Dorsalschnitt bei meinem 9 jährigen Sohn: eure Erfahrungen, Meinungen?

    • Dorsalschnitt bei meinem 9 jährigen Sohn: eure Erfahrungen, Meinungen?

      Hallo liebes Forum!


      Mein 9 jähriger Sohn ist nun seit einigen Wochen in Behandlung beim Urologen wegen seiner Phimose, und rät (natürlich) zu einer Beschneidung. Mein Mann und ich wollen das wenn irgend möglich für unser Kind vermeiden.

      Von der Kinderärztin hatten wir erst eine 1% Cortison creme bekommen, die wir 6 Wochen aufgetragen haben (und er hat selbst immer etwas gedehnt). Dadurch konnten wir zum ersten Mal überhaupt ein bisschenwas von seiner Eichel erkennen, vorher war die Vorhaut komplett „zu“.


      Beim Urologen sprachen wir dann an, dass wir von verschiedenen Alternativen zur kompletten Beschneidung gelesen hätten (Triple Inzision, Dehnen, Cremes) und gerne die Beschneidung vermeiden möchten.
      Er zeigte sich grundsätzlich verständnisvoll und zugänglich. Zum Thema Triple Inzision erzählte er, das hättte er jahrelang durchgeführt (er wäre einer der ersten gewesen, die das durchgeführt hätten) und auch überzeugt davon gewesen. Mittleruwürde er das aber kaum noch machen, da seiner Erfahrung nach die Komplikationsrate bei dieser Methode hoch sei und in vielen Fällen der Patient nachher dann doch komplett beschnitten werden musste. Das Hauptproblem bei der Triple Inzision sieht er im Rezidiv, also dass durch die Narben die Vorhaut nach einiger Zeit wieder enger würde. Ein anderes Gegenargument war, dass durch die drei Schnitte eine große Opnarbe da wäre und dadurch auch mehr Schmerzen und unangenehmere Heilungsphase.

      Zu guter letzt schlug er vor, erst noch einen weiteren Durchgang mit Creme zu versuchen und verschrieb uns eine 0,5% Cortisoncreme.
      Wenn das nicht den erwünschten Effekt hätte (er sprach auch davon, dass nach Beenden der Behandlung sich die Vorhaut oft wieder zusammen zieht), und wir keine komplette Beschneidung befürworten, rate er zum Dorsalschnitt. Das wäre im Vergleich zur Triple Inzision ein kleinerer Eingriff und für‘s Kind am wenigsten schmerzhaft etc.

      Die Creme wenden wir jetzt seit 4 Wochen an, und es tut sich leider nichts :( . Eher sehen wir sogar, dass die Vorhaut sich tatsächlich wieder zu zieht sobald wir mit der Creme aufhören (er hat 2 Tage bei seinem Freund übernachtet, dort wurde natürlich keine Anwendung gemacht und wir sahen am nächsten Tag das „Ergebnis“).

      Jetzt steht in 2 Wochen der Urologen Termin an und wir sind sehr verunsichert.

      Der Arzt wirkt eigentlich kompetent, nicht überheblich und seine Aussagen über seine Erfahrungen hören sich schlüssig an. Er hat sich auch viel Zeit genommen, und unsere Bedenken ernst genommen.

      Einerseits.

      Andererseits macht mich dieses „dann am besten gleich beschneiden um eventuell mehrere OPs zu vermeiden“ stutzig.

      Jetzt habe ich viel erzählt und rücke mal mit meinem Anliegen raus :D :

      Kann mir jemand seine Erfahrungen mit dem Dorsalschnitt schildern? (Positiv und negative)
      Der Arzt meinte noch das würde seiner Meinung nach hinterher „nicht schön Aussehen“. Ist das so? Wie sieht es denn aus??

      Dann haben wir noch die grundsätzliche Frage, ob sich die Phimose nicht doch eventuell noch von alleine gibt...? Wer hat dazu irgendwelche Erfahrungen?

      Der Urologe meinte zu dem Thema „Warten“(Was ich ehrlich gesagt auch einleuchtend finde): In der Pubertät einen solchen Eingriff zu machen wäre für einen Jungen wesentlich dramatischer als jetzt, da er gerade dann seinen intakte Penis braucht um eine unbeschwerte sexuelle Entwicklung zu durchlaufen. Der Penis wäre in der Phase sehr oft erigiert, was mit eine Phimose (oder OP Heilungsphase) sehr unangenehm würde. Außerdem kann auch ein Kind in dem Alter die Entscheidung noch nicht alleine treffen ob es eine Beschneidung möchte oder nicht. Eltern würden es sich schnell zu einfach machen in dem sie die Verantwortung über diese Entscheidung ihrem pubertierenden Kind abgeben würden.

