Wie den "Tätern" begegnen?

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    • Wie den "Tätern" begegnen?

      Nachdem wir eine Bekannte haben die ihre beiden Söhne aus optischen Gründen hat beschneiden lassen und jetzt auch eine Kollegin die es genau so gemacht hat, beide komplett ohne religiösen Hintergrund, stellt sich mir die Frage wie damit umgehen. Auf der einen Seite weiß ich das sie es nicht böse gemeint haben und somit schwer zu verurteilen aber auf der anderen Seite weckt es eine unglaubliche Wut in mir. Sie damit konfrontieren ändert aber auch nichts mehr an dem Schaden für die Kinder, aber nichts sagen kann ich eigentlich auch nicht.
      Wie handhabt ihr das?
    • Diese Frage habe ich mir auch schon oft gestellt. Allerdings hat sich meine Sichtweise auf dieses Problem deutlich geändert.
      Noch vor ein paar Jahren löste der Gedanke, in meinem Bekannten-, Freundes- und Kollegenkreis könnten Menschen sein, die ihre Jungen rein aus "ästhetischen" Gründen an ihren Genitalien verstümmelt haben, sehr unangenehme Gefühle aus, ja fast Panik. Ich hätte den konkreten Gedanken kaum ertragen können, zumindest hätte ich diese Menschen aus meinem Leben so gut es eben gegangen wäre, gestrichen.
      Heute sehe ich das ein wenig anders. Natürlich wäre ich noch ebenso schockiert und abgestoßen. Aber ich würde heute mit diesen Menschen reden. Natürlich kommt es immer auf die konkrete Situation an, aber sofern sich die Gelegenheit dazu ergäbe, würde ich darüber reden. Über mich, meine Situation und all die betroffenen Männer, die ich inzwischen kennen gelernt habe.

      Natürlich würde das am Schaden für die Kinder nichts mehr ändern, das stimmt. Aber wir müssen darüber reden, auch und gerade mit solchen Menschen. Nur wenn wir darüber sprechen, kann sich was ändern. Und wenn einer dieser Menschen umdenkt und mit weiteren Bekannten darüber spricht, ist was erreicht.
      Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
      Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
      Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
      tredition.de/autoren/clemens-b…-schnitt-paperback-44889/
    • Puh schwierige Frage. Ich rede mit denen, die medizinisch falsch beraten wurden, die also im Glauben waren, ihre Söhne seien krank. Auch mit Leuten, die damit ihrer familiären kulturellen Tradition gefolgt sind. Natürlich! Das ist extrem wichtig.

      Vorhautamputationen aufgrund persönlicher Präferenzen der Eltern stellen für mich eine schwere Form sexualisierter Gewalt gegen Kinder dar. Auf so eine perverse Idee muss man hierzulande erstmal kommen. "Nicht mal" Urologen propagieren so etwas.
      Mit solchen Leuten könnte ich nur auf professioneller Ebene diskutieren. Und das ist ja leider nur "nötig", weil unser Gesetzgeber diese Übergriffe legalisiert hat. Ansonsten wäre die für mich einzig abgemessene Reaktion: Strafanzeige. In meinem Freundeskreis könnte ich nie Kinderschänder dulden.
    • Ich denke auch, die zunehmende Sensibilisierung zum Thema wird solche Fälle auch irgendwann vor Gericht bringen, denn schließlich sind Vorhautamputationen auch jetzt noch verboten, wenn das Kindeswohl gefährdet ist.
      Die Verschleierung der Folgen für die Jungen wird immer weniger gelingen. Die Nummer "Gehen Sir weiter, das betrifft Sie nicht" zieht nicht mehr so.
      Verantwortungsvolle Staatsanwaltschaften werden diesen Kindeswohl-Passus in Zukunft verstärkt gelten machen können.
    • Das ist der Fluch des §1631d. "Alle dürfen!"

      Diese 434 Idioten haben z.T. gedacht, das würde ja "nur" Muslime und Juden betreffen. Nach dem Motto: "die anderen machend das ja eh nicht". Sie haben die Genitalien von Jungen für vogelfrei erklärt und in einer gerechten Welt müssten auch Politiker für ihre Untaten bestraft werden. Empathielosigkeit schützt vor Strafe nicht.
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    • Pizarro73 schrieb:

      Ich denke auch, die zunehmende Sensibilisierung zum Thema wird solche Fälle auch irgendwann vor Gericht bringen, denn schließlich sind Vorhautamputationen auch jetzt noch verboten, wenn das Kindeswohl gefährdet ist.
      Schwierig. Durch den 1631d ist alles noch viel schwieriger geworden.

