Beiträge von werner

    Es sollte vielleicht noch - jenseits aller Polemik - ergänzt werden, dass das Bemerkenswerteste an dem Artikel des Pfarrers die Funktionalisierung eines jüdischen Glaubensinhaltes für einen christlichen Glaubensinhalt ist. Im Judentums ist nirgends die Rede davon, dass die Beschneidung dazu dient, "in den Himmel zu kommen". Ich bin überzeugt, das jüdische Gläubige diese Anbiederung strikt zurückweisen würden, wie ja auch überhaupt der " Schulterschluss" der monotheistischen Religionen in der Beschneidungsdebatte fast ausschliesslich von christlicher Seite kam, und von jüdischer Seite weder erbeten noch bis heute adäquat gewürdigt wurde. Zwischen die Schultern der monotheistischen Religionen passt wahrscheinlich doch mehr Papier als es den Anschein hatte.

    Sehr interessant, danke Benni. Weisst Du den Grund, warum die Sache nicht durchkam?

    Ich vermute, der Grund der Ablehnung war die Befürchtung vieler Abgeordneter, dass rationalistische Reformbestrebungen auch auf die Christliche Religion übergreifen könnten.

    Es könnte auch sein, dass ähnliche Gründe wie im folgenden Artikel beschrieben ausschlaggebend waren.

    Juden in Brandenburg-Preuen

    "Wenn jeder „Antisemit“ ist, der Zwangsbeschneidung für eine Menschenrechtsverletzung hält, na gut, dann bin ich eben „Antisemit“."
    "Es nützt nichts, immer wieder zu betonen, dass es bei der Kritik an der Zwangsbeschneidung nicht um Religion geht. Es nützt nichts, immer wieder zu betonen, dass es nicht darum geht, Beschneidung generell, sondern nur Beschneidung als Zwang zu kritisieren. Sie ist zwar auch ein jüdischer und islamischer Ritus, aber der Horror-Masterplan der WHO zurEindämmung von AIDS zum Beispiel – flächendeckende Beschneidung von 20 Millionen Männern in Afrika in zwei Jahren – hat unmittelbar nichts mit Religion zu tun."

    Na gut, dann bin ich eben „Antisemit“ « Evidenz-basierte Ansichten

    Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich um Jesus-Zitate handelt?

    Was die Vorwegnahme des humanistischen Gedankengutes betrifft, so empfehle ich Dir das Buch "Schatten über Europa - Der Untergang der antiken Kultur" von Rolf Bergmeier. Da wird plausibel nachvollziehbar gezeigt, dass das humanistische Gedankengut einschließlich der Forderung nach Nächstenliebe schon vor dem Christentum existierte.

    Ja, Du gehst recht.

    Besten Dank für den Hinweis auf Rolf Bergmeier. Sollte man in der Tat gelesen haben. Da die antike Kultur ja auch in unseren Bildungskanon einfliesst, fragt sich um so mehr, woraus sich die Verfechter der Religionsfreiheit ihren Religionsbegriff zusammengebastelt haben. Wahrscheinlich am wenigsten noch aus den religiösen Schriften.

    Da stellt sich mir jetzt die Frage: Wenn die Krankenkassen den Eingriff nur nur ab dem 10. Lebensjahr und nur nach erfolgter Salbentherapie und dann auch nur zur Hälfte bezahlen würden - wieviel könnten die Krankenkassen wohl sparen? Wäre das nicht ein Vorschlag den man dem "Gemeinsamen Ausschuss" schmackhaft machen könnte?


    Wenn ich das richtig recherchiert habe, sind bezüglich Phimose sowohl die Leitlinien der Gesellschaft für Urologie als auch für Kinderchirurgie zur Zeit in Überarbeitung.

    Bei BVJ steht noch:

    "Laut Leitlinie zur Phimose der Deutschen Gesellschaft für Urologie soll, soweit dies medizinisch vertretbar ist, jeder operativen Lösung ein konservativer Therapieversuch vorausgehen."

    Die (nicht mehr gültige) Leitlinie der DGK findet man hier.

    http://www.awmf.org/uploads/tx_szl…_abgelaufen.pdf

    Noch 2002 formulierte die DGU:

    Die Therapie der kindlichen Vorhautverengung besteht in der plastischen oder nach Wunsch der Eltern in der radikalen Zirkumzision nach Abschluß des 2. Lebensjahres. Liegen neben der Vorhautverengung zusätzliche Befunde wie rezidivierende Balanoposthitiden, rezidivierende Harnwegsinfekte oder eine Aufballonierung der Vorhaut bei der Miktion vor, erfolgt die plastische Zirkumzision unabhängig vom Alter des Kindes umgehend.

    Im Prinzip glaube ich nicht, dass man die Ärzte zwingen kann, Salbentherapie anzuwenden. Da sind die Diagnosen selbst bei Phimose zu unterschiedlich.