      Bitte beschreibt uns eure Erfahrungen und Meinungen .
      Danke!!
    • Gewisse Logik haben die Argumente des Urologen. Aber was wenn sich das Problem doch alleine lösen sollte und er danach völlig intakt und zufrieden wäre? Da wäre mir als Vater die eventuell etwas schmerzhaftere Heilung in der Pubertät das Risiko wert. Oder gibt es jetzt Beschwerden? Kann nur sagen unser Sohn hat gerade im letzten Jahr einen riesigen Schritt gemacht was die Beweglichkeit der Vorhaut angeht. Er ist jetzt fast 11 und mit 9 ging da auch nicht wirklich was zurück.

      Und einfach machen es sich nur die Eltern die blind dem erstbesten Arzt trauen, nicht ihr!
    • Hallo Milli,

      Herzlich willkommen im Forum.

      Bevor uns über die Behandlungsoptionen und mögliche Operationstechniken besprechen, sollten wir zunächst klären, ob dein Sohn überhaupt ein behandlungsbedürftiges Problem hat.

      Hat dein Sohn neben der erwähnten Phimose irgendwelche andere Beschwerden?

      Eine Phimose beim präpubertären Kind ist grundsätzlich nur dann behandlungsbedürftig, wenn sie mit Begleitbeschwerden wie z. B. Schmerzen beim Wasserlassen oder wiederkehrende Entzündungen einhergeht.


      Um aus einem Artikel über die neue, deutsche Leitlinie zur Phimose zu zitieren:

      Medical Tribune, 27. 3. 2017 schrieb:

      Von einer Phimose spricht man, wenn die atraumatische Retraktion der Vorhaut über die Eichel unmöglich ist. Sie ist zunächst nicht pathologisch, denn zum Zeitpunkt der Geburt sind bei 96 % der Jungen Präputium und Glans fest miteinander verbunden. Selbst im Alter von 13 Jahren weisen noch etwa 8 % eine entwicklungsbedingte Vorhautverengung auf. Behandlungsbedürftig wird die Phimose erst dann, wenn sekundäre Störungen wie rezidivierende Balanoposthitiden oder Symptome mit Krankheitswert auftreten, heißt es in der unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie erstellten Leitlinie.
    • Hallo Mili,
      willkommen bei uns!
      Zunächst mal danke dafür, dass Du und Dein Mann Euch so für Euren Sohn einsetzt!

      Mili schrieb:

      Mein 9 jähriger Sohn ist nun seit einigen Wochen in Behandlung beim Urologen wegen seiner Phimose
      Hier habe ich gleich die erste Frage: Ist er nur wegen seiner Vorhautenge in Behandlung? Oder hat er tatsächlich Beschwerden, also z.B. Probleme beim Wasserlassen, Schmerzen, immer wiederkehrende Entzündungen etc.?
      Ich frage, weil ich vermute, dass die einzigen, die Probleme mit der engen Vorhaut Deines Sohnes haben, der Urologe und die Kinderärztin sind. Kann das sein?
      Zuallererst muss man wissen, dass die Vorhaut eines Jungen sich nicht zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt weitet und löst, sondern dies in einem sehr großen Zeitfenster passieren kann.
      Der Dänische Arzt Jakob Oster hat das ausführlich untersucht: beschneidung-von-jungen.de/hom…wicklung-der-vorhaut.html
      Er kam zu dem Ergebnis, dass im Alter von 6-7 Jahren ca. 23% der Jungen ihre Vorhaut zurück ziehen können und im Alter von 17 Jahren immerhin 90%. Dass heißt, es ist überhaupt kein Problem, dass ein 9jähriger Jungen noch keine zurückziehbare Vorhaut besitzt, im Gegenteil, er entwickelt sich völlig normal!

      Jetzt stellt sich die Frage: Öffnet man eine geschlossene Blütenknospe mit dem Messer, nur weil es nicht erwarten kann, sie offen zu sehen?
      Warum sollte man die natürlich enge Vorhaut eines Jungen gewaltsam öffnen, nur weil man der Meinung ist, es könnte nun aber mal langsam soweit sein?
      Immer unter der Prämisse, dass der Junge ansonsten beschwerdefrei ist!

