Kirsten Bell (2005): Genital Cutting and Western Discourses on Sexuality

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    • Kirsten Bell (2005): Genital Cutting and Western Discourses on Sexuality

      Hallo zusammen,

      Das ist mein erster Post hier und ich freue mich sehr auf dieses Forum gestoßen zu sein. :)

      Meinen ersten Post würde ich gerne einem Paper widmen, das ich hier im Forum durch die Suchfunktion nicht gefunden habe und von dem ich glaube das es eine Bereicherung für alle ist.

      Bell beschreibt den getrennt geführten Diskurs um männliche und weibliche "Beschneidung".

      Interessant finde ich eingangs eine Szene, die beschreibt, wie sie in einer kleineren US-Universität einen Kurs zu diesem Thema hält und amerikanische Studenten sich entsetzt über das Ziehen von Parallelen zwischen den beiden Formen des Genital Cutting (GC) zieht. Ein schönes Beispiel von Ethnozentrismus, wie sie weiteren Verlauf des Artikels beschreibt.

      Auf Seite 127 stellt sie fest: "most writers who take up the comparison between male and female genital surgeries are activists opposing male circumcision"

      In Bezug auf die westlich geprägte Sicht auf GC in Afrika fasst sie zusammen:

      "[...] convincingly demonstrate, the conceptual separation underlying Western treatments of male and female circumcision is alien to many Africans, who consider these operations to be fundamentally related in both their functions and effect"


      Wem das Paper zu lang ist, einfach in die Zusammenfassung am Ende schauen :)

      Beste Grüße
      Ohne Mütze ist es kalt
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    • Die Abhandlung von Frau Bell vergleicht die weibliche und die männliche Beschneidung.
      Aber ich frage mich, was die Kernaussage der Arbeit ist.

      Die Autorin vertritt die Auffassung, dass sich sexuelle Zufriedenheit nicht nur über die Physiologie sondern auch über die kulturelle Vorstellungen von Sexualität definiert.

      In diese Sinne legt Sie dar, dass einige Männer in den USA sich über den Sensibilitätsverlust infolge der Beschneidung zwar im Klaren sind, die Beschneidung aber trotzdem als Verbesserung der Sexualität empfinden, weil diesen Männern kulturell bedingt der "Performance-Gedanke" (das "länger Können") in Ihrer Sexualität wichtiger sei.
      Es gebe genauso Frauen, die ihre Genitalverstümmelung als Verbesserung ihrer Sexualität empfinden.

      Lautet das Fazit demnach:
      Die sexuelle Zufriedenheit wird weniger durch die Physiologie als vielmehr durch die Kultur bestimmt?

      Ich bin mir nicht sicher, ob die Autorin mit Ihrer Arbeit sogar die Auswirkungen der weiblichen Beschneidung (und letzlich auch der männlichen Beschneidung) relativiert.

      Denn die Autorin schreibt unter anderem, dass die sexuelle Zufriedenheit nicht objektivierbar sei. Das halte ich für schlichtweg falsch.
      Dazu gibt es ja auch inzwischen Studien.

      @Mit Mütze ist es kalt:
      Bitte meine kritische Sichtweise zu dem Artikel nicht persönlich nehmen. ;) Natürlich kann ich mich in meinem Verständnis des Artikels auch irren....

      The post was edited 5 times, last by Logo ().

    • @Logo ich glaube auch nicht, dass die sexuelle Zufriedenheit in irgendeiner Weise objektivierbar ist. Kann man das irgendwie objektiv messen...kann das nicht nur rein subjektiv sein?

      Objektivierbar...doch nur, wie der Eingriff geschah...med. absolut notwendig, selbstbestimmt...oder unnütz, Menschen die von anderen Menschen für deren Zwecke zum Objekt gemacht...missbraucht...wurden?
      Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama
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      @Logo
      ich denke das Ziel dieser Arbeit war es, die Widersprüche in dem aktuellen Diskurs zu untersuchen. Sie stellt sich die Frage, weshalb weibliche und männliche Genitalverstümmelung in der westlichen Gesellschaft so unterschiedlich bewertet werden. Ihrer Ansicht nach kann diese unterschiedliche Wahrnehmung nicht nur durch die Unterschiede der Eingriffe selbst begründet liegen, da ja die weibliche Genitalverstümmelung eben nicht automatisch schwerwiegender ist als die männliche Form, sondern dass vor allem auch die kulturelle Prägung eine wesentliche Rolle bei der Bewertung spielt. Ich finde nicht, dass Kirsten Bell in der Arbeit die Folgen der Beschneidung relativiert. Es geht ihr einfach darum, einen Erklärungsansatz für diese unterschiedliche Betrachtungsweise zu finden.
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      Ich muss Luckylaschinski zustimmen.

      Ich lese als Hauptaussage heraus, dass das Gendern / die Separierung des Diskurs in weibliches und männliches 'Gential Cutting' aus ihrer Sicht keinen Sinn ergibt. Ich glaube, sie will sagen: Männliches und weibliches 'Genital Cutting' sollte der gleiche gesellschaftliche Diskurs sein


      Wie wir in Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt sehen, wird ja aber ein Eingriff an den Genitalien - dem das Kind nicht zugestimmt hat - nach Geschlecht / Gender unterschieden.

      Besonders interessant finde ich in diesem Kontext auch das sich anbahnende Verbot von Eingriffen an Intersexkindern.