Bild berichtet über Genitalverstümmelung auf dem Küchentisch

    • Widerlich, die reißerische Aufmachung des Artikels. Vor allem:
      Gleich drunter der Hinweis:

      Blind schrieb:

      "Ich wurde beschnitten, fragt mich alles"
      Ein 33-Jähriger erzählt auf der Internet-Plattform Reddit alles über seine Beschneidung.
      Na, wer wird da nicht neugierig?
      Hervorhebung durch mich.
      Hier wird billigster Voyeurismus bedient, Sensationsgeilheit. Und die heimliche Lust daran, dass Männer an ihren Genitalien verletzt werden. Ist ja schließlich doch irgendwie geil, oder? *Brech*
      Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
      Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
      Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
      tredition.de/autoren/clemens-b…-schnitt-paperback-44889/
    • Ich möchte mich den Unterstellungen nicht anschließen. Voyeuristisch, vielleicht sogar rassistisch, kramtrallala, was auch immer.

      Ja, der Artikel wurde in der Yellow Press veröffentlicht. Ja, die Yellow Press hat eine andere Form der Darstellung und Berichterstattung. Das kann man gut finden oder nicht, aber man sollte doch auch mal die Kirche im Dorf lassen.

      Im Artikel selbst wird das Martyrium eines damals 8-jährigen Jungen kompromisslos dargestellt; insgesamt handelt es sich um einen Gerichtsreport. Mir persönlich ist es lieber, daß über das Leid des Opfers berichtet wird als dass man darüber rationalisiert, wie überaus wichtig die Amputation für Religionsgemeinschaft Bla oder die Gruppe Blubb sei, wie gut wir das alles jetzt gesetzlich geregelt haben oder dass die Amerikaner das doch auch machen.

      Wichtiger ist, jetzt klarzustellen, dass die ganze Sache nicht wirklich besser ist, wenn sie im Krankenhaus vorgenommen wird.

      Dann ist das noch immer eine Zwangsbeschneidung - der Begriff wird vor Autor vollkommen korrekt verwendet.

      Mein Eindruck ist eindeutig derjenige, dass der Autor hier einen Vorgang offen schildert, ohne Angst vor der Redaktion zu haben, weil es eben mal nicht um Judentum oder Islam geht. Daraus jedoch umgekehrt böse Intentionen abzuleiten, halte ich für gewagt.
    • Maria Werner schrieb:

      weil es eben mal nicht um Judentum oder Islam geht.
      Dann hätte der Autor sicher nicht "bestialisches Ritual" geschrieben - oder er hätte sich gleich die Kugel geben können, was seine weitere Karriere bei Springer angeht.

      Nein, es ist kein "bestialisches" Ritual - kein Tier macht so etwas mit seinem Nachwuchs.
      Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt
      (oder ist zu jung um sich zu wehren)
    • Ich finde es jedenfalls normal, darüber schockiert zu sein. Innerhalb einer Beschneidungskultur wächst man damit auf, die Vorhautamputation als etwas Normales, etwas Harmloses, vielleicht als etwas Gutes zu empfinden. Dabei ist es völlig egal, welcher Beschneidungskultur man angehört. Es kann auch die USA oder Südkorea sein. Die Sicht von außen ist aber eine völlig andere. Nicht selten wird dann den Leuten, die von außen auf diesen Vorgang schauen und entsetzt reagieren, unterstellt, mit ihnen stimme etwas nicht. Sie seien intolerant, sie hätten schlimme Motive.
    • Nun glaubt mal bloß nicht, dass jetzt die Springerpresse und ausgerechnet die Bild auf dem Anti-BGM-Trip sind.
      Bild schlachtet grundsätzlich alles aus, was nur "schön" blutig ist. Es ist doch bekannt, dass man das Blatt nicht schräg halten darf, dann fließt das Blut raus. Und der von Weguer geliefert Kontext gibt dann den Rest.
      Trotzdem ist es gut, dass der Fall bekannt geworden ist - sonst hat es offenbar niemand für nötig gehalten zu berichten.

      Allerdings muss man den Wahrheitsgehalt bei Bild immer erst mal in Zweifel ziehen - ich weiß aus eigener Erfahrung, dass dieses Blatt "lügt wie gedruckt". Bzw. auch mal 90% dazu erfindet.


