Angepinnt 1976: Jakob Øster klärt korrekt über die Vorhautentwicklung auf.

    • 1976: Jakob Øster klärt korrekt über die Vorhautentwicklung auf.

      Jakob Øster war ein dänischer Schularzt, der im Jahre 1968 als erster Daten über die Vorhautentwicklung bis zum Abschluss der Pubertät bereitstellte.

      Durch Zufall bin ich auf einem weniger bekannten Artikel Østers aus dem Jahre 1976 gestoßen. In dem Artikel, der den Titel „Clinical Phenomena Noted by a School Physician Dealing with Healthy Children“ trägt, berichtet Øster berichtet über seine Erfahrungen als Schularzt und fasst noch mal die Ergebnisse seiner 8 Jahre zuvor veröffentlichten Studie zusammen:

      Ein Teil dieses Artikels ist öffentlich. Es ist glücklicherweise der Teil des Artikels, der sich mit dem Thema Vorhaut befasst. Ich habe diesen Teil des Artikels übersetzt:

      Klinische Phänomäne, die von einem Schularzt im Umgang mit gesunden Kindern beobachtet wurden.


      Jakob Øster M. D.

      DER SCHULARZT IST IN EINER EINZIGARTIGEN POSITION, da er viele gesunde Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahrewieder und wieder Untersachen kann. Dies gibt ihm die Gelegenheit, Phänome zu beobachten, die ansonsten unbemerkt bleiben. Hier sind einige Beobachtungen, die ich im Laufe mehrerer Jahre während meiner Arbeit als Schularzt machte.


      Die Vorhaut

      Einige Schulärzte vermeiden es, die Genitalorgane von Jungen zu untersuchen. Aber ich teile die weit-verbreitete professionelle Zurückhaltung auf diesem Gebiet nicht, und als Sexualaufklärungslehrer kann ich dies in einer ungezwungenen Art tun.


      Vor einigen Jahren war mir Gairdners Werk von 1949 bekannt, das zeigte, dass selbst im Alter von 3 Jahren bei 10 Prozent der Jungen die Vorhaut immer noch nicht zurückgezogen werden konnte. Seine Population war teilweise beschnitten. Ich untersuchte damals den Zustand der Vorhaut bei Jungen aus einer Population, in der die Mütter und die Ärzte niemals zur Beschneidung oder zur Retraktion und Aufweitung der Vorhaut motiviert waren.

      Die Gründe, warum die Vorhaut nicht zurückgezogen werden kann, sind: 1) Die Öffnung der Vorhaut ist eng, oder 2) das Epithel zwischen der Eichel und der Vorhaut ist zusammengeklebt, oder 3) beide Zustände treten zusammen auf. Bei 1000 Untersuchungen fand ich eine Phimose bei 4 Prozent. Ihre Häufigkeit ging von 8 Prozent bei den Sechs-bis Siebenjährigen bis auf 1 Prozent bei den Über-14-Jährigen zurück.2 Weitere 2 Prozent hatten eine enge Vorhaut, d. h. eine Vorhaut, die, wenn auch mit Schwierigkeiten, zurückgezogen werden konnte. „Adhäsionen“ gingen von 63 Prozent bei den sechs- bis siebenjährigen Jungen auf 3 Prozent bei den 16- bis 17 jährigen Jungen zurück.

      Fünf Prozent aller Jungen wiesen Smegma auf. Dieser Anteil stieg von 1 Prozent in der Altersgruppe der Sechs- bis Siebenjährigen bis auf 8 Prozent in der Altersgruppe der 16- bis 17-Jährigen.

      Meine Schlussfolgerung ist, dass eine enge Vorhaut ein physiologischer Zustand ist, der sich spontan zurückbildet. Unbeholfene Retraktionsversuche können zu iatrogener sekundärer Phimose führen, wie in Abbildung 1 gezeigt wird.

      Darüber hinaus stellen die „Adhäsionen“ zwischen Eichel und Vorhaut ein biologisch enstandenes, gemeinsames Epithel dar, welches sich ganz von allein während des Wachstums in der Kindheit und im Jugendalter trennt.



      Jakob Øster gibt hier eine völlig korrekte Zusammenfassung der natürlichen Entwicklung der Vorhaut wieder – vor über 40 Jahren.

      Und 40 Jahre später haben es viele Ärzte in Deutschland und Österreich offenkundig immer noch nicht verstanden. Sie geben irgendwelche Altersgrenzen an, bis zu denen die Vorhaut zurückziehbar sein muss, die in der Regel auf (die von Øster zitierte) Artikel von Douglas Gairdner aus dem Jahre 1949 zurückgehen, der nur Jungen bis zum 5. Lebensjahr untersuchte, von denen einige schon diversen Retraktionsversuchen unterzogen worden waren. Ich fasse es wirklich nicht.

      Seit dem Erscheinen dieses Artikels im Jahr 1976 sind 10 weitere Studien aus allen Erdteilen erschienen, die Østers Studienbefunde wieder, wieder und wieder bestätigen.

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    • Ich kann das voll und ganz bestätigen, was Oster festgestellt hat, insbesondere dass 63% der sechs- bis siebenjährigen Jungen Adhäsionen haben, d.h. Vorhaut und Eichel sind noch ganz oder teilweise miteinander verklebt. Wie ich schon schrieb beteiligte ich mich im Alter von etwa 7-9 Jahren (noch in DDR-Zeiten) oft an Penisvergleichen mit gleichaltrigen Freunden, und da sah ich dass die meisten ihre Vorhaut noch nicht oder nur zum Teil zurückziehen konnten. Mir ist nicht bekannt, dass später jemand davon beschnitten wurde.