8. Mai 2017 - Fachtagung Universitätsklinikum Düsseldorf: "Beschneidung von Jungen in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme."

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    • 8. Mai 2017 - Fachtagung Universitätsklinikum Düsseldorf: "Beschneidung von Jungen in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme."

      jungenbeschneidung.de

      Klinisches Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Düsseldorf
      MOGiS e.V.
      Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) - Sektion Kinder- und Jugendpsychosomatik

      Fachtagung: Jungenbeschneidung in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme.

      Am 7. Mai 2017 jährt sich zum fünften Mal der Tag der Verkündung des sogenannten „Kölner Beschneidungsurteils“. Das Kölner Landgericht bewertete darin eine medizinisch nicht-indizierte operative Vorhautentfernung an nicht-einwilligungsfähigen Jungen als eine strafbare Körperverletzung.

      Während dieses Thema vorher eher in juristischen und medizinischen Fachkreisen diskutiert worden war, entstand nun in Folge des Kölner Urteils eine kontroverse öffentliche Debatte. Vertreter von Religionsverbänden empfanden es als einen Angriff auf ihre Religion und Kultur. Von diversen Ärzteorganisationen, Menschen-, Frauen- und Kinderrechtsverbänden hingegen wurde es als Impuls für den Kinderschutz ausgelegt und die Einsetzung eines Runden Tisches gefordert. Leidvoll betroffene Männer wagten zunehmend, von ihrem Erleben zu berichten und sich in die politische Debatte einzubringen.

      Der Deutsche Gesetzgeber gestattete Eltern schon wenige Monate später im dafür neu geschaffenen §1631d BGB, aus jeglichem Grunde in eine medizinisch nicht notwendige Vorhautentfernung ihres Sohnes rechtswirksam einzuwilligen. Eine spätere Evaluation des Gesetzes wurde abgelehnt. 70% der Menschen in Deutschland lehnten die beschlossene neue gesetzliche Regelung ab.

      Die mit Emotionen aufgeladene Debatte hinterließ tiefe gesellschaftliche Gräben. Eine sachliche Diskussion geriet dabei in den Hintergrund. Es blieben und bleiben zu viele Fragen, die in der kurzen Zeit des Gesetzesverfahrens nicht umfassend erörtert werden konnten.
      Trotzdem ist das Thema „Jungenbeschneidung“ seitdem aus der Politik und den deutschen Medien weitgehend verschwunden. Dies überrascht auch insofern, als dass die Debatte in der Fachwelt und Betroffenenarbeit auch öffentlich weiterhin anhält. In anderen Ländern wird sie ebenfalls lebhaft und kontrovers geführt, wobei in dortigen Medien weniger Berührungsängste zum Thema an sich festzustellen sind.
      Millionen von Männer leben in Deutschland mit den Folgen einer Vorhautentfernung. Die Gründe für die Operation, das Ausmaß und die Umstände der Durchführung differieren stark. Dementsprechend vielfältig wird sie individuell verarbeitet. Oft spielen religiöse oder kulturelle Motivationen der Eltern eine Rolle. In der überwiegenden Zahl jedoch sind es häufig zweifelhafte angeblich medizinisch notwendige Beschneidungen bei kindlichen Vorhautengen. Der Verlust der Vorhaut wird auch hier noch geläufig als vermeintlicher „kleiner Schnitt“ ohne Folgen bagatellisiert. Die vielfach in der politischen Debatte 2012 benannte angeblich nicht-betroffene deutsche Mehrheitsgesellschaft, die über religiöse und kulturelle Werte von Minderheiten urteile, entpuppt sich bei näherer Betrachtung folglich als Mythos. Denn dieses Thema betrifft alle Bevölkerungsschichten. Es geht somit auch alle an.

      Beratungsstellen, Psychologen und Mediziner sehen sich heute vermehrt mit Anfragen von Betroffenen konfrontiert. Oft ist dort über Anatomie und Funktion der männlichen Vorhaut sowie mögliche negative Folgen von Vorhautentfernungen im Kindes- und Jugendalter noch wenig bekannt. Unsere Gesellschaft steht erst am Beginn, auch der genitalen Autonomie von Jungen die notwendige Beachtung zuzugestehen.
      Die Fachtagung „Jungenbeschneidung in Deutschland“ am 08.05.2017 am Universitätsklinikum Düsseldorf möchte aus den entsprechenden Fachbereichen auf aktuellem Wissens- und Forschungsstand informieren. Es gilt, diesem kontroversen sowie mit Tabus und Ängsten besetzten Thema eine Plattform des sachlich fundierten und respektvollen Dialoges zu schaffen.