      1967 formulierte Axel Springer fünf weltanschauliche Grundsätze, die für jeden Mitarbeiter bis heute verbindlich sind.....

      2. Wir unterstützen das jüdische Volk....
      Und wenn man bedenkt, welche Haltung die Springerpresse in der "Beschneidungsdebatte" eingenommen hat scheint man darunter auch die Verteidigung der Jungenverstümmelung zu verstehen.

      Die Bild Zeitung berichtet:


      Mein Sohn freut sich auf seine Beschneidung


      Ohne Ärger mit der deutschen Justiz. Und später in Deutschland gibt es ein großes Fest.


      Darauf freut sich Janbek schon: Es gibt eine Koranlesung, Geschenke, Geld und Gold.
      bild.de/news/inland/beschneidu…eidung-25078404.bild.html
      Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt
      (oder ist zu jung um sich zu wehren)
    • Jupp, und mal ganz ehrlich, ich find's super, dass Springer diesen Grundsatz formuliert hat. Richtig so.

      Bloß gibt es eben dieses Problem, dass MGM auch zur Tradition in der jüdischen Kultur gehört. Wir müssen uns da nicht zum x-ten Mal im Kreis drehen.

      Hier haben wir es jedenfalls mit einem anderen Kontext zu tun. Die Frage ist, ob das zu drastisch und zu plakativ dargestellt wurde oder nicht.
    • Bestialisch - das stellt Menschen auf die Stufe von Tieren. Nicht auf die von Kuscheltieren, sondern von wilden, gefährlichen Tieren.

      Da fällt mir ein - als ich gefordert hatte, dass Körperverletzung auch bei Kindern und auch sogar bei Jungen bestraft werden muss und nicht "straffrei gestellt" werden kann bin hier im Forum von allen Seiten belehrt worden, dass man die Strafverfolgung einer ungefragte, gewaltsame Amputation eines funktionalen, sensiblen und nicht nachwachsenden Genitalteils nicht fordern sollte, weil man "die Leute mitnehmen" müsse, bzw. man müsse sie dort "abholen, wo sie sind".

      Bestialisch

      Und wer glaubt, dass bei der Bild irgend etwas echt ist, z.B. Empörung, der glaubt wahrscheinlich auch, dass dieses Blatt eine aufrechte Kämpferin für Gerechtigkeit und den "kleinen Mann auf der Straße", usw ist - geschenkt!

      Ja, super, Axel!


      Axel Cäsar Springer hatte da möglicherweise auch ganz spezielle Schuldgefühle, wegen seiner angeblichen Mitverantwortlichkeit für antisemitische Propaganda während der Nazi-Zeit.

      Deutschlandfunk Kultur schrieb:

      "1979 wollte Verleger-Konkurrent Rudolf Augstein dieses dunkle Kapitel veröffentlichen. Doch Springer intervenierte persönlich - und konnte einen Artikel im Spiegel-Magazin verhindern."

      Genau, so was macht man doch nicht unter Kollegen...


      Springer hat in seinem Dekret zwei Völker bzw Staaten vor allen anderen hervorgehoben: die USA und Israel bzw. das jüdische Volk.


      Man wird sich wohl fragen dürfen, wie sich das auf die Berichterstattung und Kommentierung im Hause Springer auswirkt. Und in wie weit persönliche Schuldgefühle eines 1985 verstorbenen Verlegers eine Debatte um elementare Kinderrechte in 2012 beeinflusst haben.
      Und die einstige Taten oder Untaten dieses Herrn Springer in einen Gesetzgebungsprozess eingeflossen sind der heute, im Jahre 2017 ALLEN deutschen Jungen das Recht auf körperliche Unversehrtheit nimmt.