      Hier findest Du die neue Leitlinie Phimose und Paraphimose . Darin wird mit diesen wissenschaftlich völlig aus der Luft gegriffenen Altersgrenzen von 5, 6, 8, 9, 12 oder was weiß ich wie vielen Jahren aufgeräumt.
      Das wichtigste ist: Abwarten. Der natürlichen Entwicklung ihren Lauf lassen.
      Muss dann wirklich eingegriffen werden, weil der Junge Beschwerden hat, ist die Salbentherapie das Mittel der Wahl. Und falls diese tatsächlich nicht anschlagen sollte, dann gibt es die Vorhautplastik, also die Dorsalinzision oder die Triple Inzision.
      Dabei kommt es auf den Grad der Enge an. Leichte Vorhautengen können mit einem einfachen Schnitt (Dorsalinzision) geweitet werden, ist die Enge stärker, ist die Triple Inzision angezeigt.

      Mili schrieb:

      Zum Thema Triple Inzision erzählte er, das hättte er jahrelang durchgeführt (er wäre einer der ersten gewesen, die das durchgeführt hätten) und auch überzeugt davon gewesen. Mittleruwürde er das aber kaum noch machen, da seiner Erfahrung nach die Komplikationsrate bei dieser Methode hoch sei und in vielen Fällen der Patient nachher dann doch komplett beschnitten werden musste. Das Hauptproblem bei der Triple Inzision sieht er im Rezidiv, also dass durch die Narben die Vorhaut nach einiger Zeit wieder enger würde. Ein anderes Gegenargument war, dass durch die drei Schnitte eine große Opnarbe da wäre und dadurch auch mehr Schmerzen und unangenehmere Heilungsphase.
      Dieser Aussage stehen die Ergebnisse dieser Doktorarbeit zum Thema Triple Inzision entgegen:

      Es konnte gezeigt werden, dass die Jungen, die durch eine Triple Inzisionoperiert wurden, statistisch signifikant über kürzere Zeit Schmerzen erleiden mussten als die Jungen,die durch eine Zirkumzision operiert wurden. Ebenfalls waren die vorhauterweiterten Jungen in ihremAlltag, insbesondere beim Laufen und beim Anziehen von Unterwäsche, weniger eingeschränkt alsdie zirkumzidierten Kinder. Die Gesamtbeurteilung der jeweiligen Operation am Ende desFragebogens ergab ebenfalls einen statistisch signifikanten Unterschied. Insgesamt waren die Elternder vorhauterweiterten Kinder mit mehr ‚sehr gut’ Beurteilungen zufriedener als die Elternzirkumzidierter Kinder. Wir können nach Beendigung dieser Studie mit Sicherheit sagen, dass dieTriple Inzision bei der operativen Phimosebehandlung eine sinnvolle Alternative darstellt.
      Deshalb wage ich die Behauptung, dass der Urologe zwar die Triple Inzision durchgeführt hat, sie aber nicht wirklich beherrschte.

      Mili schrieb:

      Außerdem kann auch ein Kind in dem Alter die Entscheidung noch nicht alleine treffen ob es eine Beschneidung möchte oder nicht. Eltern würden es sich schnell zu einfach machen in dem sie die Verantwortung über diese Entscheidung ihrem pubertierenden Kind abgeben würden.
      Diesen Satz des Arztes finde ich reichlich armselig, ganz ehrlich. Weil ein Kind noch nicht in der Lage ist, eine so weitreichende Entscheidung zu treffen, ist seine Lösung, dem Kind die Entscheidung abzunehmen und ihm jede Möglichkeit zu nehmen, selber zu entscheiden? Toll, wirklich.

      Es ist mir überaus wichtig zu betonen, dass ich davon ausgehe, der Junge muss überhaupt nicht behandelt oder gar operiert werden. Und in dieser Konstellation ist es unverantwortlich, als Eltern sich für die Amputation eines Teils der Genitalien zu entscheiden, nur weil es SEIN KANN, dass der Junge mal Probleme bekommen könnte und eine Operation in späterem Alter durch Erektionen schmerzhaftere Folgen haben kann. Denn auch wenn das Problem der Erektionen nicht zu unterschätzen ist, bedeutet es dennoch einen massiven Einschnitt (und das im wahrsten Sinne des Wortes) in den Körper und das spätere Leben des Kindes. Ein Jugendlicher kann dies deutlich besser verarbeiten - sofern es überhaupt nötig ist.

      Mein Rat wäre deshalb:
      Sofern der Junge keine Probleme hat, lasst ihn bitte in Ruhe. Ganz einfach. Und sollte er wirklich operationsbedürftig sein, wählt bitte die am wenigsten invasive Methode. Ob das nun die Dorsal Inzision oder die Triple Inzision ist, kann ich als Nichtarzt nicht einschätzen.