    Ich glaube aber, dass es - wie in anderen Medizinbereichen - überzeugte "Schnippler" gibt, die, wie viele Ärzte absolut beratungsresistent sind.

    Für mich gehört zu den grundlegenden Beiträgen des Christentums zur Menschheitsgeschichte die Überwindung einiger archaischer Grausamkeiten unter gleichzeitiger Beibehaltung dessen, was an alttestamentarischer Weisheit als gut und richtig erkannt wurde. Der Gedanke, dass Jesus Christus durch sein Leben und Wirken, durch seine Lehren und auch durch das von ihm erlebte Leid der Menschheit einen Neuanfang ermöglichte, ist geradezu die Essenz des Christentums. Dass Vertreter der Amtskirchen in der Geschichte immer wieder ihre Macht missbrauchten und ihrerseits Grausamkeiten im Namen dieser Religion begehen ließen, tut der ursprünglichen Idee keinen Abbruch.

    Es ist m.E. durchaus hinterfragbar, ob diese "Rechnung" aufgeht: gutes Christentum vs. schlechte Vertreter der Amtskirchen. Ich nehme zwar durchaus wahr, dass das Christentum in Teilen humanistisches Gedankengut vorwegnimmt, bin aber leider nicht theologisch sattelfest genug, um folgende Aussagen einordnen zu können:

    "Viele glauben, dass ich als Friedensbringer gekommen bin. Ich bringe aber nicht Frieden sondern das Schwert. Ich werde die Kinder gegen ihre Eltern aufwiegeln (und die Familien spalten), so dass die eigenen Hausgenossen zu Feinden werden. Wer seine Eltern oder seine Kinder mehr liebt als mich, kann nicht zu mir gehören. Wer nicht bereit ist, sein Kreuz auf sich zu nehmen und mir zu folgen, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben wegen mir verliert, der wird es finden."

    "Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden (gerettet werden, ins Himmelreich kommen). Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden."

    "Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigenes Leben, der kann nicht mein Jünger sein."

    "Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche, bringt her und erwürgt sie vor mir!"

    "Wer nicht in mir bleibt (wer mich ablehnt), der wird weggeworfen wie eine verdorrte Rebe. Man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, sie muss verbrennen."

    Diejenigen, die im Rahmen der Beschneidungsdebatte jetzt so vehement "Religionsfreiheit" einfordern, müssen sich schon fragen lassen, was sie unter "Religion" verstehen, und ob es gerechtfertigt ist, humanistische Werte, die GEGEN die Religionen erkämpft worden sind, ihnen nachträglich "unterzuschieben", um sich eine " humanistische Religion" zurechtzuschneidern.

    Lange war mir nicht klar, warum es gerade die Vorhaut ist, die Gott geopfert werden muss. Jetzt trägt ausgerechnet ein christlicher Pfarrer dazu bei, mein Wissen zu erweitern.

    "Mehrmals am Tag wird das Organ in die Hand genommen, der Mann sieht es auch. Also wird er auch jedes Mal augenfällig an diesen Bund mit Gott erinnert."

    Erinnert wird der Mann aber auch an Gott nicht nur beim Pinkeln oder beim Onanieren, sondern auch,wenn er in die Frau eindringt.

    "Wenn dieses Organ funktionsfähig ist, kann es in den weiblichen Körper eindringen und dem Lebenserhalt dienen. Im übertragenen Sinne bedeutet das: Ein Mensch hat in seinem Leben den Auftrag, in das Wesen Gottes einzudringen und die verheißene Einheit von Gott und Mensch zu gestalten."

    Nun wird es sicher manche Frau als Kompliment ansehen, wenn ihr Mann ihr beim Eindringen sagt, es fühle sich an, wie wenn er in "das Wesen Gottes" eindringt. Auf der anderen Seite soll es aber Frauen geben, die, wenn der Mann in sie eindringt, extrem grätig reagieren, wenn der Mann dabei nicht an sie, sondern an irgendetwas anderes denkt. Der Beteuerung, es handele sich "um das Wesen Gottes", könnte bei einer misstrauischen Frau die Frage auslösen: "Und wie heisst die Dame?"

    "Ich gebe zu, früher war das einfacher zu benennen: In den Himmel kommen", schreibt der Pfarrer. Stimmt, denn heutzutage besteht oft die Schwierigkeit, sich zwischen "Vögeln" und "Poppen" entscheiden zu müssen.

    "Die Vereinigung mit Gott ist nicht einfach so nebenbei und ohne Lebenslast erreichbar". Männer, die davon ein Lied singen können, können die betreffenden Frauen jetzt darauf hinweisen, sie hätten " einen Auftrag". Ausserdem ginge es ihnen gar nicht ums Vögeln, sondern lediglich darum, "die Einheit mit Gott zu gestalten." Welche Frau könnte da noch " Nein" sagen?

