Was Jungs wissen wollen - Das Jungenfragebuch

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    • Was Jungs wissen wollen - Das Jungenfragebuch

      Bei diesem, aktuell im Handel erhältlichen, 48-seitigen Büchlein von Ravensburger fehlt die Angabe des eigentlichen Autors. Eine Recherche ergab jedoch, dass es sich um eine Übersetzung einer 2006 erschienenen Britischen Ausgabe handelt und von einem Alex Frith geschrieben wurde.

      Es werden sicher viele Fragen ganz gut beantwortet, es sind aber auch Fehler enthalten. So werden Kondome "übergestülpt". Neben diesem Text ist dann auch ein bereits abgerolltes Kondom abgebildet. Aha. Soll das ein nützlicher Ratschlag für Jugendliche sein?

      Der Stil der Zeichnungen ist sicher Geschmackssache, wo aber exakte Details wichtig wären, wie bei der weiblichen Anatomie, sind diese etwas sehr abstrakt. Eine Detailzeichnung zur männlichen Anatomie fehlt gleich ganz.

      Der Autor versteigt sich zu der unbewiesenen Behauptung: "Der Penis funktioniert mit oder ohne Vorhaut völlig gleich". Was will er mit der Verbreitung dieser persönlichen Ansicht bezwecken? Vielleicht sollte er sich erst mal z. B. bei NORM-UK informieren. Wenn das so wäre, wie er behauptet, würden nicht so viele Männer versuchen, ihre unfreiwillig verlorene Vorhaut, so gut es geht, wiederherzustellen.

      Außerdem gibt er als einzige Begründung für Beschneidungen an: "In einigen Ländern und bei manchen Religionen wird die Vorhaut meist einige Tage nach der Geburt entfernt." (warum heißt es hier eigentlich nicht "amputiert"?). Außer den USA, dem einzigen westlichen Land, wo (derzeit noch) etwas mehr als die Hälfte der neugeborenen Babies dran glauben müssen, sind Baby-Beschneidungen in der Realität selten. Den Löwenanteil machen nämlich die muslimischen Länder aus, und da wird das i. d. R. im Kindesalter (aber vor der Einwilligungsfähigkeit) praktiziert.

      Auch für Deutschland ist diese Angabe wertlos. Hier verliert ungefähr jeder zehnte Junge seine Vorhaut, weil seine - im Kindesalter physiologische - Phimose pathologisiert und sehr häufig durch Amputation behandelt wird. Das passiert letzten Endes dermaßen oft, weil z. B. "Aufklärungs"-Bücher, wie das vorliegende, den wahren Sachverhalt vernebeln und die Vorhaut, die mit Abstand die meisten Nervenenden und Tastkörperchen am männlichen Genital enthält, als bedeutungslos darstellen.

      Leider nicht zu empfehlen. :-((
    • Was mir noch auffiel:

      Auf Seite 22 sind unter dem Titel: "Jeder ist anders" neun männliche Unterkörper abgebildet. Davon sind allerdings fünf beschnitten. Das sind 56 %. Soll das die Beschneidungsrate in Großbr(exi)tannien darstellen? Nein? Dann vielleicht die in Deutschland? Auch nicht? Was soll das also?