Zirkumzision als "Anfängeroperation"

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    • Zirkumzision als "Anfängeroperation"

      Wenn man doch immer wieder hört, dass die Zirkumzision im Kindesalter eine "Anfängeroperation" nimmt es mich als medizinischem Laien Wunder, dass es dafür ein "Komplikationsmanagement" braucht.

      Trotz kurzer OP-Zeiten sei eine "akribische Lagerung (z. B. Falten in Tüchern) und die Benutzung von Gelunterlagen empfehlenswert, um Drucknekrosen zu vermeiden", empfehlenswert.

      "Bei Säuglingen und bei Kleinkindern ist v. a. der schnelle Wärmeverlust zu beachten. Bereits eine milde Hypothermie (Kerntemperatur <36,5°C) kann zu vermehrten peri- und postoperativen Komplikationen, wie z. B. erhöhtes Blutungsrisiko, verminderter Medikamentenmetabolismus, kardiale Ereignisse und Wundheilungsstörungen führen."

      Penis- und Kaudalblock seien angezeigt, "u. a. zu einer schnelleren Erholung, verringert die Darmatonie, die postoperative Übelkeit und vermindert die Morbidität um 30% im Vergleich zur alleinigen Allgemeinnarkose."

      Doch schon vor der OP ist vieles zu beachten:"Kontraindikation für eine Zirkumzision sind Hypo- und Epispadien, der sog. „buried penis“ und sexuelle Differenzierungsstörungen. In diesen Fällen muss das Präputium für die plastische Rekonstruktion erhalten werden. Bei der klinischen Untersuchung muss auf Fehlbildungen des Genitales, z. B. untypischer Verlauf der Raphe, Penisdeviation, Auffälligkeiten des Präputiums, geachtet werden. Ursächlich für eine falsche Indikationsstellung ist häufig die fehlende Erfahrung des Untersuchers."

      Komplikationen bei der OP können sein: "Nachblutungen" durch "unzureichende Koagulation", deshalb "sollte für die Blutstillung keine monopolare sondern ausschließlich eine bipolare Koagulation erfolgen, da neben Verbrennungen sogar der Verlust des Penis beschrieben wurde."

      Weiter Komplikationen können Meatis und Meatusteniose sein":Häufig ist nach der Beschneidung eine Meatitis mit lokalem Erythem zu beobachten, welches sich zur Umgebung hin scharf begrenzt abhebt. einer Untersuchung von knapp 9000 Neugeborenenzirkumzisionen betrug die Rate an Spätkomplikationen 4,7%, davon hatten 26% eine klinisch relevante Meatusstenose."

      Am häufigsten sind "mit 40% eine revisionsbedürftige inkomplette Zirkumzision mit überschüssiger Vorhaut und einem ästhetisch unschönen Ergebnis. Wird bei der Beschneidung zu viel Präputial-/Penisschafthaut resezesiert, kann u. U. eine Hauttransplantation notwendig werden. Postoperativ auf- tretende penile Hautbrücken und Präputialverklebungen können v. a. bei adipösen Patienten bis hin zum Erscheinungsbild eines „buried penis“ führen. Selten sind epidermale Inklusionszysten zu sehen, die u. a. durch eine Fremdkörperreaktion gegenüber Nahtmaterial, Smega- oder nicht resezierten Hautresten entstehen können."

      Aber damit noch nicht fertig:"Eine urethrokutane Fistelbildung ist eine sehr seltene Komplikation nach einer Beschneidung. Sie kann durch die Anwendung der monopolaren Diathermie, lokale Wundinfekte, nicht bemerkte urethrale Fehlbildungen oder durch eine zu tief gestochene Frenulumnaht, die die ventrale Harnröhrenwand miterfasst, verursacht werden."

      Aber auch bei bestimmten Methoden lauern Gefahren:"Das alternativ zur sog. Freihandzirkumzision verwendete Plastibell®-Verfahren wird zumeist im niedergelassenen Bereich durchgeführt. Die häufigste Komplikation stellt mit bis 20% das zu späte bzw. fehlende Abfallen des am Jungen verbleibenden Plastikrings. Sollte dies Ausbleiben muss der Plastikring operativ entfernt und ggf. Gewebenekrosen abgetragen werden. Eine signifikante Zunahme dieses Problem zeigt sich bei Kindern nach dem 1. Lebensjahr."

      springermedizin.de/zirkumzisio…orchidopexie/5064572.html


      Ist doch ein schönes Übungsfeld für das Komplikationsmanagement für Anfänger.
      "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.
    • Danke für diesen Beitrag.
      Ich möchte auch nur einen einzigen rituellen Beschneider sehen, der das ALLES berücksichtigt und vor allem bei den genannten Kontraindikationen auch nur eine einzige rituelle Beschneidung abgelehnt hat.
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    • werner wrote:

      Ist doch ein schönes Übungsfeld für das Komplikationsmanagement für Anfänger.


      EBEN! Womit sollen die chirurgischen Anfänger denn sonst einsteigen? Gleich Löcher in Herzen flicken?
      Das ist doch enorm praktisch, dass so viele Eltern bedenkenlos bereit sind "Übungsmaterial" zur Verfügung zu stellen! Ja, oft genug sogar noch Geld drauflegen!

      Bin ja auch mal Opfer einer sinnlosen "typischen Anlern-OP" geworden, der Appendix. Wenigstens denn anderen "Wurmfortsatz" :P hat man in Ruhe gelassen. Man nimmt halt immer das, was in der Zeit so "angesagt" ist.
      Schafft endlich die Todesstrafe für die Jungenvorhaut ab!
      Sie ist genauso unschuldig wie die Genitalien von Mädchen.
    • Weguer wrote:

      Ich möchte auch nur einen einzigen rituellen Beschneider sehen, der das ALLES berücksichtigt und vor allem bei den genannten Kontraindikationen auch nur eine einzige rituelle Beschneidung abgelehnt hat.
      Du hast vergessen das beherrschen von Komplikationsverläufen zu erwähnen.
      • Die Vorhaut kann mit einer Rosenknospe verglichen werden. Wie eine Rosenknospe wird sie erst blühen, wenn die Zeit gekommen ist. Niemand öffnet eine Rosenknospe, um sie zum Blühen zu bringen (Dr. med. H. L. Tan).
      • Alle Wahrheit verläuft in drei Stadien: Im ersten wird sie verlacht. Im zweiten wird sie vehement bekämpft. Im dritten wird sie als selbstverständlich anerkannt (Arthur Schopenhauer).
      • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
    • Guy wrote:

      Du hast vergessen das beherrschen von Komplikationsverläufen zu erwähnen.
      Oder das Wissen und die Aufklärung über ALLE Folgen.
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