      Zu erst mal gilt: wo kein Kläger, da kein Richter. Da haben wir schon die Problematik, dass Genitalverstümmelung - aber nur, wenn sie Jungen betrifft - als "einfache" Körperverletzung angesehen wird. Obwohl es sowohl eine schwere, als auch eine gefährliche Körperverletzung ist.
      Das ist kein Offizialdelikt. DU kannst nicht einfach hingehen, und Frau XY anzeigen. Sagt der Staatsanwalt: "geht dich (und mich) nichts an!"
      So hatte es sogar das LG Köln gesehen, einfache Körperverletzung.
      Wenn der Junge klagen kann, ist es verjährt.

      Außerdem würde ein Anwalt der Mutter schlicht raten: "sagen sie vor Gericht einfach, es sei auch wegen der schrecklichen AIDS-Gefahr gewesen, die in Deutschland hinter jeder Ecke lauert. Und sich nur durch Kaputtmachen der pösen Vorhaut bekämpfen lässt.
      Dann sind sie aus dem Schneider, denn so hat der Gesetzgeber ja auch argumentiert, und der Gesetzgeber, der Gesetzgeber hat immer Recht!"
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    • Ich denke es ist im Nachhinein auch schwierig zu beweisen ob es nötig war oder nicht. Aussage der einen: "Beim ersten Sohn war es zum Glück so schon ein wenig entzündet, beim zweiten hab ich halt dann beim Arzt etwas übertrieben". Da ich mich ziemlich vergessen würde wenn ich darauf antworten würde beiße ich mir im Moment einfach auf die Zunge. Zeigt aber auch leider wie schneidefreudig manche Ärzte sind wenn sie ohne selber das Problem zu sehen trotzdem aufgrund der Aussagen der Mutter schon so radikal handeln.
    • Ich bin doch auch zweimal völlig überflüssigerweise als Kind operiert worden. Ich war so gesund wie die meisten anderen Kinder auch.
      Wenn die Mutter beim Arzt/Chirurgen durchblicken lässt, dass SIE das will und die Privatversicherung zahlt ist das (leider) ein Selbstgänger. Dann wird einfach eine Diagnose konstruiert. Eltern rennen da bei manchen Ärzten offene Türen ein. Niemand kontrolliert so etwas.
      Mit viel Pech hätte ich das nicht überlebt, diesen Quatsch. Jede Vollnarkose, jede Öffnung der Leibeshöhle ist ein Risiko. Wenn ich daran denke, kriege ich heute noch die Wut.
      Vierzehn Tage als Kind im Krankenhaus - für nichts.
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    • Selbstbestimmung schrieb:

      Wenn der Junge klagen kann, ist es verjährt.
      Also, auch ein Minderjähriger kann bereits jur. gegen seine Eltern vorgehen. Er selbst kann das noch nicht, wenn er unter 14 Jahre alt ist, hierzu muss ein Verfahrensbeistand vom Familiengericht bestellt werden, der dann die Interessen vom Kind vertritt. Hierzu kann das Kind notfalls auch selbst beim Familiengericht vorstellig werden und muss nicht zwingend vorher zum Jugendamt damit dieses eine Beiordnung beim Familiengericht beantragt.

      Ab dem 14. Lebensjahr kann ein Minderjähriger sogar selbst einen Anwalt beauftragen, der seine Interessen vertritt ( § 158 Abs. 5 FamFG, § 50b Abs. 2 FGG ). Der Anwalt holt sich dann die Bestellung vom Familiengericht. Bezahlt wird der Anwalt bzw. Verfahrensbeistand dann über die Prozeßkostenhilfe.
    • Sagen wir mal so, man muss zwischen Theorie und praktischen Möglichkeiten unterscheiden. Deshalb ruht die Verjährung bei Verstümmelung von Mädchen auch bis zum 30. Lebensjahr (wurde am am 21.01.2015 noch mal vom 21. Lebensjahr auf 30 angehoben). Und läuft dann noch mal zwanzig Jahre. Wenn Frau also z.B. mit sechs verstümmelt wurde, kann sie mit 50 immer noch gegen die Eltern und den Verstümmler Strafanzeige stellen. Allerdings ist das ein "Soda-Gesetz", es steht nur so da - bekannte Fälle gibt es in D nicht, aber zigtausend Jungen werden in D jedes Jahr verstümmelt

