Familie ist ein Fest -Beschneidungsverharmlosung und Medizinische Fehlinformation über Phimose als seichte Familienunterhaltung.

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Familie ist ein Fest -Beschneidungsverharmlosung und Medizinische Fehlinformation über Phimose als seichte Familienunterhaltung.

      Der Culture-Clash-Film "Familie ist ein Fest" war hier schon mal Thema im Forum. Ich habe mir den Film angesehen, weil ich wissen, wie dieser Konflikt gelöst wird. Ich bin noch ganz aufgeregt, während ich das hier schreibe. Es ist schlimmer als ich es mir hätte ausmalen könnte. Dieser Film stellt erwartungsgemäß nicht nur das ernste Thema der religiösen Beschneidung nicht-einwilligungsfähiger Kinder verharmlosend dar, nein, er verbreitet auch noch reinste Fehlinformationen zur Phimose und medizinischen Beschneidungen entgegen der Leitlinie und der medizinischen Fachliteratur.

      Denn als eine Art "Plotwist" muss der Sohn dann noch im Babyalter wegen medizinischen Gründen beschnitten werden. Und was der Film den Zuschauer als Begründung für diese medizinische Beschneidung präsentiert, ist einfach nur Unsinn:

      Das Baby hat eine entwicklungsbedingte, physiologische "Phimose", die dann einen Harnwegsinfekt verursacht haben soll.

      Die entscheidende Szene ist relativ kurz (sie dauert nur 30 Sekunden) - Sie enthält aber eine Vielzahl von expliziten und impliziten medizinischen Fehlinformationen, dass es sehr viel Text braucht, um sie zu erklären und zu benötigen:


      ardmediathek.de/video/filme-im…LWFjNDktNTJiYzE3MjEwMTY4/

      Familie ist ein Fest (min 58) - Kinderärzteszene (Transription) wrote:

      Kinderärztin: Ich fürchte da hat sich eine Phimose entzündet.


      Viola (Mutter): Aber der Kinderarzt meinte, bei der U 2, dass sich das auch von alleine wieder.


      Kinderärztin: In den meisten Fällen gibt sich das auch von alleine. Aber wenn man Pech hat, kann sich daraus ein Harnwegsinfekt entwickeln.


      Viola (Mutter): Und wie geht's denn jetzt weiter?


      Kinderärztin: Jetzt schauen wir erstmal, dass wir das Fieber runterkriegen, und dann müssten wir ihn:


      Freundin (lachend). Beschneiden.


      Kinderärztin: Beschneiden lassen.

      Zunächst wird fälschlicherweise suggeriert, dass eine entwicklungsbedingte Phimose ein krankhafter, abnormaler Zustand sei.

      Dabei ist eine Phimose im Sinne einer – nicht-narbigen – nicht-zurückziehbare Vorhaut bekannterweise vollständig normaler, natürlicher Entwicklungszustand: Die Vorhaut ist bei der Geburt mit der darunter liegenden Eichel fest verklebt und darüber hinaus verengt. So ist die Eichel vor schädlichen Umwelteinflüssen geschützt. Sie ist im Alter des Film-Jungen (Säuglingsalter) auch noch der absolute Regelfall und besteht bei praktisch allen Jungen diesen Alters.

      Zwar könnte es sich bei der genannten Phimose rein theoretisch auch um eine durch Vernarbungen ausgelöste sekundäre Phimose handeln, die dann natürlich nicht mehr normal wäre. Die Formulierung "das sich das auch von alleine wieder gibt" legt allerdings nahe, dass es sich wohl um eine physiologische Phimose handeln muss. Gleichzeitig implizieren die Wortwahl "gibt sich von allein" und die Erwähnung des Kinderarztes, dass es sich dabei irgendwie um eine Krankheit handelt. Eine Krankheit, die vielleicht von allein wieder verschwindet, aber halt immer noch um einen abnormalen Zustand.

      Nicht nur wird die physiologische Phimose als vermeintliche Abnormalität charakterisiert, es wird auch unsinnigerweise noch behauptet, dass sie Harnwegsinfekte verursachen könne.

      Zwar können Harnwegsinfekte auch bei Kindern mit physiologischer Phimose auftreten. Aber eine physiologische Phimose verursacht deshalb noch lange keine Harnwegsinfekte.

      In den wenigen Sekunden beschreibt der Film damit eine Krankheitsgeschichte, die sämtliche Klischees zur Phimose und Fehlvorstellungen über die normale männliche Anatomie beschwört (wenn er sie auch nicht offen benennt): Eine Zurückziehbarkeit der Vorhaut sei selbst im Säuglingsalter die Norm und überdies für die optimale Genitalhygiene notwendig; eine verengte bzw. nicht-zurückziehbare verengte Vorhaut ist ganz generell ein abnormaler Zustand, der sich (vielleicht) von selbst wieder "heilt", aber die Hygiene einschränkt und so Infektionen hervorrufen kann.

      Zu guter letzt wird entgegen den aktuellen Leitlinien eine einmalige Harnwegsinfektion als Indikation zur Beschneidung beschrieben.

      Zwar wird in der Phimose-Leitlinie tatsächlich eine Beschneidung im Verbund mit Harnwegsinfekten empfohlen. Allerdings nur bei rezividierenden (wiederkehrenden) Harnwegsinfekten und bei bestimmten Fehlbildungen des Harntrakten.

      Leitlinie, Kapitel 6. 1 wrote:

      Empfehlung 8:
      Bei Jungen, die rezidivierende Harnwegsinfekte und eine höhergradige angeborene
      Anomalie des harnableitenden Systems aufweisen, kann die Zirkumzision als
      prophylaktische Maßnahme sinnvoll sein. (starker Konsens)

      The post was edited 1 time, last by Sokrates ().

      Post by Sokrates ().

      This post was deleted by Weguer: auf Wunsch des Thread Erstellers gelöscht ().

      Post by Sokrates ().

      This post was deleted by Weguer: auf Wunsch des Thread Erstellers gelöscht ().