Beschneidung bei Einjährigem – notwendig? alternativen?

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    • Beschneidung bei Einjährigem – notwendig? alternativen?

      Hallo, ich hoffe hier bei euch Inputs zum obigen Thema zu bekommen. Schauergeschichten gibt's natürlich zur Genüge und die machen, dass ich mir bei dieser Entscheidung bei meinem Sohn so gar nicht mit einer Beschneidung anfreunden kann. Dennoch ist die Sache nun so, dass die Nierenfunktion meines Kleinen durch die wiederkehrenden Harnwegsinfekte, den Harn-Reflux und die Nierenbeckenerweiterung schon eingeschränkt zu sein scheint. Eine weitere Infektion wäre also alles andere als einfach wegzustecken. Medizinische Notwendigkeit scheint hier gegeben zu sein, auch wenn ich der Sache gerade noch mal deutlich auf den Grund gehen will. Daher kommt's mir auf eine sehr differenzierte Entscheidung an. In diesem Fall dürfte die Sache also wirklich nicht so einfach sein, obwohl ich anfangs sagte "auf keinen Fall Beschneidung!". Ich würde also sehr gerne dringend eure Meinung zu diesem Thema hören, besonders (aber nicht nur) wenn ihr Erfahrungen im Zusammenhang mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten bei Kleinkindern (um den ersten Geburtstag herum) habt. Die OP ist leider schon in einer Woche einberaumt.

      Ich interessiere mich natürlich sehr über eure Erfahrungsberichte, ganz besonders aber auch über Nachweise, aber am wichtigsten ist für mich tatsächlich:

      1. Gibt es auch eine "sanfte" Version der Beschneidung, die schon eine signifikante Verringerung einer HWI gewährleistet, ohne das sexuelle Empfinden zu stören? Etwa eine "kleine Beschneidung", oder nur die Ablösung der Vorhaut von der Eichel? Mir ist natürlich bewusst, dass es über 100 Beschneidungen bei den kleinen braucht, um einen HWI zu verhindern, bei Erwachsenen sogar 400. Aber dennoch...
      2. Reicht nicht auch eine nicht-operative Maßnahme: Etwa regelmäßiges Waschen und Desinfizieren?
      Vielen Dank schon im Vorhinein, ich freue mich auf eine anregende Diskussion (und ehrlich gesagt auf Erleichterung für die Entscheidung, die ich leider als sehr belastend empfinde)!
    • Hallo moltobene


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      Klasse das Du Dich hier meldest



      moltobene schrieb:

      Gibt es auch eine "sanfte" Version der Beschneidung, die schon eine signifikante Verringerung einer HWI gewährleistet, ohne das sexuelle Empfinden zu stören? Etwa eine "kleine Beschneidung", oder nur die Ablösung der Vorhaut von der Eichel? Mir ist natürlich bewusst, dass es über 100 Beschneidungen bei den kleinen braucht, um einen HWI zu verhindern, bei Erwachsenen sogar 400. Aber dennoch...
      Es gibt Vorhaut erhaltende Beschneidungsstile. Allerdings sind wir keine Ärzte und ich würde dringend raten, zu einem Vorhautfreundlichen Arzt zu gehen. Es gibt einpaar sehr gute Kinderärzte, z. B. Dr. Stehr aus Nürnberg. Hast Du schon versucht mit Salbentherapie die Vorhaut zu lösen?


      moltobene schrieb:

      Reicht nicht auch eine nicht-operative Maßnahme: Etwa regelmäßiges Waschen und Desinfizieren?
      Wie oben schon erwähnt, kann man vorab versuchen mit Salben das lösen der Vorhaut zu beschleunigen. Das wichtigste beim waschen ist, das Du keine Seife nimmst. es reicht ein reinigen mit Wasser. Mit Desinfektion machst Du die Hautflora kaputt. Bepanthensalbe kannst Du aber immer nehmen, nach jedem Wickeln, das habe ich auch immer gemacht bis die Kids trocken waren. Nicht die Vorhaut zurückziehen, weißt Du bestimmt, machen aber viele und dadurch kann es zu Verletzungen und Entzündungen kommen.
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      George Santayana (1863-1952)
    • Ach ja was ich total vergessen habe: Der OP-Termin nächste/übernächste Woche, da geht's drum den Harnleiter zu richten, damit die HWI nicht mehr auftreten. Dabei wurde vorgeschlagen, auch gleich eine Beschneidung mitzumachen. Sorry, das hat vielleicht zu etwas Verwirrung geführt. Die Harnleiter-OP soll also die URSACHE beheben. Die Beschneidung wäre nur eine weitere Risikominderung (sehr wahrscheinlich macht's m.E. Sinn, zuerst zu warten, ob die HWIs verschwinden, und DANACH erst über Beschneidung erst nachzudenken).

