Wäre auch bei einer starken Phimose eine Dehnung möglich gewesen

    • Wäre auch bei einer starken Phimose eine Dehnung möglich gewesen

      Guten Abend,
      ich bin wohl einer der wenigen, die eine echte Phimose hatten, allerdings wurde mir als Kind nie gezeigt, dass man die Vorhaut zurückziehen können muss - das habe ich dann erst durch Kumpels/Nachbarn erfahren. Da meine Vorhaut auch ziemlich lang war, konnte ich sie nie soweit zurückziehen, dass man auch nur ein Stück von der Eichel sehen konnte ... :/
      2 -3 mal habe ich es noch mit Gewalt versucht aber nachdem es geblutet hat auch wieder sein lassen, zusätzlich ist es dann noch weiter vernarbt und ich hatte auch noch Probleme beim Pinkeln :thumbsup:

      Ende der Geschichte: Ich habe etwa noch ein Jahr mit diesem "Zustand" gelebt, bis ich wegen einer schweren Mittelohrentzündung einen Krankenhausaufenthalt hatte - dabei wurde dann auch meine Phimose "entdeckt". Mir wurde dann nur kurz erklärt, dass man die Vorhaut in meinem Alter zurückziehen können muss und nun eine "kleine OP" zur Behebung notwendig ist - diese wurde dann einen Tag später durchgeführt und seit diesem Zeitpunkt liegt meine Eichel nun komplett frei ... .

      Meint ihr es hätte etwas gebracht, wenn ich als Kind gedehnt hätte oder ist es ab einem gewissen Grad sinnlos? Gibt es heute eigentlich schon bessere Möglichkeiten als die ganze Vorhaut zu entfernen zu lassen?

      Vielen Dank für Eure Antworten!
    • 25-M schrieb:

      Meint ihr es hätte etwas gebracht, wenn ich als Kind gedehnt hätte oder ist es ab einem gewissen Grad sinnlos?
      Sagen wir es mal so:
      Mir wurde eine sogenannte "tight"-Beschneidung verpasst. Das heißt, selbst im schlaffen Zustand gabs kaum Hautfalten, im erigierten Zustand war die Haut straff, manchmal unangenehm gespannt.
      Ich werde mir meine Vorhaut wieder komplett, also mit Vollbedeckung wieder herstellen. Da die Vorhaut ja zweilagig ist, sprechen wir hier von ca. 6-8 cm Haut. Gut die Hälfte davon habe ich schon, also 3-4 cm. Allein durch Dehnen!
      Damit sollte sich die Frage, ob sich Deine Enge durch Dehnen hätte beseitigen lassen, erübrigen. Selbstverständlich geht das, egal wie eng. Es dauert halt entsprechend. Und je mehr Narben, desto schwieriger wirds. Aber bei unvernarbter Haut ist es definitiv möglich.


      25-M schrieb:

      Gibt es heute eigentlich schon bessere Möglichkeiten als die ganze Vorhaut zu entfernen zu lassen?
      Ja, die gibt es. Vorhauterhaltende OP-Methoden, also Vorhautplastiken, sind Stand der Medizin. Bei leichteren Fällen die Dorsal Inzision, bei schwereren Fällen die Triple Inzision. Dabei werden 1-3 Schnitte gesetzt und quer vernäht. Man verliert dabei kein Hautgewebe, die Vorhaut wird lediglich um das Maß kürzer, um das sie sich weitet.
      Ohne also Deinen Zustand gesehen zu haben und ohne Mediziner zu sein vermute ich mal, dass das auch bei Dir ohne Probleme möglich gewesen wäre.
      Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
      Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
      Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
      tredition.de/autoren/clemens-b…-schnitt-paperback-44889/
    • T12345T schrieb:

      Sorry, ist jetzt vielleicht nicht so passend, aber ich frage mich wirklich, wie wird bei einer Mittelohr Entzündung eine Phimose entdeckt?
      Soweit ich mich erinnern kann, ist es einer Krankenschwester aufgefallen, als ich in der Nacht mal die Flasche zum Pinkeln bekommen habe - dünner Strahl und es hat bei mir immer länger, wie normal gedauert.


