Beschneidung - Nur ein Stück Haut?

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    • Beschneidung - Nur ein Stück Haut?




      Aus der Beschreibung:
      Beschneidung am Penis - ihr habt euch eine Reportage zu diesem Thema gewünscht. Die WHO schätzt, dass weltweit 30 Prozent aller Menschen mit einem Penis beschnitten sind. In den allermeisten Fällen passiert das schon im Kindesalter, aus religiösen, kulturellen oder medizinischen Gründen. Über die möglichen Folgen wird aber kaum gesprochen. Ist die Vorhaut wirklich nur ein Stück Haut, auf das man gut verzichten kann?
      Musik:
      SOHN - Lessons (Instrumental)
      YokoO - Cingulomania
      Parallels, Abundance - Blooming Flowers (Extended Version)
      Cubicolor - Airbeat
      Aleksandir - Hear Me Through
      Baril - Vocales
      TENDER - Afternoon
      In Hattingen trifft Philip den 28-jährigen Levin. Er wurde als Kind beschnitten, ohne religiöse, kulturelle oder medizinische Gründe. Über die Entscheidung, die seine Eltern damals für ihn getroffen haben, ist er bis heute unglücklich. Mit einem sogenannten Restorer versucht er deswegen, seine Vorhaut wiederherzustellen.
      ‍ Mit dem Kinderchirurg und Chefarzt Prof. Dr. Stehr aus Nürnberg, einem der Experten beim Thema Beschneidung, spricht Philip darüber, ob diese Maßnahme erfolgversprechend ist, wann eine solche Operation aus medizinischer Sicht sinnvoll ist und welche Risiken es gibt. Bei ca. 1,5 Prozent aller Menschen mit Penis gibt es einen medizinischen Grund für eine Beschneidung, sagt Prof. Stehr. Etwa eine Vorhautverengung, die sogenannte Phimose. In Deutschland sind allerdings deutlich mehr Menschen beschnitten (etwa 10 Prozent).
      ✡ Hanna (Name geändert) ist Teil der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Ihr Sohn wurde am 8. Tag seiner Geburt beschnitten. Sie erzählt Philip, warum die Beschneidung für jüdische Menschen wichtig ist und warum sie sich trotzdem Sorgen macht, ihrem Kind möglicherweise geschadet zu haben. Zu möglichen Folgen von Beschneidungen forscht Prof. Dr. Matthias Franz. Er ist starker Kritiker von Beschneidungen ohne medizinischen Grund und sagt: Vor allem die Beschneidung von Neugeborenen könne körperliche und psychische Probleme verursachen.
      ▶ Fakt ist aber auch: Vielen Menschen, die als Kind am Penis beschnitten wurden, geht es gut damit. Für die letzte Station seiner Recherche fährt Philip nach Düsseldorf zu Marcel Aburakia. Er ist Journalist und Podcaster bei der „Kanackischen Welle“. Marcel ist froh beschnitten zu sein. Für ihn ist die Beschneidung auch Teil seiner arabischen, muslimisch geprägten Kultur. Marcel erklärt Philip, warum das so ist.
      Rechtliche Situation:
      Seit 2012 ist die Beschneidung von Kindern am Penis auch ohne medizinischen Grund erlaubt, wenn die Eltern zustimmen. Wichtig: Die Beschneidung muss von Ärzt:innen durchgeführt werden. Bei unter sechs Monate alten Kindern können dies auch Nicht-Mediziner:innen machen, also etwa eine von einer Religionsgemeinschaft ausgewählte Person - auch ohne Narkose. Geregelt ist dies im §1631d BGB.
      Kritiker:innen sehen diesen Paragraphen allerdings in Konflikt mit dem im Grundgesetz verankerten Recht auf körperliche Unversehrtheit und auch dem ärztlichen Berufsrecht, wenn es für die Beschneidung keine medizinischen Indikation gibt.
      Mehr medizinische Infos gibt’s hier:
      Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie
      https://www.awmf.org/leitlinien/detai...
      Beschneidungsforum
      https://www.beschneidungsforum.de
      MOGiS e.V.
      Hier organisieren sich Menschen, die unter ihrer Beschneidung leiden.
      https://mogis.info/
      Podcast „Kanackische Welle“
      (Folge: Beschneidung und Penis-Gesundheit)
      https://open.spotify.com/episode/73Pd...
      Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
      Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
      Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
      tredition.de/autoren/clemens-b…-schnitt-paperback-44889/
    • Bin angenehm überrascht.

      Maximilian Stehr ( 9:29): "Die Vorhaut ist viel sensibler als die Eiche selbst"

      Es ist alles sensibel, nach meiner unmaßgeblichen Empfindung in dieser Reihenfolge: Frenulum, innere Vorhaut, Eichelkranzfurche, gefurchtes Band, Eichel, äußere Vorhaut. Es ist alles irgendwie auf andere Art sensibel. Es gehört alles dazu.