      Männer gucken selbstverständlich in die Röhre.

      dejure.org/gesetze/StGB/78b.html
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    • Selbstbestimmung schrieb:

      Sagen wir mal so, man muss zwischen Theorie und praktischen Möglichkeiten unterscheiden. Deshalb ruht die Verjährung bei Verstümmelung von Mädchen auch bis zum 30. Lebensjahr (wurde am am 21.01.2015 noch mal vom 21. Lebensjahr auf 30 angehoben). Und läuft dann noch mal zwanzig Jahre. Wenn Frau also z.B. mit sechs verstümmelt wurde, kann sie mit 50 immer noch gegen die Eltern und den Verstümmler Strafanzeige stellen. Allerdings ist das ein "Soda-Gesetz", es steht nur so da - bekannte Fälle gibt es in D nicht, aber zigtausend Jungen werden in D jedes Jahr verstümmelt

      Männer gucken selbstverständlich in die Röhre.

      dejure.org/gesetze/StGB/78b.html
      Nun, Verfahrensbeistände werden öfter mal Kinder/Jugendlichen zur Seite gestellt. Mir ist allerdings jetzt auch kein Fall bekannt, dass der Grund einer solchen Beiordnung eine Beschneidung war. Unter 14 machen sich die Jungs keine richtigen Gedanken darüber, über 14 eher schon mal, geben dem Druck der Eltern aber im Regelfall nach. Welcher Junge traut sich letztlich gegen die eignen Eltern in diesem Alter vorzugehen? Das passiert dann eher erst im Erwachsenenalter und da ist die Sache im Regelfall bereits verjährt. Wie gesagt, die rechtliche Möglichkeit sich als Junge zu wehren besteht in Deutschland. Nur welcher Minderjährige weiß das? So gut wie keiner. Die wenigsten Erwachsenen wissen, dass es möglich ist, dass ein Kind/Jugendlicher sich bereits jur. zur Wehr setzen kann.
    • Ich könnte nach wie vor nicht damit umgehen. Wenn jemand Bekanntes dieses Thema aufgreifen würde, ich denke ich würde den Kontakt abbrechen. Das löst bei mir ein Gefühl aus, bei dem ich sofort weg laufen möchte.

      Ich weiss wie wichtig es wäre solche Leute mit den Tatsachen zu konfrontieren und darüber zu reden, aber ich hab da persönlich leider keine Kraft dazu, dass würd mich komplett fertig machen.

      Ich bin um jeden hier im Forum froh der gegen diese Sauerei ob öffentlich, bei Demos oder sonst wo seine Stimme erhebt und versucht etwas zu ändern.
      Wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit. (Anatole France)
    • Wer ist Täter...wer Opfer?

      Täter...ist es nicht der Arzt, der einen nicht med. indizierten Eingriff an einem nicht einsichts und einwilligungsfähigen Menschen macht? Die Mütter manchmal zu solchen Sachen motivieren, diesen Eingriff als Verbesserung darstellen, ihn sogar offensiv bewerben?

      Täter/Opfer?:

      ...Mütter die solche Eingriffe aus optisch/hygienischen Gründen machen lassen...Opfer von falschen Vorstellungen? Die wollen bestimmt nicht ihren Söhnen schaden...

      ...Das Schweigen der Männer...die unter den Folgen solcher Eingriffe leiden (absolut verständlich und nicht als Vorwurf sehen)...aber macht das diese Taten nicht auch erst möglich?

      Wie ich reagieren würde...situationsabhängig, kann ich nicht sagen...

      Vielleicht abkotzen über Ärzte, die nicht med. indizierte Beschneidungen an nicht einsichts und einwilligungsfähigen Menschen machen, über deren Motivation spekulieren...Geld, Macht ausüben, Vergleiche mit Nazimethoden ziehen, da haben sich viele Ärzte mit ihren hohen moralischen Vorstellungen über sich auch nicht mit Ruhm bekleckert...

      Vielleicht spiegeln...wenn ich eine Tochter hätte, dann würde ich als Vater ihr auch Teile ihres Genitals entfernen lassen, weil ich das als optisch und hygienisch ansprechender finde?