      weguer schrieb:

      Mir wurde eine sogenannte "tight"-Beschneidung verpasst. Das heißt, selbst im schlaffen Zustand gabs kaum Hautfalten, im erigierten Zustand war die Haut straff, manchmal unangenehm gespannt.
      Wurde bei mir auch gemacht: schlaff geht die Vorhaut bis fast an die Eichel und es bildet sich ein kleiner Wulst dahinter. Errigiert ist alles glatt, wobei ich keine Schmerzen habe und nichts spannt.

      weguer schrieb:

      Es dauert halt entsprechend. Und je mehr Narben, desto schwieriger wirds.
      Vernarbung hatte ich definitiv - siehe oben: dünner Strahl beim Pinkeln und aufblähen

      Aktuell überlege ich auch meine Vorhaut durch Dehnen wiederherzustellen - gibt es ein Minimum an Restvorhaut, das man noch haben muss?
    • Definitiv nein. Je mehr Haut du hast, desto schneller geht's. Und je mehr innere Vorhaut Du hast, desto mehr davon (also dünnere, empfindlicher Schleimhaut) kannst Du vervielfachen. Aber ein Minimum um zu starten gibt es nicht.
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    • Weguer schrieb:

      Definitiv nein. Je mehr Haut du hast, desto schneller geht's. Und je mehr innere Vorhaut Du hast, desto mehr davon (also dünnere, empfindlicher Schleimhaut) kannst Du vervielfachen. Aber ein Minimum um zu starten gibt es nicht.
      Innere Vorhaut ist ja die, die sich farblich abhebt (heller) aber kann man die gezielt dehnen? Ich habe davon noch circa einen Zentimeter aber der Verschwindet unter der "anderen" Vorhaut, wenn ich sie nach vorne ziehe ...
    • 25-M schrieb:

      aber kann man die gezielt dehnen?
      Jo, kann man.
      Ich nutze ja bisher ausschließlich den DTR, deshalb kann ich nicht sagen, wie das bei anderen Devices funktioniert. Beim DTR jedenfalls ist die Direct-Air-Methode diejenige, die am besten zum Dehnen der inneren Vorhaut geeignet ist. Chuck, der Erfinder des DTR hatte früher auf seiner Seite Darstellungen, wie die unterschiedlichen Methoden genau wirken, d.h. er markierte farblich, wo der meiste Zug vorherrscht. Inzwischen hat der die Seite umgestaltet und diese Darstellungen seltsamerweise entfernt.
      Unter der Beschreibung der Air-Methode heißt es noch immer:

      Chuck Torres schrieb:

      This direct air method really puts a lot of stress on the skin just under the glans. 2 to 4 hours a day when using this method is enough to stress the skin after that I may switch to a less aggressive method for a few more hours that day.
      Und wenn Du manuelle Methoden anwendest, ziehe einfach ganz gezielt an diesem Bereich. Was Du dehnts, wird vermehrt.
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    • Hallo "25-M",


      25-M schrieb:

      Meint ihr es hätte etwas gebracht, wenn ich als Kind gedehnt hätte oder
      ist es ab einem gewissen Grad sinnlos? Gibt es heute eigentlich schon
      bessere Möglichkeiten als die ganze Vorhaut zu entfernen zu lassen?


      Könntest Du uns mitteilen, wann der Eingriff genau stattfand (welches Jahr) und wie alt Du damals warst. Das ist für die Beantwortung deiner Frage wichtig.


      Grundsätzlich kann man deine Frage mit Ja beantworten.


      Vorhauterhaltende Behandlungsalternativen (Vorhautplastiken) existieren seit langem. Der britische Artzt Welsh beschrieb eine Vorhautplastik bereits im Jahr 1936. Aber diese Technik wurden in der medizinischen Praxis nie wirklich angewandt. Im "großen Stil", d. h. von großen Krankenhäusern durchgeführt werden Vorhautplastiken erst ab circa den 1990ern – zumindest im Ausland.