      Vortragende:

      Dr. Kolja Eckert
      Prof. Dr. Maximilian Stehr
      Dr. Wolfgang Bühmann
      Prof. Dr. Jörg Scheinfeld
      Prof. Dr. Mikael Aktor
      Dr. Necla Kelek
      Victor Schiering
      Önder Özgeday
      Prof. Dr. Matthias Franz
      Renate Bernhard
      Dateien
    • Die Namensliste der Vortragenden liest sich gut.

      Bitte nicht das Thema Beschneidung und HIV vergessen. Ich möchte mal von kompetenter Seite - am liebsten vom Robert Koch Institut lesen, dass B. keinen Mann vor der Ansteckung mit HIV schützt. Oder eben doch. Aber nicht mehr dieses "in Afrika ja und hier nicht" wie es immer noch von allen möglichen Organisationen verbreitet wird. (z.B. Deutsche Aids Stiftung).
      Bitte!
    • Pizarro73 schrieb:

      Und es besteht ja auch sicher die Möglichkeit für Fragen für TagungsteilnehmerInnen.
      Wenn ich denn mal aus meinem Sumpf und meiner Tretmühle rauskommen würde...ich hätte in der Tat fragen...
      Dr. Eckert würde ich fragen, ob er denn auch mal ein Aufklärungsvideo für Youtube machen würde, so ala Claudia Görner, aber halt nur den Gegenentwurf...an der Vorhaut kleiner Jungs hat niemand was zu suchen oder zu beüben, wenn da einer was beübt, dann der Junge, und wenn der Junge beübt, dann unbedingt machen lassen, ihn nicht zurechtweisen oder davon abhalten, falls der Junge in der Pubertät immer noch ne Enge hat, soll er das selber regeln und sich informieren.
      Und das die Vorhaut wichtig ist fürs sexuelle empfinden und erleben, eine Beschneidung nie ohne absolute med. Indikation gemacht werden soll, die Entscheidung zur Entfernung genauso streng getroffen werden soll, als ob es um die Hand oder den Fuß ginge...
      Die Lüge ist schon dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe angezogen hat. (Mark Twain)
    • Und wen ich noch fragen würde...Dr. Bühmann, mitverantwortlich für dies:

      jungensprechstunde.de/fileadmi…s-Broschuere_Urologen.pdf

      "Was ist, wenn du die Vorhaut nicht oder nur unter Schmerzen über die Eichel zurückschieben kannst? Dann sprechen Urologen von einer Vorhautverengung oder Phimose, die – abhängig vom Ausmaß der Verengung – mit Salbe oder verschiedenen kleinen, meist ambulant durchgeführten Eingriffen behandelt werden kann. Einzelheiten wird die Urologin/der Urologe gerne mit dir besprechen, wenn du davon betroffen bist."

      Einzelheiten der Behandlungsmöglichkeiten werden doch nicht in Abhängigkeit vom Ausmaß der Verengung besprochen, sondern eher vom Kenntnis und Ausbildungsstand des jeweiligen Urologen?

      Wenn Herr Dr. Bühmann Jungen aufklären will, warum dann nicht richtig? Das die Vorhaut wichtig ist und wichtige Funktionen hat, eine Beschneidung zu massiven Empfindungsverlusten führen kann die irreversibel sind?...

      Und für die meisten Urologen sind radikale Beschneidungen kleine ambulante Eingriffe...weil sie nur dies können und gelernt haben...und die anderen verschiedenen Möglichkeiten werden schlecht gemacht oder gar verschwiegen, genauso wie mögliche neg. Folgen...

      Für mich ist diese Empfehlung und Aufklärung in dem Flyer so, als ob ich ein ahnungsloses Schwein zum Metzger schicken würde, um es dort fragen zu lassen, was der den beruflich so mache...

      Und dann wäscht man sich die Hände in Unschuld, den die Urologin/der Urologe ist ja verantwortlich
      Die Lüge ist schon dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe angezogen hat. (Mark Twain)
    • @Urolüge
      "Und für die meisten Urologen sind radikale Beschneidungen kleine ambulante Eingriffe...weil sie nur dies können und gelernt haben...und die anderen verschiedenen Möglichkeiten werden schlecht gemacht oder gar verschwiegen, genauso wie mögliche neg. Folgen..."

      Es wäre sicher sehr interessant, was Herr Dr. Bühmann dazu sagen würde, zumal Prof. Stehr ja 2014 beim Kölner Symposium ausdrücklich betonte, eine VA sei "kein kleiner Eingriff".
      Dafür sind wissenschaftliche Tagungen ja da: sich auch gegenseitig inspirieren und auf den neusten Stand bringen.