      Bela2012 schrieb:


      Willkommen hier im Forum (welcome)
      Danke, willkommen fühl ich mich :)

      Bela2012 schrieb:


      zu einem Vorhautfreundlichen Arzt zu gehen.

      Daran hab ich noch gar nicht gedacht, danke dir! Allerdings sind wir in Österreich, aber ich glaube, das wird wohl schon nicht so schwer rauszufinden sein, wer "Vorhautfreundlich" ist und wer nicht ^^

      Bela2012 schrieb:


      Salben das lösen der Vorhaut zu beschleunigen ...
      Danke für die Pflegetipps, werde ich auf jeden Fall berücksichtigen. Hauptsächlich geht's mir aber darum, ob mit solchen Maßnahmen eine Beschneidung überflüssig gemacht werden kann, oder zumindest das Auftreten einer HWI verhindert/vermindert und ob es latztendlich reicht, um eine Beschneidung überflüssig zu machen.
    • Was in diesem Fall die Beschneidung soll, verstehe ich nicht. Es muss der Grund für den Reflux beseitigt werden und das schnellstmöglich. Mit einer Beschneidung beseitigt man definitiv keinen Reflux. Bei einem Reflux gibt es einen Rückstau in die Niere. Das ist für die Niere sehr sehr schlecht, im ungünstigsten Fall verliert der Sohn eine Niere. Der Grund für einen Reflux ist eine Einengung bzw. Knick in dem Harnleiter

      Hier sollte man sich dringend mal mit einem anderen Urologen in Verbindung setzen. Solange es des Reflux gibt, wird es auch Entzündungen in dem Harnleiter geben. Da ändert auch eine Beschneidung nichts. Die Niere wird durch die Beschneidung auch nicht gerettet. Ein Verwandter von mir hätte als Kind beinahe beide Nieren verloren, wegen einem Reflux. Ist der Reflux beseitigt sind auch die Harnwegsinfekte beseitigt.

    • moltobene schrieb:

      Ach ja was ich total vergessen habe: Der OP-Termin nächste/übernächste Woche, da geht's drum den Harnleiter zu richten, damit die HWI nicht mehr auftreten. Dabei wurde vorgeschlagen, auch gleich eine Beschneidung mitzumachen.
      Das würde ich absolut und schriftlich fixiert ablehnen. Dafür ist die Vorhaut zu wichtig.

      Zum Thema Vorhaut freundlichen Arzt

      Ruf doch in der Klinik von Dr. Stehr an und lass dich von ihm beraten, wen er in Österreich empfehlen kann
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    • Kurze Frage: woher in Österreich kommst Du denn? Wir kennen durchaus ein paar fähige Österreichische Ärzte
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    • Hallo moltobene,

      ich habe irgendwie den Eindruck, dass hier nur mehr Punkte zwecks Abrechnung bei der Krankenversicherung generiert werden sollen.

      Bitte lass deinem Sohn das nicht antun.
      Ich persönlich hätte bei solchen Ärzten auch Bedenken, überhaupt eine Operation (die ja hier notwendig zu sein scheint, im Gegensatz zur Vorhautamputation) durchführen zu lassen. Ich hoffe, du findest einen kompetenten, dem es nicht primär um Honorarmaximierung geht.
    • Bela2012 schrieb:

      Das würde ich absolut und schriftlich fixiert ablehnen. Dafür ist die Vorhaut zu wichtig.
      Richtig, auch in Österreich muss man für die OP eine Einverständniserklärung abgeben. Darauf würde ich handschriftlich vermerken, dass einer Beschneidung ausdrücklich nicht zugestimmt wird.