      Welsh Vorhautplastik wird heute in einer abgewandelten Form unter dem Namen "Triple Inzision" in großen Kliniken weltweit praktiziert. Allerdings dauerte es über 50 Jahre und sie musste erst 1992 vom schwedischen Arzt Wahlin modifiziert werden, ehe sie ihren Durchbruch fand.

      Die Behandlung mittels Corticosteroid-haltiger Salbe exisiert seit mindestens 1986 (1). Aber auch diese Behandlungsmethode hat sich erst in den 1990ern wirklich durchgesetzt. In Deutschland, so würde ich sagen, eigentlich erst in den letzten paar Jahren.

      1. Lang K. Conservative therapy of phimosis. Monatsschr Kinderheilkd 1986;134(11):824-5.http://www.cirp.org/library/treatment/phimosis/lang1/
    • Sokrates schrieb:

      Könntest Du uns mitteilen, wann der Eingriff genau stattfand (welches Jahr) und wie alt Du damals warst. Das ist für die Beantwortung deiner Frage wichtig.
      Danke für die Antwort - der Eingriff war wohl etwas nach 2000 und ich war ich ungefähr 10 - 12 Jahre alt.
      Letztlich kann man das alles nicht mehr ändern aber es ist nur eine Frage an mich, ob es eventuell noch gegangen wäre interessiert mich ... .
    • Diagnose: Phimose?

      In einer meiner anderen Beiträgen auf diesem Forum habe ich mich bereits ueber Phimose geäußert.
      Kurzversion: Das schlimmste, was bei einer Dehnung der Vorhaut passieren kann, ist dass sie zerreißt oder zu dünn wird. Im aller schlimmsten Fall müsste man sie dann wie normal bei einer Beschneidung entfernen.
      Phimose iST KEIN GÜLTiGER GRUND für eine Beschneidung.
      Bei mir haben die Ärzte nicht mal eine Dehnung versucht, und sind einfach und rücksichtslos mit dem Geld der Krankenkasse davon gekommmen. Ach ja, ich bin nur einer von vielen irrelevanten Betroffenen. Alles, wozu wir wert sind, ist es, Unbeschnittene in der Form von Schadenfreude zu bereichern. :!: <X *Kotz*
    • brokendream schrieb:

      Bis zu der Mitte der 2000er Jahre war die Dehntherapie mit Salben und Co nicht weit verbreitet.
      Das stimmt so nicht. Mein Vater wollte mich, als ich 14 J. alt war, erstmalig sexuell aufklären (etwas spät...). Dabei erzählte er mir auch, dass die Vorhaut zurückzuziehen gehen muss. Falls das nicht gehen sollte, gibt es beim Arzt eine Salbe. So war das damals bei ihm (1970er Jahre) und danach ging seine Vorhaut zurück. Ich sagte ihm dann, dass er sich keine Sorgen machen soll, die Haut geht bei mir zurückzuziehen. Demzufolge gabs Salben schon lange und vermutlich damit auch eine Dehntherapie.
    • Neu