      Die orthodoxe Mutter: Ging sehr sehr schnell, so wie ich das gehört hab' Ich hätte dabei sein können, wollte es aber lieber nicht
      Für die Mutter war die bloße Anwesenheit schon zu viel, aber der Junge konnte nicht sagen "will es aber lieber nicht".
      Informationen aus zweiter Hand. Ging die Periah auch schnell? Keine Aussage zur Betäubung, wäre es zu peinlich gewesen danach auch nur zu fragen?


      Die Mutter wrote:

      Dass er jetzt vielleicht schreckhafter ist oder doch schmerzempfindlicher, aber das kann man leider nicht wissen.

      Philip Wortmann wrote:

      Warum ist es dir wichtig über dieses Thema zu reden?

      Die Mutter wrote:

      Ich will einfach, dass wir gegenseitig für einander Verständnis aufbringen können.
      Aha, damit dieses Genöle über die Jungenverstümmelung endlich aufhört.
      Warum nicht mal Verständnis für den intrinsischen Wunsch aller Lebewesen (und somit auch von Babys), ganz, heil, intakt und ohne Schmerzen zu bleiben?
      Verständnis für Kinderrechte, Verständnis für das Recht auf körperliche Unversehrtheit, für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung?

      Also es fällt leicht zu urteilen, wenn man nicht genau weiß, was passiert
      Das ist jetzt wirklich der Hammer, denn:

      Ich hätte dabei sein können, wollte es aber lieber nicht


      Dass er jetzt vielleicht schreckhafter ist oder doch schmerzempfindlicher, aber das kann man leider nicht wissen.
      Ja, wenn man nicht genau weiß.....

      Und es fällt leicht, die Vorhaut zum Tode zu verurteilen - wenn man sie gar nicht kennt, und den Spaß, den man mit ihr haben kann.

      Marcel Aburakia wrote:

      Am Ende des Tages, wenn ich happy bin keine Vorhaut zu haben
      Bumm! Dieser Satz ist so bizarr, das muss sich erst mal bei mir setzen. :rolleyes:

      Wie in aller Welt kommt man darauf, so etwas zu sagen?
      Sitzt der da jeden Abend und denkt: "Juchhu, ich habe keine Vorhaut!"?

      Meint der, eine Vorhaut bereitet Qualen und Pein? Im Gegenteil, sie kann Wonnen bereiten!

      Ich habe noch nie am Ende des Tages über meine Vorhaut nachgedacht. Warum sollte ich? Und wenn ich traurig wäre. dass ich eine hätte könnte ich sie mir jeden Tag abschneiden lassen. Aber warum sollte ich so etwas absurdes tun?

      Ich bin am Ende des Tages auch nicht happy, dass ich Ohrläppchen habe, oder eine Nasenspitze. Das ist für mich einfach selbstverständlich. Weil es alles ganz natürliche Körperteile sind.


      Marcel Aburakia wrote:

      Und wenn man die Vorhaut nie hatte, wird man eher das Verlangen nach einer Vorhaut nicht spüren. Ich z.B. habe es nie gespürt.
      Ach - wenn man eine Vorhaut mal hatte und sie aus irgend einem Grund abgeschnitten wird - dann kann man ein Verlangen danach haben? Dann ist die Vorhaut wohl doch was schönes? Und Aburakia ist jetzt jeden Abend happy, dass er dieses Schöne nie gekannt hat... :FP01


      Ich hoffe natürlich, dass meine Söhne dann eine ähnliche Erfahrung haben werden, und wenn es nicht so ist, dann kann man auch darüber reden
      Ja - "schön, dass wir mal drüber gesprochen haben!" Und dann wächst die Vorhaut wieder nach? Warum überlässt er nicht seinen Söhnen die lebenslang nachwirkende Entscheidung über deren Körper?

      Hat er Angst, dass er dann eines Tage neidisch auf seine Söhne sein könnte?

      Philip Wortmann wrote:

      Es gibt aber auch viele Menschen, für die die Beschneidung einfach dazu gehört, weil sie z.B. Teild er Religion ist...
      "Menschen" ist der falsche Ausdruck. Auch Kinder sind Menschen, nicht nur Erwachsene.

      Babys und Kinder verlangen von sich aus nicht nach einer Beschneidung. Es kommt auch selten vor, dass Kinder an sich herumschneiden, und wenn, dann ist es Zeichen einer schweren psychischen Störung.


      Philip Wortmann wrote:

      ..ein Thema, über das wir kaum sprechen..

      Richtig, und deshalb vielen Dank und Respekt, Philip Wortmann! :thumbup:
      Einen solchen Beitrag hatte ich den öffentlich-rechtlichen kaum noch zugetraut (nach all den negativen Erfahrungen)
      §1631d, die offene Wunde im Fleisch des Rechtsstaates

      Post by romati ().