      Oder diese Mütter fragen, wie sie das empfinden würden, wenn ihnen ihr Vater Teile ihres Genitals, ihrer sexuellen Sensorik aus oben genannter Motivation hätte entfernen lassen (und dies sogar für jeden der sie nackt sieht auf den ersten Blick erkennbar wäre...)?

      Aber all dies würde ich versuchen auf Augenhöhe zu kommunizieren, ohne Vorwurf, ohne Abscheu, ohne Vorverurteilung, um zu reden, um in einen Dialog kommen zu können, um andere zum nachdenken zu bekommen...

      Aber vielleicht würde ich mich auch (wie so oft) angewidert abwenden...und schweigen...weil ich manchmal nicht darüber reden kann, es zu macht, blockiert, ich mich verletzlich/verletzt zeigen müsste...und mich hinterher schlecht fühlen...weil ich mich mitschuldig fühle, dass solche Taten nie aufhören können, wenn ich schweige?
      Die Lüge ist schon dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe angezogen hat. (Mark Twain)
    • Hab dieser Tage an einem Seminar teilgenommen...dabei ging es auch um Kommunikation bei der es auch um Wertschätzung und Respekt ging. Grundlagen dafür Anerkennung was ist, die eigenen Gefühle, Positionierung, Ich-Botschaften...

      Auch wenn man einer Mutter, von der man weiß/mitkriegt, dass sie ihren Sohn aus hygienisch/optischer/sonstiger nicht med. indizierter Motivation beschneiden ließ, am liebsten ein "du blöde Kuh und alle Hasstiraden die man auf Lager hat, vor den Latz knallen möchte...vielleicht versuchen so?:

      Mir geht es richtig schlecht, wenn ich höre, dass einem Jungen einfach so ein teil seines Genitals entfernt wird. Ich kenne viele Männer, bei denen das als Junge auch gemacht wurde, die massiv unter den folgen leiden, richtig starke psychische Probleme haben, manche sogar suizidal wurden. Sie tragen es oft ein Leben lang in sich rum, leiden darunter, ohne darüber sprechen zu können, weil sie auch wissen von den meisten nicht ernst und wahrgenommen zu werden. Furchtbar finde ich auch, dass es Ärzte gibt, die das einfach so machen, obwohl ALLE Ärzte einen Eid darauf schoren, dass sie ihre Kunst und ihr Können nur zum heilen, nie um zu zerstören einzusetzen. Genauso schlimm, ein gesetz, dass extra geschaffen wurde um solche eingriffe straffrei zu ermöglichen.

      Das ganze wäre neutral, OHNE dass ich und meine persönliche Betroffenheit offenläge...eine Möglichkeit um ins Gespräch zu kommen...
      Die Lüge ist schon dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe angezogen hat. (Mark Twain)
    • Ich hole in meinem Umfeld Meinungen zum Thema Beschneidung ein. Erschreckend, standardmäßig ist das Ganze erstmal harmlos und "nicht der Rede wert". Auch von Männern die der Meinung sind die Eichel sei das einzig wichtige Teil am Penis, Frauen sowieso. So lernt man es schließlich auch und bekommt es überall kommuniziert. Meine Oma meinte sogar "Was?! Ich dachte das macht die Freuden der Ehe noch schöner." Solange also nicht grundsätzlich die Vorhaut ihre Rolle und Aufgabe auch in den Köpfen der Menschen einnimmt wird es schwierig sie zu schützen. Am besten schon im Aufklärungsunterricht die Dinge richtig lehren.
    • Urolüge schrieb:

      In welchem "Rechtsstaat" gibt es Gesetze, die Taten und Handlungen an anderen erlauben/straffrei stellen?
      Wenn ein Arzt ein Kind aus medizinischer Notwendigkeit operiert, ist das auch eine "Tat", sogar eine Körperverletzung. Aber i.d.R. keine Straftat.

      Von einem Rechtsstaat sollte man aber erwarten, dass er die Geschlechter in gleicher Weise schützt und nicht diskriminiert. Dass er die Kinder, die schwächsten Glieder der Gesellschaft besonders schützt.
      Ihre Recht auf körperliche Unversehrtheit achtet. Dass er besonders die Genitalien der Kinder vor Manipulationen, Modifikationen und Amputationen durch Erwachsene bewahrt.

      OK; durch dieses Raster fallen z.Zt. noch alle Staaten. Schlimm genug.
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