      Zipfelmuetze schrieb:

      Ich persönlich hätte bei solchen Ärzten auch Bedenken, überhaupt eine Operation (die ja hier notwendig zu sein scheint, im Gegensatz zur Vorhautamputation) durchführen zu lassen. Ich hoffe, du findest einen kompetenten, dem es nicht primär um Honorarmaximierung geht.
      Da hätte ich persönlich auch ernsthafte Bedenken. Die Operation am Harnleiter muss allerdings sein, je schneller umso besser. Trotzdem würde ich mich nach einem anderen Arzt/Krankenhaus umsehen.
    • moltobene schrieb:

      Dabei wurde vorgeschlagen, auch gleich eine Beschneidung mitzumachen.
      Es kann sein, das Dir erzählt wird, das ein Katheter gesetzt werden soll. Bei OPs ist das eigentlich üblich. Es wird von Ärzten und Pflegepersonal oft als Hindernis gesehen, wenn da eine Vorhaut ist, auf die man aufpassen muss, damit die Glans nicht verletzt wird. Allerdings, ein Kind aus Befindlichkeiten von Ärzten und Pflegepersonal zu beschneiden, ist schon übergriffig. Selbst bei Frühchen kann ein Katheter gesetzt werden ohne das eine Beschneidung nötig ist. (Mein Sohn war sehr klein und sehr krank ich weiß also was ich hier schreibe)

      Ich würde versuchen bei einer anderen Klinik einen möglichst schnellen Termin zu bekommen. Bei der Klinik habe ich Bauchschmerzen.
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    • @gin HWI - Harnwegsinfektionen

      @moltobene
      Ich stimme den anderen zu. Lass es in der Patientenaufklärung festlegen das du eine Beschneidung ablehnst.
      Ein Risikofaktor nach einer Beschneidung ist übrigens eine Harnröhrenverengung.
      Wenn die Harnwege ab Blase abwärts Okay sind und nur die Harnleiter betroffen sind sehe ich da keine Besserungsmöglichkeiten. Die Situation könnte sich eher verschlimmern.
    • Weguer schrieb:

      Kurze Frage: woher in Österreich kommst Du denn? Wir kennen durchaus ein paar fähige Österreichische Ärzte
      Das wäre toll! Wir sind in Wien ansässig. Kannst du mir da jemanden empfehlen?

      Zipfelmuetze schrieb:


      ich habe irgendwie den Eindruck, dass hier nur mehr Punkte zwecks Abrechnung bei der Krankenversicherung generiert werden sollen.
      Ich habe hier nicht das Gefühl, dass es unbedingt ums Geld geht. Ich geh viel eher davon aus, dass das ganze aus medizinischer Risikominimierung heraus so beurteilt wird, dass eine Beschneidung Sinn macht. Ich seh das aber so wie bei der Milz, den Mandeln und beim Blinddarm: Da wurde auch lange gemeint, dass die Organe verzichtbar seinen. Totaler Quatsch natürlich. Aber das hat mehr mit Unwissenheit zu tun als mit Geldgier.

      Das Ding ist, dass wir das Krankenhaus deswegen gewählt haben, da dort die Spezialisten für die Harnwegs-OP sitzen. Das hat natürlich Priorität. Aber man muss die ja nicht alles tun lassen. Dass keine Beschneidung gewünscht ist, muss das wirklich EXTRA vermerkt werden? Die dürfen doch immerhin keine OP machen zu der ich nicht ausdrücklich die Einwilligung erteilt habe?!

      seppel schrieb:

      Was in diesem Fall die Beschneidung soll, verstehe ich nicht. Es muss der Grund für den Reflux beseitigt werden und das schnellstmöglich.
      Ja das ist richtig. Aber die sehen die Beschneidung als zusätzliche Risikominderung. Ich bin natürlich noch nicht überzeugt, daher hier die Frage nach Alternativen, die eine Beschneidung überflüssig machen.
    • moltobene schrieb:

      Das wäre toll! Wir sind in Wien ansässig. Kannst du mir da jemanden empfehlen?
      Hab Dir eine Nachricht geschrieben!
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    • Weguer schrieb:

      Hab Dir eine Nachricht geschrieben!

      gin schrieb:



      Vieleicht Herr Dozent Michael Rauchenwald in Donauspital.
      Danke, ihr beiden, werde der Sache bei dem einen oder anderen Mediziner nochmal auf den Grund gehen und hoffe auf differenzierte Infos, Verweise und Belege. Da ich auch die Nachfrage per Nachricht bekommen habe, werde ich euch auf jeden Fall auf dem laufenden halten! Inzwischen bin ich aber nach wie vor dankbar, falls noch jemand Inputs für mich hat – ich bin für alles dankbar! :)
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    • moltobene schrieb:

      Ja das ist richtig. Aber die sehen die Beschneidung als zusätzliche Risikominderung
      Eine Beschneidung ist da keine Risikominimierung. Dein Sohn trägt Windeln, eine offene Wunde in einer Windel ist ein großes Risiko für Entzündungen, da würde ich mich niemals drauf einlassen.

      awmf.org/leitlinien/detail/ll/006-052.html

      Ließ Dir mal die Leitlinien durch, vielleicht helfen sie Dir.


      moltobene schrieb:

      Die dürfen doch immerhin keine OP machen zu der ich nicht ausdrücklich die Einwilligung erteilt habe?!
      Häufig steht dort, das im Falle von[...], dies und jenes noch durchgeführt wird. Darauf würde ich mich nicht einlassen und ich würde das Krankenhaus unterschreiben lassen, das eine Beschneidung nicht durchgeführt werden darf.

