Meine Beschneidung, meine Verstümmelung, meine Kastration im Namen Gottes

    • Meine Beschneidung, meine Verstümmelung, meine Kastration im Namen Gottes

      Ich wurde mit 5 beschnitten.
      Mein Vater, der leider vor einigen Jahren verstarb, zwang mich aus religiöser Überzeugung. Meine Mutter, die anfangs skeptisch war, wurde von ihm, den Ärzten und muslimischen Bekannten überredet.
      Keiner von denen wusste wirklich, was Beschneidung bedeutet. Ausser der Arzt, aber der sagte nichts. Nur dass es sehr gut ist, und sehr hygienisch. Da ich seit einer Krankheit im Kindesalter Probleme mit meinem Gehör habe, sollte ich zu einer Untersuchung, in der ich unter Vollnarkose operiert werden musste. Diese Chance namen meine Eltern wahr, um mich beschneiden zu lassen.

      Mir hat man nichts gesagt. Aus Angst ich könnte eine Szene machen. Ich bin ins Krankenhaus gefahren und alle waren sehr nett zu mir. Dann bekam ich die Narkose. Das Nächste, was ich weiß, ist, dass ich nackt auf der Bettkante sitze und bitterlich weine. Mein Penis sieht grotesk aus, er ist so geschwollen, dass er fast rund ist. Die Eichel, die ich davor noch nie gesehen habe, ist pink. Ein komischer Ring ist an ihrem Ende und hält die Haut zurück. Es tut furchtbar weh. Mein Vater beteuert immer wieder wie stolz er auf mich ist. Dass ich jetzt ein richtiger Muslim sei. Ich weinte trotzdem.

      Die nächsten drei Wochen waren eine Qual. Ich weiß nicht ob die Narben weh taten oder die vertrocknende, freigelegte Eichel. Ich konnte keine Hose tragen. Ich konnte nicht laufen. Ich konnte mich im Bett nicht zudecken. Ich lag stundenlang im Bett auf dem Rücken mit angewinkelten Knien, dass die Decke meine Eichel nicht berührt. Tagelang. Ich weinte häufig. Das erste mal, als ich auf's Klo ging, wusste ich nicht, was passieren würde. Ich hatte Angst es könnte weh tun. Ich hatte Recht. Von nun an hielt ich es zurück, bis es nicht mehr ging. Der Druck war deshalb größer. Es war schlimmer. Aber ich hatte Angst.

      Irgendwann tat es nicht mehr weh. Ich konnte keine engen Hosen tragen. Wie lange weiß ich nicht. Es kommt mir heute wie eine Ewigkeit vor. Aber auch das verging. Irgendwann.


      Eines Tages spielte ich mit meinen Freunden in der Umgebung. Einer sagte er müsse auf's Klo. Ich musste auch. Wir gingen zu einem Busch. Er machte die Hose auf und pinkelte. Ich pinkelte nicht. Ich schämte mich. Zum ersten mal. Die Scham blieb. Bis heute. In der Schule, beim Schwimmunterricht, kämpfte ich mich immer ganz nach vorne, an die Türe, um den Platz an der Ecke zu bekommen. Während die anderen Jungs nackt herumalberten, zog ich mich mit Hilfe eines Handtuchs um und verlies den Raum fluchtartig. In der Sauna zog ich immer eine Badehose an. Ich ging nie in Gemeinschaftsduschen. Niemand durfte wissen, dass ich anders war. Ich wollte immer gerne wie die anderen sein. Einfach mal mit meinen Freunden nackt in den See springen. Sprüche wie: "Der will uns seinen kleinen Schwanz nicht zeigen!" ertrug ich. Ich lachte mit. Niemand durfe den wahren Grund wissen. Heute weiß ich, dass ich nicht ausgelacht werden würde, aber das "nicht nackt sein dürfen" brannte sich so in mein Unterbewusstsein, dass ich bis heute nicht die Kraft finde, diese Angewohnheit zu überwinden.

      Irgendwann begann ich über all das nachzudenken. Wieso bin ich beschnitten? Weil ich ein Muslim bin.
      Wieso bin ich ein Muslim? Mir fiel keine Antwort ein. Also wieso bin ich beschnitten?

      Ich sprach nie mit Freunden oder Freundinnen über meine Beschneidung. Und sie fragten auch wenig.
      "Mein Vater ist halt Muslim" reichte immer als Antwort. Zum Glück.


      Erst jetzt beginne ich mich mit Beschneidung auseinanderzusetzen. Erst jetzt, mit 23, lese ich über die sexuellen Folgen. Lese ich über den Sensitivitätsverlust. Ich habe nie einen unbeschnittenen Penis erigiert gesehen und war sehr überrascht als ich las, dass die Eichel weich, feucht und empfindlich ist. Ich lese über Verhornung, über Stimulanzzonen wie innere Vorhaut, Dorsalnerv oder Vorhautbändchen. Lese, dass beschnittene Männer nur die Schnittnarbe zur Stimulierung haben, da dort noch Reste der so sensiblen Vorhaut kleben. Ich denke darüber nach, wie Sex sich anfühlen könnte. Wenn alles noch da wäre. Aber das ist es nicht.