    Diesen Vorgang, beim Pinkeln, Onanieren und Poppen jedes Mal an den Bund mit Gott erinnert zu werden, sollten sich die Christen gerade angesichts zunehmender Atheisierung vielleicht in Erwägung ziehen.

    Aufgeschlossen: Was Beschneidung bedeutet | MAIN-POST Nachrichten für Franken, Bayern und die Welt

    Hallo sol1,

    ich habe mir erlaubt, die Überschrift über Deinem Beitrag zu ändern, damit er besser von Türkischsprachigen gefunden werden kann. Es handelt sich um die Übersetzung eines Artikels von einer amerikanischen Intaktivisten-Seite. Der Originalartikel hat die Überschrift:"What is lost to Circumcision?"

    L o s t L i s t

    Auf der von Dir gelinkten Seite gibt es viele ins Türkische übersetzte derartige Artikel. Das Forum dort ist aber kaum genutzt.

    "The first is a thought experiment. Suppose an adult man was kidnapped off the street, tied down kicking and screaming to a table and forcibly sexually mutilated. Would this be a crime? If so, why is it not a crime when inflicted on an infant boy? At what age do males graduate from testosterone-tainted meat sculptures to sentient human beings?

    The second is a social experiment. Try discussing this issue with others. You may find a great resistance, even among human rights activists of both genders, to the notion that males have rights which are being violated in this country. Whos (or rather, what) interest continues to be served by trivializing the human rights of one half of the population? From the standpoint of biocomplexity, division is the first step towards reorganization and assimilation. The tiresome reenactment of the divide-and-conquer strategy will continue until conscious people transcend it.

    The last experiment can only be carried out by a circumcised man. Run your fingers lightly along the length of your erect penis. Where does it feel best? Right behind the head? Guess what: that’s all that’s left of your foreskin, and it’s not even the best part. Think about it: if sexual ecstasy is nature’s inducement to reproduce, where is the sensible place to put the most erogenous nerves? On the bottom of the feet? Behind the ears? At the back end of the penis? No, it would be at the front end of the penis, the part that would go inside the vagina."

    http://members.tranquility.net/~rwinkel/MGM/primer.pdf

    Aus einem Kommentar zu diesem Artikel

    "Are pictures allowed at these ceremonies (I guess they are, if the nytimes got one...)? If so, what if a child sees them? Are other young children allowed at these ceremonies, like the baby's brothers and sisters? What message do they take from it? How are you supposed to explain boundaries to a child about who can touch them and where when they have seen a rabbi sucking on a baby's penis?"


    http://www.nytimes.com/2012/09/13/nyr…wanted=all&_r=0

    "NHS Sheffield’s Clinical Commissioning Group has proposed to make families who want their sons to be circumcised pay for the procedure in an effort to save £170,000 per year.
    "Dr Ainger said: “Non-therapeutic circumcisions are not clinical interventions and as a group, we would not want anybody to undergo a medical procedure if there was no specific clinical need.”


    'Backstreet operation concern' over male circumcision funding loss - Sheffield - Local News - Postcode Gazette

    Die Gegner der Kindesbeschneidung hängen einem Bild des Leibes an, der in seiner Natürlichkeit unversehrt ist. Doch dieses Bild ist ein
    Phantom. Einen solchen Leib – einen Leib außerhalb aller kulturellen und symbolischen Leistungen – bekommen wir schlicht nie zu greifen.

    Dann können wir ja alle Artikel zur "körperlichen Unversehrheit" ersatzlos streichen, weil sich das auf ein " Phantom" bezieht.

    Das wirklich Schlimme daran ist, dass solche Schreiber keiner mehr ernst nimmt.

    Ich bin da gegenteiliger Ansicht: das wirklich Schlimme ist, dass solche Schreiber IMMER noch ernst genommen werden. Professor Schnieder ist ja Wissenschaftlicher und Wissenschaftler sollten ihre Aussagen ja doch belegen. Nach Belegen sucht man jedoch in seinem Artikel vergeblich. Aber auch andere Autoritäten, die in in der Beschneidungsdebatte antisemitische "Stimmen" gehört haben wollen, sind dafür bisher jeglichen (!) Beweis schuldig geblieben. Ebenfalls keinerlei Beleg liefert Professor Schnieder auch für die schon oft geäusserte These, die Beschneidungskritiker wollten "in Wahrheit" etwas ganz anderes.
    Professor Schieders Hauptarbeitsgebiet ist religiöse Bildung. Deren Mangel erkennt er daran, dass viele einen "Gegensatz zwischen dem Kindeswohl und der Aufnahme des Kindes in den Bund mit JHWH aufmachen." Wenn religiöse Bildung in dieser Weise abläuft, bleibe ich gern ungebildet.
    Herausgeber von "Zeitzeichen" sind u.a. Kathrin Göring-Eckardt, Margot Kässmann und Wolfgang Huber. Also die versammelte evangelische Elite Deutschlands. Sie jedenfalls nehmen Wissenschaftler wie Professor Schieder ernst.