      Ich wünsche euch alles Gute
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      George Santayana (1863-1952)
    • Bela2012 schrieb:

      moltobene schrieb:

      Ja das ist richtig. Aber die sehen die Beschneidung als zusätzliche Risikominderung
      Eine Beschneidung ist da keine Risikominimierung. Dein Sohn trägt Windeln, eine offene Wunde in einer Windel ist ein großes Risiko für Entzündungen, da würde ich mich niemals drauf einlassen.
      awmf.org/leitlinien/detail/ll/006-052.html

      Ließ Dir mal die Leitlinien durch, vielleicht helfen sie Dir.


      moltobene schrieb:

      Die dürfen doch immerhin keine OP machen zu der ich nicht ausdrücklich die Einwilligung erteilt habe?!
      Häufig steht dort, das im Falle von[...], dies und jenes noch durchgeführt wird. Darauf würde ich mich nicht einlassen und ich würde das Krankenhaus unterschreiben lassen, das eine Beschneidung nicht durchgeführt werden darf.
      Ich wünsche euch alles Gute
      Also in unserem Fall liegt ein Harn-Reflux vor, leider in recht hohem Grad. Daher eine Beschneidung würde da auch entsprechend der von dir verlinkten Leitlinie (danke dafür!) teilweise Sinn machen, allerdings braucht es bei diesem Krankheitsbild (Reflux Grad III) vier Beschneidungen zur Verhinderung eines HWI. Ob das die Sache schon rechtfertigt? Nun, die Operation am Harnleiter sollte das Problem ursächlich beheben. Im Zweifelsfall müsste man es sich nach der OP anschauen, wie sich die Sache verhält. Wenn es noch immer nicht passt, könnte eine Beschneidung das Risiko einer Infektion um den besagten Faktor senken.

      Ich werde auf jeden Fall genau drauf schauen, was da geschrieben steht, wo wir unterschreiben und werde vorsichtig sein.

      Danke für deine Hinweise und deine Wünsche! :)
    • "Those who cannot remember the past are condemned to repeat it"

      "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."


      George Santayana (1863-1952)
    • Es gibt statistische Daten aus den USA (Wiswell 1982), die bei der dort verbreiteten kulturell motivierten Neugeborenenbeschneidung rein rechnerisch ein etwas vermindertes Risiko bzgl. UTI ergeben, insbesondere im ersten Lebensjahr. Das wurde, insbesondere von der AAP, die allerdings keinen neutralen Standpunkt hat, international verbreitet, um die längst überholte Praxis weiterhin zu rechtfertigen. Auch manche Ärzte in Europa folgen diesen Empfehlungen, aus welcher Motivation auch immer.

      doctorsapposingcircumcision.or…urinary-tract-infections/

      Daten aus Schweden, wo Neugeborenenbeschneidung fast nicht vorkommt, besagen, dass das UTI-Risiko bei Jungen nach dem ersten Lebensjahr zwischen 0,08 und 0,2 % liegt. Dagegen steht allerdings eine Komplikationsrate (nur ernste Komplikationen, ohne Spätfolgen!) von ca. 6 % (neuere Daten aus Utah suggerieren sogar eine deutlich höhere Komplikationsrate). Jeder Mensch, der auch nur ein Bisschen rechnen kann, sollte den groben Unfug darin erkennen.

      Es kann natürlich sein, dass es dem betreffenden Arzt nicht primär um Umsatz geht. Vielleicht hat er eine andere Motivation, z. B. er glaubt unreflektiert den von der AAP oder einem australischen Molekularbiologen mit extremer Beschneidungspräferenz verbreiteten einseitigen Daten, oder vielleicht hat er auch eine persönliche Vorliebe, falls er z. B. aus einer "beschneidenden" Kultur stammt. Erwiesenermaßen ist allerdings die Praxis des "maximalen Punktens" bei KV-Abrechnungen gang und gäbe (z. B. wird extrem häufig eine Präputialplastik - die die wenigsten Ärzte überhaupt beherrschen - abgerechnet, wenn tatsächlich die Vorhaut komplett amputiert wird. Man weiß ja, dass das so gut wie nie nachgeprüft wird.
    • moltobene schrieb:

      ch werde auf jeden Fall genau drauf schauen, was da geschrieben steht, wo wir unterschreiben und werde vorsichtig sein.
      Da musst du schauen, wie die Einverständniserklärung aufgebaut ist. Meist beinhaltet diese eine Klausel, die den Ärzten das Recht gibt, neben der ursprünglichen Oparation, auch weitere Maßnahmen einzuleiten, wenn diese medizinisch erforderlich erscheinen. In diesem Fall eben eine Beschneidung. Wenn die Beschneidung nicht gewollt ist, musst du das explizit auf der Einverständniserklärung handschriftlich vermerken.
    • Werbung. Alle Werbeeinnahmen werden an MOGiS e.V. gespendet:

    • Ich habe die Einverständniserklärung schon vorliegen, und da steht bei eventuell weiteren notwendigen operativen Eingriffen nichts von Beschneidung. Es schadet aber nicht, es trotzdem zu vermerken. Danke für den Hinweis, @John1984, @seppel und @Bela2012!
      Danke für den Hinweis. Der Link funktioniert jedoch leider nicht. Hast du einen aktuelleren? Auch auf Google hab ich nichts gefunden...

      Zipfelmuetze schrieb:


      Daten aus Schweden, wo Neugeborenenbeschneidung fast nicht vorkommt, besagen, dass das UTI-Risiko bei Jungen nach dem ersten Lebensjahr zwischen 0,08 und 0,2 % liegt.
      Unser Kleiner hat wiederkehrende HWIs (= UTI), daher liegt der Fall ganz anders. Sein Risiko steht also bei 100%. Siehe oben...

      Ich bin grad dabei medizinischen Rat bei kritischen Ärzten einzuholen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was dabei rauskommt. Ich halt euch auf dem Laufenden!
    • doctorsopposingcircumcision.org schrieb:

      Urinary Tract Infections (UTIs)

