wir sind es der Gesellschaft und auch uns selbst schuldig, die Diskussion mit den Kritikern zu führen", sagte der Generalsekretär des Zentralrats Stephan Krämer der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S)."
Beiträge von werner
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werner: Der Arzt darf nach dem neuen Gesetz den Grund der Beschneidung gar nicht fragen.
Ja, sehe ich auch so. Aber gerade deshalb sind ja unlauteren Motiven Tür und Tor geöffnet. Am Anfang war ja mal die Rede davon, dass Gläubige eine Bescheinigung ihrer Glaubensgemeinschaft vorlegen müssen. Das war dann wegen "Gesinningsschnüffelei" ziemlich schnell weg vom Tisch.
Jetzt wird nach den Motiven überhaupt nicht mehr gefragt. Wir wissen aber, was für Motive es gibt, wie Du ja auch beschreibst. Soll sich das Kind dagegen überhaupt nicht wehren können? -
Oder so?
"Seit Jahrhunderten diskutieren die Menschen die Folgen der Beschneidung für das Liebesleben. Kanadische Wissenschaftler haben untersucht, ob die sexuelle Empfindlichkeit von beschnittenen und unbeschnittenen Männern sich unterscheidet. Die Untersuchungen ergaben keine Unterschiede in Bezug auf Berührung oder Schmerz."
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Sieht so Aufklärung nach den Regeln der ärztlichen Kunst aus?
"Hat die Beschneidung Auswirkungen auf das Liebesleben? Manche Männer berichten über verstärkte Höhepunkte beim Geschlechtsverkehr (Orgasmen). Auch vermehrte Ausdauer beim Geschlechtsverkehr wird angegeben."
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"Auf den 26 Seiten Erklärung zum Gesetz steht, dass aus jedem beliebigen Grund an männlichen Kindern eine Genitalverstümmelung vorgenommen werden kann."
Haben wir die sich daraus ergebenden Horrorszenarien eigentlich schon genügend herausgestellt?Und: wie ist die implizite Zulassung "unlauterer" bzw. gar krimineller Motivationen juristisch zu werten?
Die Öffentlichkeit ist ja fast ausschliesslich mit religiös motivierter Beschneidung befasst. Die Zulassung auch anderer Motive soll ja vor allem die Tatsache vernebeln, dass es sich um ein religiöses Sondergesetz handelt. Aber auch die Rücksichtnahme auf den Hygienefanatismus mancher amerikanischer Soldaten kann eine Rolle gespielt haben.
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Bei Wikipedia lese ich:
"Anders als der Name es ausweist, beansprucht dieser mit einzelnen Abgeordneten aller Fraktionen und ihren Mitarbeitern besetzte Arbeitskreis, die oberste parlamentarische und außerparlamentarische Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche zu sein. Die Rede ist von einem Wächteramt."
Vier von fünf derzeitigen Mitgliedern der Kinderkommission haben sich gegen das Beschneidungsgesetz ausgesprochen. Einzig Nicole Bracht-Bendt (FDP) war dafür.
Aus dieser Kinderkommission haben wir während der gesamten Beschneidungsdebatte kein Wort gehört.
Vielleicht deshalb:
"Die KiKo veranstaltet zu kinderpolitischen Themen öffentliche Anhörungen und nichtöffentliche Expertengespräche. Als eine Grundfestlegung für gemeinsames, abgestimmtes Handeln, ist das Konsensprinzip gewählt worden. Wenn sich nicht alle fünf Abstimmungsberechtigten auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können, bleibt nur eine Initiative außerhalb des Gremiums."
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Falls er hier noch nicht erschien, ein sehr guter Aufsatz über die psychotraumatischen Folgen der kindlichen Beschneidung, auch unter Einbeziehung der Mutter-Kind- und der Mann-Frau-Beziehung mit etlichen Literaturangaben.
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Diese Argumente sind zwar alle bekannt, hier aber einmal übersichtlich zusammengefasst.
Jewish Circumcision Resource Center
Besonders herausstellen möchte Argument 6.
"6. The biggest threat to Jewish survival is assimilation. There is no evidence that circumcision slows it. Despite circumcision, about half of all Jews who married in recent years chose a non-Jewish spouse."
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[…]
Mir auch. Mir geht es aber auch um die Behauptung nicht-medizinicher Beschneider, sie könnten es viel besser als Ärzte, und um die Komplikationsrate, die dieser Behauptung widersprechen.
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"...unser Land ein Land BLEIBT...?
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...die Gewinngier der Medizinbranche?
Ja, das kann man nie ganz ausschliessen. Soll man aber deshalb Hinweise aus dieser Ecke auf von nicht- medizinischen Beschneidern verursachten Komplikationen ignorieren?
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"The mother said she took her son to a paediatric urologist who she said told her not enough skin had been removed and her son would require surgery to remove some skin and a granuloma which had formed to prevent deformity as he grew up."
""In some areas, particularly where they feel children are at risk from unsafe procedures, PCTs do work with local providers and communities to ensure that a safe service is available."