      Viel Glück für Euch!
      Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
      Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
      Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
      tredition.de/autoren/clemens-b…-schnitt-paperback-44889/
    • Hallo Mili,

      ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen.
      Wenn es tatsächlich so eng war, wie beschrieben, ist eine Salbenbehandlung sicher nicht falsch. Falsch ist, zu erwarten, dass dadurch unbedingt eine vollständige Zurückziehbarkeit erreicht werden muss. Euer Sohn ist offenbar einfach noch nicht so weit. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt sich das durch den Hormonschub in der Pubertät ganz von selbst.

      Falls nicht, und ihn dann eine unbewegliche Vorhaut stören sollte, ist ein kurzer dorsaler Schnitt durchaus eine mögliche Option. Ob das schön oder "nicht schön" aussieht, ist eher Geschmackssache; abgesehen davon, dass das normalerweise eh niemand sieht, fällt das m. E. auch nur bei genauem Hinsehen auf. Bestimmt schöner als eine amputierte Vorhaut, zudem ist die Funktion viel viel wichtiger. Wichtig ist dabei, dass der Einschnitt nicht länger wird, als wirklich notwendig. Sonst bekommt man ein Ergebnis, wie man es von der traditionellen Operation auf den Philippinen kennt, mit (evtl. teilweise) freiliegender Eichel und zudem eingeschränkter Beweglichkeit der Penishaut.

      Das ist allerdings Schnee von morgen. Lässt euren Sohn sich doch so entwickeln, wie die Natur das für ihn vorgesehen hat, ohne vorzeitige Eingriffe. Da ist jeder Mensch anders. Auch, wenn es dann für Urologen leider nichts zu verdienen gibt.
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    • Servus Mili, schön das ihr euch hier meldet und nachfragt.

      Kann mich meinen Vorrednern nur anschließen...WARUM ist euer Sohn ihn Behandlung, was für konkrete Probleme hat er? Wenn nur die Vorhaut eng ist, er keine Beschwerden hat...dann muss gar nichts gemacht werden. Das sagt auch die neue Leitlinie zur Phimosebehandlung
      awmf.org/leitlinien/detail/ll/006-052.html
      ...und wenn ich die Aussagen deines Arztes richtig auslege VERSTÖSST er eindeutig dagegen?

      Mili schrieb:

      Mittleruwürde er das aber kaum noch machen, da seiner Erfahrung nach die Komplikationsrate bei dieser Methode hoch sei und in vielen Fällen der Patient nachher dann doch komplett beschnitten werden musste. Das Hauptproblem bei der Triple Inzision sieht er im Rezidiv,
      Da würde ich mich gerne mit deinem Urologen unterhalten...wie alt seine Patienten waren die er mit TI behandelte und wie hoch die Rezidivrate...
      Hauptproblem bei ALLEN vorhauterhaltenden Op Techniken und sparsamen Teilbeschneidungen ist die Nachsorge hinterher...wenn die Vorhaut nicht regelmäßig zurückgezogen, die Narben gedehnt werden, ist die Gefahr eines Rezidives gegeben. Vor allem dann, wenn die Patienten noch kein Eigeninteresse an Bewegung dieser Stelle haben. (Prof. Stehr sagte schon oft, "das Problem einer Phimose gibt sich meist mit dem "Bügeln") Und wer nach so einer Op nicht regelmäßig bügelt...hat leicht ein Rezidiv...

      Das Geheimnis warum radikale Beschneidungen zu keinem Rezidiv führen...da liegt die Narbe IMMER hinter dem Eichelkranz, und wird automatisch bei JEDER Erektion gedehnt...(und auch kleine Jungs haben regelmäßig Erektionen, normal, natürlich und wichtig...)

      Mili schrieb:

      In der Pubertät ..., da er gerade dann seinen intakte Penis braucht um eine unbeschwerte sexuelle Entwicklung zu durchlaufen
      Da hat dein Urologe Recht...Jungs brauchen einen intakten Penis für eine gesunde sexuelle Entwicklung. Aber ein beschnittener Penis ist alles andere als intakt!!!

      Was der Berliner Psychologe W. Albrecht zu den folgen einer Beschneidung schreibt:


      "Bei der Beschneidung bzw. Genitalverstümmelung werden entweder zeitnah nach der Geburt oder zu einem späteren Zeitpunkt Operationen am Genital des Kindes bzw. der/des Jugendlichen ohne der/dessen vollgültiges Einverständnis vorgenommen. Die Gründe dafür werden teilweise religiös ummäntelt, fußen aber in der Regel auf Traditionen aus vorhistorischer Zeit und haben zum Ziel, die sexuelle Erregbarkeit und die Ausbildung von erotischen Phantasien zu hemmen oder ganz zu unterdrücken. Die psychosexuelle Entwicklung wird auf diese Weise nicht nur gestört, sondern teilweise ganz unterbunden, sodass eine Autonomieentwicklung der Betroffenen nur eingeschränkt oder kaum möglich ist.
      Die Beschneidung bzw. Genitalverstümmelung stammt also aus vorhistorischer Zeit und hatte zum Ziel, mit steinzeitlichen Methoden, die Unterwerfung der einzelnen Mitglieder einer Ethnie unter den Zwang des Kollektivs zu erleichtern. In manchen Ethnien war und ist nur die Beschneidung des männlichen Gliedes durch die Abtrennung der Vorhaut (Zirkumzision) üblich, in anderen Ethnien werden die weiblichen Genitalien (Klitoris und Schamlippen) ganz oder teilweise entfernt."