      Among the few alleged benefits of circumcision that are of actual relevance to children, the most prominent is the claim that it protects against urinary tract infections in the first year of life. The degree of relative risk reduction for circumcised boys is most often reported as 10-fold (over a small absolute incidence), based on retrospective data.[22] However, a large prospective cohort study – a more reliable research design – reported a relative risk reduction in hospitalization for UTI of 3.7-fold.[23] Furthermore, in this study, when all outpatient UTIs were considered, the relative risk reduction dropped to 1.73-fold.[23]
      To put UTIs into perspective, a study from Sweden, where boys are not circumcised, found that, over the first six years of life, the absolute risk of UTIs in boys was low, at 1.8% versus 6.6% in girls, and that UTI infection in boys was rare after the first year of life (0.1-0.2%).[24] Another investigator found a UTI rate of 0.08% in males >1 year old.[25] When UTIs do occur, they respond rapidly to antibiotic therapy.[26-28] UTIs in the first months of life are less likely to involve the kidneys,[29] and UTIs rarely, if ever, result in hypertension or end-stage kidney disease.[30-37]
      Nonetheless, UTIs have been touted as a “compelling” reason for circumcision largely due to the efforts of Thomas Wiswell who, beginning in 1982, searched U.S. Army hospital databases to compare UTI rates in circumcised and intact infant males.[38, and others] The American Academy of Pediatrics itself critiqued the spate of studies produced by Wiswell and other investigators around the same time, stating,
      • It should be noted that these studies were retrospective in design and may have methodological flaws. For example, they do not include all boys born in any single cohort or those treated as outpatients, so the study population may have been influenced by selection bias.[39]
      In addition, these studies failed to control for potentially confounding factors, such as being born prematurely. Prematurity puts babies at higher risk of infections of all kinds due to their immature immune systems, and such infants are more likely to undergo catheterization for various reasons, in itself increasing the infection risk. However, premature babies are also typically not circumcised because of their fragile medical condition, thus prematurity itself (rather than the presence of a foreskin) could explain the higher rate of UTIs found in intact infants.
      There are no studies on circumcision and UTI that have adjusted for the various possible confounding factors. One statistical analysis modeled the impact of confounders on rates of diagnosis of UTIs, starting from the hypothetical assumption of no actual difference in UTIs between circumcised and intact boys.[40] Documented confounders accounted for in the model included prematurity, method of urine collection (the commonly used bag method produces more false positives in intact boys), differential health-seeking behavior (parents of prematurely born [thus more often intact] babies, and of typically non-circumcised Hispanic boys, have been shown to disproportionately seek medical care for minor medical problems), and differential rates of UTI testing of intact boys (due to clinicians’ assumptions of their increased risk), among others. The model determined that, if there were no real difference in the rate of UTIs, intact boys would be diagnosed with a UTI 4.27 times more often than circumcised boys due to such confounding factors alone. The author concluded that “it is quite possible that the differences noted in the incidence of urinary tract infection between circumcised and non-circumcised boys are entirely due to confounding factors.”[40]
      In particular, no study has ever adjusted for the effect of forcible foreskin retraction, a common injury that was once standard medical ‘care’ based on North American clinicians’ lack of understanding of normal foreskin development.[41,42] Although the American Academy of Pediatrics has recommended against the practice of forced foreskin retraction for decades, it persists both in clinical settings and at home by parents, due to erroneous and aggressive hygiene advice. Traumatic retraction is invariably performed without any antisepsis, putting intact boys at risk of iatrogenic (doctor-caused) UTI, and potentially biasing studies of UTI incidence.
      On the other hand, a number of other studies have failed to find a UTI risk-reduction effect from circumcision.
      For example, eight studies from Israel demonstrated, in fact, the opposite: a positive association between ritual circumcision on the eighth day and immediate post-circumcision UTI.[43-50]
      Mueller et al. conducted in a prospective study of 108 male infants under 6 months of age with UTI.[51] They found that, regardless of circumcision status, infants who presented with their first UTI at 6 months or less were likely to have an underlying GU abnormality (~75%), mostly vesicoureteral reflux (backward flow of urine from the bladder to the kidneys, which can carry pathogens upstream in the urinary tract), and that in the remaining boys with UTI who had normal anatomy, circumcised and intact boys were equally represented. Thus, the presence of anatomical abnormalities, not the foreskin, was found to be the predominant associated risk factor of the UTIs.
      Kwak et al. studied whether circumcision during surgery to correct vesicoureteral reflux made a difference in the incidence of post-operative UTI.[52] Over 12 years of follow-up, the authors found no difference in number of post-operative UTI episodes between boys circumcised during antireflux surgery and those that were not. Again, the presence of the foreskin was not a factor.
      Even if the earlier studies are accurate, it is estimated that between 111 and 195 circumcisions would be needed to prevent one urinary tract infection.[22,23] Since circumcisions cost at least $285 each,[53] it would be necessary to spend between $31,635 and $55,575 to prevent a single infection with no long-term consequences, and that infection can easily be treated with an oral antibiotic that costs less than $20. It has been estimated that only one boy in 6000 will legitimately require a circumcision related to difficulties from UTIs.[54]
      The evidence suggests that circumcision is, at best, of little value in reducing UTI. Risks, complications, and disadvantages of circumcision outweigh any reduction in UTI.[55-57] Breastfeeding has a protective effect against infection in infancy, including UTI,[58-61] an effect that continues even after weaning.[58,59] Instead of circumcision, breastfeeding[62,63] and rooming-in (to colonize the infant with maternal bacteria)[64] are recommended to reduce UTI in infancy.
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    • Kurzes Update: Also eine Beschneidung ist schon eine Möglichkeit, Harnwegsinfekte zu verhindern, aber das bringt ohne medizinische Indikation natürlich nix, weil sie ansonsten sehr selten sind. Bei unserem Fall ist es aber de facto schon so, dass es eine Indikation gibt und die HWIs die Niere schädigen können. Nun ist es aber so, dass sie nur dann geschädigt werden, wenn sie unbehandelt bleiben. Das ist mal das eine.

      Die andere Seite ist: Die HWIs werden in unserem Fall durch eine (natürliche) Phimose wahrscheinlicher, weil sich dort Bakterien sammeln können. Das Problem wäre anders ohne Phimose, da man die Vorhaut da besser reinigen könnte. Eine mögliche Lösung ohne Beschneidung ist laut Arzt, die Phimose zu lösen. Das geht recht einfach mit Kortison- und Östrogen-Salbe, ganz ohne systemische Nebenwirkungen (auch wenn diese Praxis erst im Alter von ab 4-5 Jahren üblich ist). Damit sollte sich die Vorhaut von der Glans lösen und man kann die Vorhaut regelmäßig reinigen.

      Außerdem: Der Arzt meint, es wäre gar kein Problem, die Reflux-OP ohne Beschneidung zu machen und dann zu beobachten, ob die HWIs weg sind. Es ist eben wie gesagt nicht so, dass jeder neuerliche HWI sofort die Niere strukturell gefährdet. Ob eine Beschneidung oder sonst was theoretisch notwendig ist, könnte man dann immer noch entscheiden.