"A study into circumcisions performed at an Islamic school in Oxford found that 13 out of 32 boys who had the procedure suffered medical problems."
""We only know if they turn up in hospital so at the very least I would like to see a register and a ban on the procedure being carried out by non-medical people."
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In einem anderen Forum brachte ein Forist einen - wie ich meine - treffenden Vergleich bezüglich der behaupteten Gesundheitsprophylaxe der Beschneidung:
Ein Kind weigert sich, sich die Zähne zu putzen. Das erhöht die Gefahr von Karies. Deshalb werden ihm alle Zähne gezogen.
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"Sich mit aller Macht einer Vergleichbarkeit der FGM mit der MGM zu verweigern, ist nichts weiter als die Ablehnung medizinischer Tatsachen – mit dem Ziel, religiöse Motive von den aus ihnen resultierenden körperlichen Veränderungen abzukoppeln, weil man sie sonst nicht mehr guten Gewissens gutheißen könnte."
Also deshalb kann der gleiche Wissenschaftler, der das Schmerzempfinden von Kleinkindern untersucht hat, die Beschneidung als " würdevolles Ereignis" bezeichnen.
"Beschneidung ist ein würdevolles Ereignis" -
"Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (türkisch Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, abgekürzt DİTİB) ist ein seit dem 5. Juli 1984 beim Amtsgericht Kölneingetragener Verein.
Sie untersteht der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten der Türkei in Ankara, welches dem türkischen Ministerpräsidialamtangegliedert ist. Die DİTİB arbeitet als bundesweiter Dachverband für die Koordinierung der religiösen, sozialen und kulturellen Tätigkeiten der angeschlossenen türkisch-islamischenMoscheegemeinden. Der Sitz des Verbandes ist in Köln-Ehrenfeld. Er ist Gründungsmitglied des Koordinierungsrats der Muslime.""Das Diyanet İşleri Başkanlığı (deutsch Präsidium für Religionsangelegenheiten), abgekürzt mit Diyanet, ist eine staatliche Einrichtung zur Verwaltung religiöser Angelegenheiten in der Türkei. Gleichzeitig ist es die höchste islamische Autorität des Landes. Es wurde am 3. März 1924 entsprechend Gesetz Nr. 429 gegründet und ist dem Ministerpräsidialamt angegliedert."
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Dazu fällt mir nur ein: Da kriegen welche den Hals nicht voll.
Immerhin ärgern sich die Religionsvertreter jetzt, was vor dem Kölner Urteil nicht der Fall war, und trotz des Gesetzes anhält. Es wird eben nicht alles so sein, wie es einmal war.
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Psychologisch gesehen, ist das in der Familie meines Mannes so: Die Beschneidung von ihm reicht nach dem Gefühl meiner Schwiegermutter auch für unsere intakten Söhne aus. Schließlich will sie die beiden im Paradies wiedersehen!
Und wie kommt die Schwiegermutter ohne Beschneidung ins Paradies?
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"...Zufügung seelischer Qualen, Einschüchterung..."
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"Findet eine Beschneidung statt, und ein Staatsanwalt klagt an, dann landet – sofern der Richter den neuen Paragrafen für verfassungswidrig erklärt – der Fall beim Bundesverfassungsgericht. Ein unter Umständen jahrelanges Verfahren. Die wirklich endgültige und sofortige Rechtssicherheit, die wir brauchen und auf anderem juristischen Weg bekämen, schafft das Gesetz daher leider nicht.
Was wäre der andere juristische Weg?
Drei Bundesländer sind ihn gegangen: Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin. Dort sind die Staatsanwälte angewiesen, bei kunstgerechten, religiös begründeten Beschneidungen nicht anzuklagen. Das ist die Rechtslage schon seit Jahrhunderten, sie wurde nur bestätigt. Diese Weisung im Bundesland geht am schnellsten und wirkt 100-prozentig. Wo kein Kläger, da kein Richter. Das neue Gesetz hingegen ist nur der zweitbeste Weg, weil er lang und umständlich war. Er hat Juden und Muslime monatelang unnützerweise geängstigt. Mich ärgert das.Nur wenn ein Staatsanwalt anklagt, der dann auch noch einen Richter findet, der das Beschneidungsgesetz für verfassungswidrig erklärt, droht so ein Verfahren. Beide wüssten zwar, dass sie gegen den Willen des Bundestages handeln, aber einen richtigen deutschen Rechthaber bremst das nicht. Deswegen ist jenes »Anklageverbot«, das die Staatsanwaltschaften jener drei Bundesländer bindet, die beste Idee. Wenn Sie in einem der anderen 13 Bundesländer beschneiden wollen und 100-prozentige Sicherheit wünschen, dann fragen Sie Ihre Staatsanwaltschaft. Sie wird Ihnen mitteilen, dass sie nicht anklagen wird. Andernfalls beschneiden Sie lieber in Berlin, Baden-Württemberg oder Hamburg."
Jüdische Allgemeine / POLITIK / Interview - »Fragen Sie den Staatsanwalt!«