      This post was deleted by Weguer: Doppelt ().
    • Also, ich analysiere die Szene so:
      Der junge Mann antwortet: „Ich werde meinen Sohn auf jeden Fall beschneiden lassen“.
      Zusammen mit dem verlegenen Lachen versucht er jeglichen Zweifel an der Richtigkeit seiner Beschneidung abzuwehren.
      Es kann doch nicht sein, dass mein Sohn intakt ist und ich verstümmelt (zugespitzte Formulierung) bin. Der Gedanke
      wäre schmerzlich, nicht auszuhalten, muss also verdrängt werden. Das erreicht er, indem er uns zeigt, er macht es bei
      seinem Sohn, also ist er selbst doch damit zufrieden, sonst würde er es ja nicht machen. Alle diese seelischen Vorgänge laufen unbewusst ab.
      (Ich bitte um Nachsicht, ich bin nur ein Hobbypsychologe, man kann mich gerne korrigieren, falls ich die
      Situation falsch analysiert habe.)
    • Ich würde das mit dem Lachen nicht überstrapazieren. Kann sein, dass er das einfach nur völlig lächerlich findet, dass man die GM in Frage stellt.
      Daran sieht man, wie groß die Kluft ist. Die Kluft in den Denkwelten. Und diese Kluft ist ja gewollt - zu trennen in "wir hier" und "die da" ist Sinn der Sache.
      Das ist nicht gemeint im Sinne von "alle Menschen werden Brüder".

      Das ist so mit allen Körpermarkierungen und Verstümmelungen von Kindern. Ob man ihnen nun Pflöcke durchs Kinn rammt oder Holzteller in die Lippen pflanzt oder die Labien abschneidet...

      Es ist ein Abstecken des Claims: "Du gehörst zu uns! Du gehörst für immer zu uns! Du darfst nicht abtrünnig werden! Damit du niemals vergisst wo du hingehörst!"
      §1631d, die offene Wunde im Fleisch des Rechtsstaates
    • Selbstbestimmung wrote:

      Bin angenehm überrascht.
      Dito. Ich wollte mir den Beitrag erst nicht ansehen, weil ich dachte, ich würde mich danach nur wieder unnötig aufregen. Als ich gesehen habe, dass Prof. Stehr darin auch zu Wort kommt, habe ich es doch getan. Ich konnte nicht die ansonsten von öffentlich-rechtlichen Medien häufige Schönfärberei der MGM in dieser Reportage finden. Ich hoffe, dass die ganze Debatte durch den Beitrag mal wieder etwas frischen Wind in die Segel bekommt. Wie Herr Wortmann völlig richtigerweise zu Anfang bemerkt hat, wird das Thema seit 2012 von der breiten Öffentlichkeit tot geschwiegen. Zu den Inhalten ist alles Wesentliche bereits gesagt worden.

      Etwas verwundert haben mich die Zahlen von Prof. Stehr. Er schätzt ein, dass der Eingriff bei ca 1,5% aller männlichen Menschen medizinisch indiziert sei. Modernere Schätzungen gehen allerdings von etwa 0,4-0,7% aus. Ich würde sogar behaupten, dass selbst diese Zahlen noch deutlich zu hoch sind, da man auch mit einer Phimose gut leben kann und eine kranke Vorhaut immer noch besser ist als gar keine Vorhaut. Davon abgesehen verstehe ich nicht, wie er zu der Aussage kommt, dass bei nur etwa 5% aller Beschneidungen Komplikationen auftreten. Die Komplikationsrate bei einer Beschneidung liegt immer exakt bei 100%, da es bei der (Teil)-Amputation der Vorhaut immer zum Verlust von erogenen Gewebe kommt.

      Zu dem netten Herrn von der "kanakischen Welle" passt folgende Fabel ganz gut: Library of Congress Aesop Fables (read.gov)
      Circumcision is sexual lobotomy
    • Die Fabel mit den Füchsen kannte ich noch nicht, köstlich. Der Meisterfuchs hätte es halt anders aufziehen müssen. Irgend was mit einem Bund mit einem höheren Wesen, für den die Füchse fürstlich belohnt würden. Vor allem, er hätte sagen sollen - macht das mit euren Babys!
      Denn erwachsene Füchse trennen sich natürlich nicht gerne von ihren Schwänzen.
      Heute würde ein Meisterfuchs vielleicht auch mit einer Krankheit argumentieren, z.B. HIV oder ähnlichem Blech.

      Ich finde dieses sorbische Sprichwort was User Cato als Signatur hat trifft es sehr gut: "Ein gerupfter Spatz verspottet das Gefieder seiner Artgenossen"
      §1631d, die offene Wunde im Fleisch des Rechtsstaates