      Soviel zu den Kenntnissen deines Urologen über die Entwicklung von Jungs...

      Falls du noch den Rat eines Urologen hören willst, der dir das gleiche wie wir hier sagen wird...
      onmeda.de/forum/männergesundheit

      Glaubt keinem Arzt unhinterfragt ;)
      Die Lüge ist schon dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe angezogen hat. (Mark Twain)
    • Liebe Mili,

      super, dass Du hierher gekommen bist.
      Bitte lasst Euren Sohn in Ruhe!
      Mich gruselt es anhand der offensichtlich ständigen Herumwerkelei an seinem Penis.

      Du kannst nichts dafür, Du wirst von einem Arzt beraten, der nicht auf aktuellem Wissenstand behandelt.

      Würde man an einem neunjährigen Mädchen auch permanent prüfen, ob sie schon voll begehbar für sexuelle Aktivitäten entwickelt ist?
      Natürlich nicht. Gott sei Dank!
      Auch Jungs haben ein Recht auf ihre Intimsphäre und eine natürliche Entwicklung ohne unnötige Manipulationen.

      Du hast hier alle wichtigen Links bekommen.

      Bitte hört sofort auf damit.
    • Ich möchte noch etwas zum letzten Absatz anmerken, da dieser mir sehr wichtig erscheint.

      Mili schrieb:

      Der Urologe meinte zu dem Thema „Warten“(Was ich ehrlich gesagt auch einleuchtend finde): In der Pubertät einen solchen Eingriff zu machen wäre für einen Jungen wesentlich dramatischer als jetzt, da er gerade dann seinen intakte Penis braucht um eine unbeschwerte sexuelle Entwicklung zu durchlaufen. Der Penis wäre in der Phase sehr oft erigiert, was mit eine Phimose (oder OP Heilungsphase) sehr unangenehm würde.

      Das ist nicht nur reinste Küchentischpsychologie ohne die geringste wissenschaftliche Grundlage - das muss man in aller Deutlichkeit sagen - sondern zeugt auch von einem grundlegenden Unwissen über das Krankheitsbild einer behandlungsbedürftigen Phimose.

      Dieser Urologe scheint die Nicht-Zurückziehbarkeit für eine Art "Geburtsfehler" oder angeborene Fehlbildung zu halten, die sich zwar eventuell noch von selbst "zurückbilden" könnte, aber die man irgendwann operieren müsste. Das ist es auch, was vielen Eltern so über viele Jahre vermittelt wurde: Eine Fehlbildung, die bis zu einem bestimmten Alter weg müsse. Es ist jedoch eine falsche, veraltete Sichtweise über die Vorhautentwicklung, die so auch von sämtlichen neueren Leitlinien von Ärzteverbänden und internationalen Fachartikeln zurückgewiesen wird.

      Eine verengte, nicht-zurückziehbare Vorhaut an sich ist keine Krankheit, keine Fehlbildung, sondern ein physiologischer, natürlicher, und sinnvoller Entwicklungszustand, der den Penis schützt. Die Vorhaut soll in den ersten Jahren nicht zurückziehbar sein und wird dann in einem individuell unterschiedlichen Zeitraum zwischen Kindheit und dem Ende der Pubertät zurückziehbar.

      Dieser Urologe empfiehlt also einen gesunden Jungen wegen eines natürlichen Entwicklungszustandes zu operieren und das nur, damit dieser natürliche Entwicklungsstand nicht zu einem späteren Zeitpunkt grundlos operiert werden müsste.


      Daher, zusammenfassend, wie einige Vorredner schon sagten:

      • Solange dein Sohn nur eine nicht-zurückziehbare Vorhaut hat und keine sonstigen Beschwerden hat, braucht er keine Behandlung – weder eine Salbentherapie und schon gar keine Operation.

      • Hört auf mit der Salbenbehandlung.

      Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von Sokrates ()

    • Mili schrieb:

      In der Pubertät einen solchen Eingriff zu machen wäre für einen Jungen wesentlich dramatischer als jetzt, da er gerade dann seinen intakte Penis braucht um eine unbeschwerte sexuelle Entwicklung zu durchlaufen
      Was dieser Urologe behauptet, da würde ich echt gern mit ihm unterhalten...wie er denn auf diese Behauptungen kommt, auf was für medizinische Untersuchungen und Erkenntnisse er diese Behauptungen begründet? Meines Wissens gibt es da NICHTS...(falls der da aber was vorweise kann, ich lerne immer gern was neues...)

      Mili schrieb:

      Eltern würden es sich schnell zu einfach machen in dem sie die Verantwortung über diese Entscheidung ihrem pubertierenden Kind abgeben würden.
      Da würde ich deinen Urologen hier mal gerne ins Forum einladen...damit ihm Männer, denen diese Entscheidung als Kind "abgenommen" wurde (genauso wie deren Vorhaut) erzählen können, wie sie sich damit fühlen, wie es ihnen heute, nach vielen Jahren, damit geht...wenn er die nötige Chuzpe hat...

      Oder er soll sich mal die Meinung von Psychologen dazu anhören, die sich ein wenig mit dieser Materie, diesem Tabu, befasst haben...vielleicht das Buch des Psychologie Professors Mathias Franz "Die Beschneidung von Jungen- ein trauriges Vermächtnis" lesen, damit ihm mal vielleicht bewusst wird, was eine leichtfertig gemachte Beschneidung für Leid/Schicksale hervorbringen kann?
      Die Lüge ist schon dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe angezogen hat. (Mark Twain)
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    • Hallo!

      Bevor ich auf eure Fragen antworte und mich für eure Rückmeldungen bedanke, möchte ich noch eine Sache loswerden:

      Anklagende Aussagen wie von Pizarro73
      „Bitte lasst euren Sohn in Ruhe!!! …… mich gruselt…… “ usw sind wenig hilfreich und lassen mich gleich denken „warum hab ich da überhaupt geschrieben, wenn ich jetzt als übergriffige, unsensible Mutter dargestellt werde?“ Du weißt erstens gar nicht wie die Salbenbehandlung bei uns überhaupt abläuft, sprich ob ich überhaupt jemals am Penis meines Sohnes „herumgewerkelt“ habe, oder hast zweitens mal abgewartet was ich auf die Frage antworte, ob mein Sohn überhaupt Probleme durch seine Phimose hat oder nicht. Ätzend wenn man plötzlich der Buhmann ist obwohl (wie ich meiner Meinung nach sehr deutlich geschrieben habe) es mir ausschließlich um das seelische und körperliche Wohl meines Kindes geht!
      So.
      Zu den anderen Themen schreibe ich später noch mal.
    • Liebe Mili,

      weißt Du, hier im Forum wird einfach sehr stark aus Betroffenenperspektive gedacht. Schon weil viele leidvoll Betroffene hier schreiben, so auch ich.
      Natürlich bringen wir unsere Erfahrungen ein.
      Die Gefühle der Eltern sind dann oft nicht vorrangig. Sie werden aber damit aber auch nicht zwingend in Zweifel gezogen.
      Meinst Du, meine Eltern wollten nicht etwa auch nur das Beste für mich?
      Deine ausführlichen Formulierungen haben mögliche Beschwerden Deines Sohnes mit keiner Silbe erwähnt.
      Gleichzeitig wissen wir aus Untersuchungen, dass bis zu 90% aller Vorhautengen, die operiert werden, eigentlich beschwerdefrei sind.
      Ich bitte Dich um Verständnis, dass hier da auch mal die Alarmglocken schrillen.
      Wenn es alles anders ist, war es zum Glück unnötig.
      Das was ich schrieb, war nämlich ebenfalls aus Sorge um Deinen Sohn, aus den Erfahrungen meines persönlichen Leides und das vieler anderen.
      Alles Gute!
    • Hallo Milli,
      schön, dass Du den Weg hierher gefunden und den mut hast über die Probleme Deines Sohnes zu sprechen.

      Zu aller erst, ich kann ALLE Meinungen die hier geäusert wurden verstehen.