      Die Nierenbeckenerweiterung kann (und wird höchstwahrscheinlich) sich bei Behebung des Reflux komplett zurückbilden, die Niere also wieder komplett normal (was bei Erwachsenen nicht möglich wäre).

      Insgesamt doch recht erfreuliche Nachrichten :)
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    • Eine Salbenbehandlung ist natürlich eine (gering invasive) Möglichkeit. Normalerweise in dem Alter (und m. E. auch mit 4-5 Jahren ohne besonderen Grund) unangemessen, aber in diesem Fall sicher sinnvoll. Ganz im Gegensatz zu einer Beschneidung, die lebenslange, oft gravierende, Folgen hätte. Dagegen wären ein paar HWI's möglicherweise ein Klacks. Abgesehen davon, dass es ja gar nicht unbedingt durch das Vorhandensein der natürlichen Vorhaut zu HWI's kommen muss.
    • moltobene schrieb:

      Eine mögliche Lösung ohne Beschneidung ist laut Arzt, die Phimose zu lösen. Das geht recht einfach mit Kortison- und Östrogen-Salbe, ganz ohne systemische Nebenwirkungen (auch wenn diese Praxis erst im Alter von ab 4-5 Jahren üblich ist). Damit sollte sich die Vorhaut von der Glans lösen und man kann die Vorhaut regelmäßig reinigen.

      Wow! Da will ein Arzt rund 50% der Penishaut amputieren, zig tausend Nervenzellen ins Jenseits befördern, nur weil im der Versuch mit einer Salbe vermutlich mehr Zeit kostet und damit weniger Honorar einbringt als eine Beschneidung.

      Dir ist bekannt, dass nach einer Beschneidung die Glans eine Art Hornhaut bildet, weil sie ja eigentlich als innere Haut ausgebildet ist. In der Folge daraus, verliert Dein Sohn Sensibilität, was seine Sexualität für immer beeinträchtigen wird.

      Natürlich hört sich die Geschichte mit den Nieren auch nicht so toll an. Sofern jedoch ein Arzt selbst die Option einer Salbenbehandlung nicht deshalb kategorisch ausschließt, weil vielleicht ein akuter Verlust beider Nieren im Raum steht, wüsste ich persönlich, wie ich mich für mein Kind entscheiden würde. Dennoch ist mir auch bewusst, dass es für Euch keine leichte Entscheidung sein wird, weil ihr irgendwo zwischen einem Restrisiko hinsichtlich der Nieren und eine teilweisen Verlust im sexuellen Empfinden Eures Sohnes eine Entscheidung treffen müsst.
      Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)
    • Die Salbentherapie ist erfolgversprechend und schadet nicht, mal abgesehen davon, dass Erwachsene am Genital des Jungen hantieren. In dem Alter halte ich das allerdings für relativ harmlos.
      Wenn die Salbentherapie nicht anschlägt UND die HWI mit Gefahr für die Nieren tatsächlich durch die enge Vorhaut begünstigt werden, gibt es immer noch die Möglichkeit, chirurgisch an die Sache heran zu gehen, beispielsweise durch eine Vorhautplastik, also eine Erweiterung. Eine Amputation scheint da noch immer nicht angezeigt.

      Aber so, wie ich moltobene verstehe, ist das im Grunde eh so geplant. Keine Beschneidung, sondern Salbentherapie und die Reflux OP ebenfalls ohne die Vorhaut zu entfernen.
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      Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
      tredition.de/autoren/clemens-b…-schnitt-paperback-44889/
    • Weguer schrieb:

      Aber so, wie ich moltobene verstehe, ist das im Grunde eh so geplant. Keine Beschneidung, sondern Salbentherapie und die Reflux OP ebenfalls ohne die Vorhaut zu entfernen.

      Ich sehe dies genauso und halte dies auch für die vernünftigste Lösung. Dennoch ist dieser Fall völlig anders als die vielen üblichen Zwangsbeschneidungsfälle. Es ist nicht auszuschließen, dass der Verzicht auf eine Beschneidung hier ein Restrisiko bezüglich der Nieren mit sich bringt. Wir sind keine Mediziner und selbst die werden keine sichere Prognose abgeben können, ob eine Salbentherapie zum Ziel führt. Die Eltern stehen also vor der grausamen Wahl, dem Jungen für immer seine Sexualität ein Stück weit zu vergällen oder das Restrisiko in Kauf zu nehmen, dass die Nieren einen irreparablen Schaden nehmen.