      Ich hatte auch eine sehr ausgeprägte Phimose. Kann mich auch daran erinnern, dass mit 5 oder 6 bei mir Dehnversuche mit Salbe gestartet wurden. Zum einen, weil der Kinderarzt damals nicht zimperlich war und zum anderen, weil diese immer unter den wachsamen Augen meiner Mutter machen musste.
      Gebracht hat es wohl nicht viel. Irgendwann geriet mein Vorhautproblem auch in Vergessenheit, bis ich selbst mit 12/13 merkte, dass was nicht stimmt. Kurz darauf hatte ich eine Untersuchung beim Jugendarzt, den meine Mutter offensichtlich vorher gebeten hatte, sich bei mir ALLES anzuschauen. Er sprach mich auf jeden Fall direkt darauf an, ob ich Probleme mit der Vorhaut habe.
      Er war ganz gut drauf und hat mich an einen Urologen verwiesen.
      Der verschrieb mir eine Kortisonsalbe, die ich 8 Wochen lang zum Dehnen verwendete. Die ersten 4 Wochen waren sichtbar erfolgreich. Meine Vorhaut-Öffnung dehnte sich von stecknadelkopfgroß auf fast einen ganzen Zentimeter auf. In den zweiten 4 Wochen tat sich aber rein gar nichts mehr.
      Nach 2 Monaten Pause wurde ein zweiter Versuch gestartet. Die Öffnung hatte sich bereits wieder etwas verengt in der Zeit, war jedoch noch weiter als ganz zu Beginn.
      Am Ende der 2. Anwendung nach weiteren 8 Wochen, war das Ergebnis nur wenig besser als nach dem ersten Mal.
      Salbentherapie kann also funktionieren, muss aber nicht.
      Heute bin ich beschnitten, bereue aber nicht, das Dehnen versucht zu haben.
    • Neu

      onka92 schrieb:

      Zum einen, weil der Kinderarzt damals nicht zimperlich war und zum anderen, weil diese immer unter den wachsamen Augen meiner Mutter machen musste.
      ... Kurz darauf hatte ich eine Untersuchung beim Jugendarzt, den meine Mutter offensichtlich vorher gebeten hatte, sich bei mir ALLES anzuschauen.
      Zum Glück hat sich meine Mutter nie für meine Vorhaut interessiert, und das war auch gut so, denn ich wollte das nicht. Auch mein Vater hat das nie kontrolliert, hat uns nur aufgeklärt, aber erst als die Vorhaut schon zurück ging.
    • Neu

      @ thommyx: korrekt, 1987 / 88 habe ich auch eine Dehntherapie mit Cortisonsalbe bekommen und ich kenne einen weiteren Mann, der ungefähr zur selben Zeit eine dorsale Inzision bekommen hat. Dabei wurde die Vorhaut an der Unterseite des Penis tief eingeschnitten und versetzt wieder zusammengenäht, was auch eine größere Öffung an der Spitze hinterlässt. Das ist nur mittlerweile vermutlich sehr aus der Mode gekommen, weil es nicht symmetrisch aussieht. Er war aber sehr zufrieden damit und war froh, daß er keine Haut und keine Nervenzellen (!) endgültig verloren hat.

      Man glaubt es manchmal nicht, was für einen Einfluss manchmal ein einzelner Mensch (Arzt) haben kann, aber täglich 1 Fall mal 25 Berufsjahre machen bei ~ 200 Arbeitstagen pro Jahr = 5000 beschnittene Jungs oder eben welche mit Salbe und erstmal anders versuchen. Ja, diese Rechnung ist sehr vereinfacht, sie würde heißen, daß 100% der Patienten der Therapieempfehlung folgen und 100% Erfolgsquote bei Salbentherapie, das ist in der Realität sicher nicht so.

      Meine Erfahrung ist: Haut lässt sich dehnen, schaut Euch die jungen Leute mit den riesigen Ohrtunneln an. Das geht auch weit ins Erwachsenenalter hinein. Wenn das bei der Vorhaut nicht klappt, ist vielleicht der Zeitpunkt zu früh oder die Therapie zu kurz. Eine Phimose ist auch oftmals nicht das Drama, zu dem es gemacht wird. Man kann ganz locker damit leben, wenn sich nix entzündet und keine weiteren Probleme auftauchen. Deswegen bleibt meine Überzeugung: auch und gerade über seine intimsten Stellen sollte jeder für sich selbst entscheiden dürfen. Nicht akut notwendige Entscheidungen über den Körper eines anderen Menschen (ja, auch Kindes) kann man gern aufschieben, bis der- oder diejenige selbst für sich sprechen kann. Meine Hoffnung ist es, daß alle, die sich in Zukunft beschneiden lassen, eine eigene, gut informierte Entscheidung treffen.