      Ich war selbst in Deiner Lage, nur drehte sich bei mir alles um mich selbst.
      Ich war sehr verunsichert durch die Aussagen meines Hausarztes und eines Urologen.
      Beide haben mich zu einer Beschneidung gedrängt. Es sollte alles so schnell wie möglich erledigt werden, am besten ohne nachzudenken.
      Durch Weihnachten und den Jahreswechsel bekam ich einige Zeit, die ich nutzte um mich zu informieren.
      Bei meinen Nachforschungen stieß ich auf das Beschneidungsforum.
      Hier fand ich Zuhörer die, aus Ihrer Erfahrung, Ratschläge geben konnten, ich habe zwar einige Ärzte, die nur mein Bestes wollten, (mein Geld und meine Vorhaut ) vor den Kopf gestoßen, aber ich habe meine Vorhaut noch und bin meine Probleme los.
      Liebe Milli, bitte glaube nicht, daß Du hier an den Pranger gestellt werden sollst, alle handeln, ausschlieslich, um Deinen Sohn vor Schaden zu bewahren. Leider zeigt die Erfahrung, daß oft die Zeit drängt und so sind manche Aussagen etwas drastisch.
      Bitte sage uns ob Dein Sohn irgendwelche Probleme hat, die über das nicht zurückziehen der Vorhaut hinaus gehen.
      Falls sonst nichts ist, kann ich nur auf meine Vorredner verweisen. Es ist alles im grünen Bereich, es muss nichts getan werden, bitte lass diesen Urologen nicht an Deinem Sohn herumschneiden. Im laufe meiner Entscheidungsfindung habe ich an einem Tag ca.7 Stunden mit den Urologen einer Uniklinik gestritten bis ich diese soweit hatte meiner Meinung eine Chance zu geben. Allerdings sollte ich dann unterschreiben, daß, wenn es unumgänglich ist, doch eine radikale Beschneidung durchgeführt werden darf. Diesen Tremin habe ich abgesagt.
      Der schwarze Peter wird immer bei Dir bleiben, für mich wäre es aber leichter zu ertragen, eine späte OP zu erdulten, als eine unnötige zu verantworten.
      Ich wünsche Dir ein glückliches Händchen
    • Mili schrieb:

      Hallo!

      Bevor ich auf eure Fragen antworte und mich für eure Rückmeldungen bedanke, möchte ich noch eine Sache loswerden:

      Anklagende Aussagen wie von Pizarro73
      „Bitte lasst euren Sohn in Ruhe!!! …… mich gruselt…… “ usw sind wenig hilfreich und lassen mich gleich denken „warum hab ich da überhaupt geschrieben, wenn ich jetzt als übergriffige, unsensible Mutter dargestellt werde?“
      Hallo Mili

      Nein, auf keinen Fall soll das heißen, das Du übergriffig wirst oder unsensibel bist. Jeder der in den letzten Jahren sich mit Aufklärungsarbeiten über Funktion und Bedeutung der Vorhaut beschäftigt hat, ist folgendes begegnet:

      1. Mütter, die völlig verzweifelt berichteten, das , obwohl ihr Kinderarzt ausdrücklich gesagt hatten, sie müssten die Vorhaut ihres 2/ 3 / 4 ... jährigen regelmäßig bewegen da es sonst zu Entzündungen käme, nun es genau zu immer wiederkehrenden Entzündungen gekommen ist. Vor allem in den USA ist das oft der Fall.

      2. Mütter die immer wieder berichten wie Kinderärzte am Penis ihres Sohnes einfach so herumzupfen würde, bis dieser vor Schmerzen schrie

      Aus diesem Verhalten bilden sich kleine Risse und Narben und daraus resultiert eventuell eine behandlungsbedürftige Phimose. Das ist es, was hier alle vor Augen haben. Da hier die Ärzte falsch anordnen/ informieren, können die Eltern oft gar nichts dafür. Aber auch eine falsch verstandene Hygiene, solange die Vorhaut mit der Eichel verbunden ist, soll man nicht darunter sauber machen. Auch hier müssten Hebammen und Krankenhäuser besser bei der Geburt eines Jungen informieren.

      Die Männer hier, haben das zum Teil ähnlich erlebt und reagieren dementsprechend. Es hat mit der Sache zu tun, nicht mit Dir.

      Dein Sohn ist 9 Jahre und damit muss sich die Vorhaut nicht bewegen, genau sowenig wie sich das Hymen beim Mädchen bereits zurück gebildet haben muss. Eine bewegliche Vorhaut ist für den GV wichtig, sonst schützt die Vorhaut die Eichel. Solange also keine Beschwerden bestehen und die Enge das einzige ist, ist alles gut. Die Öffnung muss so groß sein, das urinieren geht und sich keine wiederkehrenden Entzündungen bilden.

      Alles Gute
      "Those who cannot remember the past are condemned to repeat it"

      "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."


      George Santayana (1863-1952)
    • Hallo zusammen !

      Danke für eure Erklärungen, jetzt kann ich vieles besser nachvollziehen.
      Und ich bleibe dabei, dass auch vorschnell Schlüsse gezogen wurden und unser „Fall“ ziemlich schnell in eine bestimmte Schublade gesteckt wurde. Das finde ich nach wie vor schade und es könnte andere Eltern abschrecken sich hier mit ihren Sorgen zu zeigen.