      Nein, bezüglich einer "brit milah" hätte Bild niemals das Wort "bestialisch" benutzt.
      Never, no way!
      Man würde doch niemals riskieren, dass Friede Springer eine ihrer zahlreichen Auszeichnungen aberkannt würde. ;)


      rp-online schrieb:

      Gestern Abend hat die Jüdische Gemeinde in Düsseldorf der 71-jährigen Verlegerin die Josef-Neuberger-Medaille verliehen. Laudatorin Charlotte Knobloch nannte sie "einen Leuchtturm unserer Zeit, eine moderne Heldin".
      ...
      Auch in Deutschland gebe es Intoleranz und Ausgrenzung. Besonders deutlich sei dies im vergangenen Jahr bei der Debatte über die Beschneidung geworden. Die öffentliche Diskussion sei von Arroganz, Missgunst und Respektlosigkeit geprägt gewesen. "Wir mussten erleben, wie schnell und ungezügelt der in der breiten Mitte der Gesellschaft fest verankerte Antisemitismus manifest werden kann."
      ...
      In diesem Zusammenhang nannte die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden Friede Springer "eine entschlossene Mitstreiterin an der Seite der jüdischen Gemeinschaft".
      Klarer kann man es nicht zum Ausdruck bringen. Eine Hand wäscht die andere, und sie waschen so gründlich und so windelweich, dass man lernt, Genitalverstümmelung zu lieben.

      "Missgunst" finde ich besonders gut: "Pfui Deibel, die gönnen den Kinder ihre vollständigen Genitalien nicht!" :FP01 Ach nee, die gönnen sie ihnen ja - von Herzen.

      Ja, vieles dreht sich leider im Kreise. Manches schon seit tausenden von Jahren.
      Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt
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    • Maria Werner schrieb:

      Bloß gibt es eben dieses Problem, dass MGM auch zur Tradition in der jüdischen Kultur gehört.
      Das eigentliche Problem ist, dass vielen Jungen ein sensibler Teil ihres Genitals geraubt wird. Den allermeisten davon aus pekuniären (pseudomedizinischen) Gründen oder aus einer muslimischen (oder afrikanischen) Tradition heraus.

      Aaaber - ich gehe fest davon aus und wäre 2012 jede Wette eingegangen - dass es ohne die jüdische (möglicherweise von den Ägyptern übernommene) Tradition niemals eine Bundestagsmehrheit für ein Gesetz gegeben hätte, das alle Jungen in Deutschland zur Genitalverstümmelung freigibt. Das wäre nicht mal versucht worden.

      In Springers "Grundsätzen" steht da etwas von einer Unterstützung des türkischen Volkes oder der arabischen Völker?
      Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt
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    • Das Problem ist keineswegs, dass ein Verleger sich dem Judentum verpflichtet fühlt, zumal unter dem Eindruck der Shoah. Ich bleibe dabei: richtig so!

      Die meisten anderen Verlagshäuser fühlen sich ja nicht selten offensichtlich eher mal islamistischen Terrorgruppen wie der Hamas verpflichtet und verbreiten jeden Blödsinn, der über arabische Ticker verbreitet wird. Auch dann, wenn das verfälschende Propaganda ist. Einseitige Parteiergreifung zugunsten der Araber ist alles andere als eine Ausnahme. Mit objektiv-neutraler Berichterstattung hat das allzu oft nichts mehr zu tun.

      Das Problem ist doch vielmehr, dass die Tatsache, dass die meisten Menschen es schrecklich finden und ablehnen, wenn kleinen Kindern oder Babys Teile ihrer Sexualorgane amputiert werden, als Antisemitismus interpretiert wird.

      Das ist nicht nur infam, sondern auch unfassbar lächerlich. Menschen innerhalb einer Beschneidungskultur mögen sich durch die Beurteilungen aller anderen Menschen von außen irgendwie angefasst fühlen, sollten sich aber irgendwann die Frage stellen, wieso es niemand sonst großartig findet, kleinen Kindern oder Babys die Vorhaut zu amputieren; seien das nun Deutsche, Dänen, Chinesen oder wer auch immer. Ich hatte das schon weiter oben angesprochen.

      Berechtigte Anliegen und wirklicher Antisemitismus können dadurch ganz schnell an Glaubwürdigkeit verlieren.

      Man hat es schwer, Boden zu gewinnen bei echten Problemen, wenn solche eindeutig falschen Assoziationen die Glaubwürdigkeit des Begriffs "Antisemitismus" derart stark beschädigt haben. Damit wurde am Ende überhaupt niemandem irgendein Gefallen getan.
    • Ich meine, den Nahost-Konflikt sollten wir hier außen vor lassen. Das ist ein sehr kompliziertes Thema, und da wird je nach Couleur viel schwarz/weiß - bzw weiß/schwarz-Malerei betrieben. Off topic.