      Wie schon geschrieben, wüsste ich, wie ich mich entscheiden würde. Selbst wenn es mit den Nieren Probleme geben würde, sind diese mal krass gesagt "ersetzbar". Eine Vorhaut oder die abgestorbenen Nervenzellen kann man aber in keinem Fall transplantieren.

      Mir geht es darum, dass sich die Eltern bewusst entscheiden. Tun sie dies nicht, werden sie sich später Vorwürfe machen, dass sie den Verlust der Nieren für ein "kleines Stück Haut" in Kauf genommen haben. Dass dies Unsinn ist, wissen wir, aber ohne eine bewusste Entscheidung besteht die Gefahr, dass die Eltern sich hier von entsprechenden Ärzten auch noch Schuldgefühle einreden lassen, obwohl sie dann aus meiner Sicht die einzig richtige Entscheidung getroffen haben.
      Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)
    • moltobene schrieb:

      Außerdem: Der Arzt meint, es wäre gar kein Problem, die Reflux-OP ohne Beschneidung zu machen und dann zu beobachten, ob die HWIs weg sind. Es ist eben wie gesagt nicht so, dass jeder neuerliche HWI sofort die Niere strukturell gefährdet. Ob eine Beschneidung oder sonst was theoretisch notwendig ist, könnte man dann immer noch entscheiden.
      Das ist die Vernünftigste Lösung, abwarten. Eine Beschneidung kann man jederzeit durchführen
      Ist der Reflux entfernt, erholt sich auch die Nieren. Habe im Bekanntenkreis auch Männer die auch einen Reflux als Kind hatten. Hatte sich alles zurückgebildet und die Vorhaut ist bei jedem noch vorhanden. Wichtig ist, dass der Reflux beseitigt wird, damit sich kein Urin mehr in die Niere zurück staut, denn das schädigt die Nieren massiv. Dass ein Harnwegsinfekt zu einem Verlust einer Niere führt, da habt ihr statistisch gesehen wohl eher einen 6er im Lotto. Wenn ein HWI eintritt und dieser entsprechend behandelt wird, passiert da nichts.
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    • seppel schrieb:

      Dass ein Harnwegsinfekt zu einem Verlust einer Niere führt, da habt ihr statistisch gesehen wohl eher einen 6er im Lotto. Wenn ein HWI eintritt und dieser entsprechend behandelt wird, passiert da nichts.

      Im Umkehrschluss würde dies dann aber auch bedeuten, dass die Ärzte, welche ausdrücklich zur Beschneidung geraten haben, fast schon einen Kunstfehler oder laienhaft beinahe eine grob fahrlässige Körperverletzung begehen wollten. Sicher bin ich auch gegenüber Ärzten kritisch, aber laufen tatsächlich solche Vollpfosten mit Approbation rum und wenn ja, warum sorgen die anderen nicht dafür, dass diesen Kurpfuscher dann das Handwerk gelegt wird. Deren Fehler schädigen doch dann den Ruf des gesamten Berufsstands.
      Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)
    • NoCut schrieb:

      Im Umkehrschluss würde dies dann aber auch bedeuten, dass die Ärzte, welche ausdrücklich zur Beschneidung geraten haben, fast schon einen Kunstfehler oder laienhaft beinahe eine grob fahrlässige Körperverletzung begehen wollten.
      Nein, das heißt das nicht. Es gibt Leitlinien, nach denen die Ärzte arbeiten. Eine Leitlinie ist aber eben nur eine Leitlinie, also eine Richtschnur nachdem man handeln sollte. Diese ist nicht in Stein gemeißelt. Die Ärzte können, sollen und müssen auf jeden einzelnen Fall individuell eingehen ( das ist letztlich auch die Vorgabe der Rechtsprechung ). Ein Befürworter der Beschneidung, wird daher auch immer mit befürworten, dass beschnitten wird. Jeder Arzt hat da einen gewissen Spielraum. Von einem Kunstfehler kann da keine Rede von sein. Ein Kunstfehler liegt vor wenn eine medizinische Behandlung nicht nach den zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, allgemein anerkannten fachlichen Standards erfolgt, soweit nicht etwas anderes vereinbart ist. Da die meisten Ärzte geschickt sind und sich im Vorfeld die Zustimmung oder sich einen Handlungsspielraum einräumen lassen, ist es oftmals sehr schwer einen Kunstfehler nachzuweisen.