      Danke auch, dass ihr mir eure Erfahrungen so ausführlich geschrieben habt, das hilft mir auf jeden Fall sehr weiter und bestärkt mich in meiner Einstellung dass da bei meinem Kind nichts rumgeschnippelt werden soll.

      Um eure Fragen noch zu beantworten:

      Wir sind auf die Verengung tatsächlich durch Probleme beim Wasserlassen aufmerksam geworden.

      Zum einen hatte mein Sohn eine Entzündung, unter der er ziemlich gelitten hat. Es kam dick Eiter aus seinem Penis und er war dick und rot geschwollen. Die Kinderärztin hat gleich ein Anitbiotikum verschrieben, das auch seinen Dienst gut erfüllt hat.

      Dann hatte er immer wieder Schmerzen beim Urinieren weil wohl kleine Risse da waren, die auch etwas geblutet haben. Die Schmerzen waren so schlimm für ihn, dass er manchmal so lange angehalten hat bis er Bauchschmerzen vor lauter Blasendruck hatte.
      Wie die Risse zustande kamen konnten wir uns nicht erklären. Jetzt im Nachhinein könnte ich mir vorstellen dass sich dieser öfter im Netz beschriebene „Ballon“ gebildet hat wenn er uriniert hat, und daher viel Druck auf den Vorhautring (heißt das so?) kam. Zu dieser Theorie würde auch passen, dass er nicht „geradeaus“ Pinkeln könnte (was meinem Mann öfter aufgefallen war wenn sie mal in der Natur zum urinieren nebeneinander standen), sondern der Urin in alle Richtungen spritzte. Er sitzt seit er keine Windel mehr hat zum Pinkeln auf der Toilette. Daher habe ich eigentlich nie gesehen wie das aussieht, sondern mich nur ab und zu gewundert, dass mit 9 Jahren immernoch überall Urin war wenn er auf Toilette war.

      Nun kommt bitte nicht zu dem fälschlichen Schluss, dass „nicht geradeaus Pinkeln“ unser Anlass sein über eine Op nachzudenken! Dies erzähle ich nur weil es zu den Dingen gehört durch die wir auf die Verengung aufmerksam geworden sind.

      Jedenfalls haben diese Dinge uns veranlasst, die Kinderärztin mal zu konsultieren um herauszufinden woher diese Probleme kommen. Mein Mann ging dann mit dem Kleinen zu dem Termin, und die Kinderärztin soll wohl was in der Art gesagt haben wie ‚so eine starke Verengung hätte sie seit langem nicht mehr gesehen, das wäre schon extrem‘. Sie sprach sofort von Beschneidung, was mich (und meinen Mann in dem Moment) extrem geärgert hat. Vor allem weil sie es im Beisein unseres Sohnes getan hat, der jetzt natürlich Angst hat. Am liebsten hätte sie uns gleich einen Termin zur OP beim Urologen vermittelt, was mein Mann sofort verneint hat. Dann bekamen wir die erste Creme verschrieben, und ließen uns beim Urologen einen Termin zur Kontrolle nach den 6 Wochen Cremebehandlung geben.

      Wie der Termin ablief habe ich oben ja schon im Detail beschrieben.

      Die aktuelle Situation ist folgende:

      Nachdem die zweite Cremebehandlung jetzt abgeschlossen ist, hätten wir eigentlich nächste
      Woche wieder einen Termin beim Urologen. Wir haben diesen Termin jetzt abgesagt und warten erstmal ab. Die Verengung ist ja schon weniger geworden und bisher waren keine Probleme mehr aufgetreten. Auch scheint das mit dem Urinstrahl jetzt besser kontrollierbar zu sein für unseren Sohn, was ich auch als Indiz sehe, dass sich schon was verbessert haben muss (wie gesagt, ein Indiz. Es geht nicht um den Urinstrahl als solchen, nicht dasss mir hier wieder jemand nen Strick draus dreht).

      Vielen Dank fürs Zuhören und Teilen eurer Erfahrungen.

      Sehr hilfreich sind für mich vor allem die Ausssagen von den Eltern unter euch, die mir geschrieben haben, dass die Vorhaut bei ihren Söhnen mit 9 auch nicht zurückziehbar war und dass das kein Grund zur Panik ist!! Genau das habe ich gebraucht um meine eigentliche Einstellung zu untermauern und mich nicht von den Ärzten verunsichern zu lassen. Erzählt mir gerne noch mehr so positive Erfahrungen ;-).

      Viele Grüße
      Mili
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