      Ich habe natürlich kein Problem, wenn ein Verlag ein bestimmtes oder auch mehrere Völker unterstützen möchte. Ich habe auch kein Problem, wenn ein Verlag z.B. das türkische oder palästinensische Volk unterstützen möchte.

      Ich finde das transparent, wenn das in die Satzung geschrieben wird - dann weiß man gleich Bescheid.

      Ein Problem sehe ich, wenn daraus die Verpflichtung zur Verteidigung von Jungenverstümmelung abgeleitet wird.

      Wobei man gerechterweise sagen muss, dass es auch bei Springer einige sehr wenige kritische Artikel gab. Die Gesamtschau ist aber sehr eindeutig.

      Tenor:

      Propaganda-Bild schrieb:

      Guck mal, Brüderchen! | So schön war meine Beschneidung
      Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt
      (oder ist zu jung um sich zu wehren)
    • Nun, gerechterweise müssen wir wohl sagen, dass das in den anderen Medien nicht besser war. Die schlimmste Polemik fand meiner Erinnerung nach in ganz anderen Medien statt. Ich werde beispielsweise niemals die Hetze eines Jörg Lau in der ZEIT vergessen können.

      Jemanden zu unterstützen heißt noch lange nicht, blinde Werbeveranstaltungen durchzuführen. Es kann auch einfach das Weglassen inadäquater Angriffe bedeuten, weshalb mir der Verweis auf den Nahostkonflikt nicht unwichtig ist, ohne dabei ins Detail zu gehen.

      Kommen wir aber doch mal zurück zum eigentlichen Artikel. Hier geht es um einen anderen Kontext, um eine Fallbeschreibung.

      Meiner Ansicht nach ist das eine drastische, aber noch angemessene Beschreibung. Dass stilistisch mit anderen Mitteln gearbeitet wird als in der sogenannten Qualitätspresse, finde ich noch nicht so unnormal, als dass man hier dem Autor schlimme Motive unterstellen könnte.

      Du hingegen sagst, das sei zu blutrünstig dargestellt und überzogen. Habe ich dich insoweit richtig verstanden?
    • Zu der Zeit und dem Tagesspiegel (Martenstein, Lehming - *schauder*), und zur Georg von Holtzbrinck-Gruppe, zu der beide Zeitschriften gehören und deren Geschichte könnte man sicher auch noch einiges schreiben, aber wir wollen das mal nicht zu sehr vertiefen....

      Eben, es kommt darauf an, wie man eine Gruppe unterstützt - und ob dann dafür ggf. andere Nachteile haben.

      Wir wollen uns hier nicht lange über den Bild-Stil unterhalten. Da ist für mich kein großer Spielraum.
      Aber wie gesagt, ich bin BILD dafür dankbar, dass sie überhaupt über diesen ansonsten wohl nie bekannt gewordenen und in der Tat erschreckenden Fall berichtet haben.
      Allerdings hat der Fall ja eine ganze Menge nicht-1631d-konforme Besonderheiten:

      - Sorgerecht der Mutter missachtet.
      - Älter als sechs Monate, OP durch nicht-Mediziner.
      - Der Eingriff erfolgte objektiv gegen den erkennbaren entgegenstehende Willen des Jungen

      Man würde es gerne mal erleben, wenn BILD sich über einen den Gummi-Regeln des 1631d entsprechenden Vorhaut-Raub empören würde.
      Wie sie jedes Jahr -zigtausendfach in Deutschland stattfinden. Die Empörung müsste nicht mal so drastisch sein. Wenigstens so ein klein bisschen.
      Da kenne ich aber keinen Fall.
      Ist ja auch verständlich, wenn man sich so sehr für den 1631d ins Zeug geworfen hat.

      Von daher ist nicht ganz unplausibel, dass Springer das unter "ohne den 1631d gäbe es noch viel mehr solcher schrecklicher Fälle!!!" verbucht - bzw. hofft, dass es beim Leser so ankommt.
      Denn am 1631d gab es nie die leiseste Kritik bei Bild - offenbar überfordert die komplizierte Zeichenfolge "1631d" die Leserschaft
      Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt
      (oder ist zu jung um sich zu wehren)