      Ja, es stimmt. Ich kann länger. Noch kann ich nur länger. Aber ab wann kann ich gar nicht mehr? Ich bin 23 Jahre alt. Das heißt auch, dass ich mit ca. 23-jährigen Frauen schlafe. Aber ich muss kämpfen. Unter 20 min geht nichts. Manchmal habe ich nach einer Stunde einfach keine Lust mehr. Sex ist nicht schön, wenn man nur an seinen Orgasmus denken kann.

      Meine Beschneidung ist das schlimmste, was man mir je angetan hat. Sie hat mein gesamtes Leben beeinflusst. Hat mich immer mit Scham erfüllt. Meiner Mutter tut es sehr leid. Sie sagt sie würde es nie wieder tun. Das hilft seelisch aber nicht körperlich.

      Meine Vorhaut ist weg und kommt nicht wieder.
    • Hallo Baba,

      Ich habe mir heute Abend vor'm Fernseher einen Spaß draus gemacht, Deinen Text ins Englische zu übersetzen. Bin natürlich kein Profi.

      My circumcision, my mutilation, my castration in the name of God

      I was circumcised when I was 5 years old.

      My father who unfortunately died some years ago imposed it on me for religious reasons. My mother who would be rather sceptical about it at the beginning was persuaded by him, the physicians and some muslim friends.

      No one of them truely knew what circumcision is all about. Exept of the physician, who didn't speak about it. He just mentioned that it would be pretty fine and very hygienic. Due to the fact that I've got problems with hearing since being young aged, I had an examination to be done, an operation that had to be performed in general anasthesia. My parents seized this opportunity to get me circumcised.

      No one told me about it, being afraid I could make scenes. I was brought to the hospital and everyone was very nice to me. Than the anasthesia was given to me. The next thing I remember is sitting naked at the edge of the bed and crying bitterly. My penis looks bizarre, it is swollen so much that it's almost a ball. The glans I've never seen before is pink. A strange ring is put on the end of it, holding back the skin. It is hurting terribly. My father affirms again and again how proud he is about me. He tells me I would be a true Muslim now. I'm crying though.

      The following three weeks were a torture. I do not know if it were the scars hurtig or the dried glans laid open. I wasn't able to wear trousers. I coudn't walk. I couldn't cover myself with a blanket. For hours I laid on the bed on my back with my legs angled so the blanket couldn't touch my glans. For days. I often cried. The first time I had to go to the toilet I wondered what would happen. I was afraid it could be painful. I was right. From now on I held it back as long as possible. So the pressure raised, it would go worse. But I was scared.

      Some day it stopped hurting. I coudn't wear tight trousers for I don't know how long. Today it seems to me it has been an eternity. But this passed by as well. Some day.

      One day I played with my friends in the neighborhood. One of them said he had to pee and so had I. We went to a bush. He opeded his trousers. But as for me, I coudn't. I felt ashamed. The shame stayed - until today. In school when we had swimming lessons I always fought my way forward to the door in order to reach a place at the corner. While the other boys messed around nakedly I changed my clothes with a towel wrapped around and rushed out of the room. In a sauna I've always been wearing a bathing suit. I've been looking for a seperate shower. No one should know I was different. I always wanted to be like anyone else. Just jumping naked into the lake with my friends. I beared mockeries like: "he doesn't want to show us his little prick" and joined laughing. I wanted no one to know about the true reason. Today I'm aware of the fact that I would not be laughed at, but "not being allowed to be naked" is burned in my subconciousness, so I can't find the strengh to overcome this habit until today.

      Some day I began thinking about all of this. Why am I circumcised? Because I'm a Muslim. Why am I a Muslim? I couldn't find an answer. So why am I circumcised?

      I never spoke with friends, girls or boys, about my circumcision, and they hardly asked anything about it. Fortunately, the answer "my father is a Muslim" has always been sufficiant.

      It is only now that I begin to elaborate what circumcision is all about. It is only now that I, being 23 years old, begin to read what it does to sexuality. I read about the loss of sensivity. I've never seen an erected uncircumcised penis and was rather surprised when I learned that the glans is soft, humid and sensitive. I'm reading about acrokeratosis and about stimulating zones just like the inner foreskin, the dorsal nerv and the preputial skin. I'm learning that circumcised men only have the cicatrice where the cut has been made to get stimulated because there, some parts of the foreskin are left. I wonder how sex would be like if everything would still be at its place. But it isn't.

      Yes, it's true. Sex is prolongued. Yet it's lasting longer. But when will it be ended forever? I am 23 years old and have sex with women who are around 23 years old as well. But I have to fight with it. There's nothing working for less than 20 minutes. Sometimes I give up after one hour. Sex is not pleasant when thinking about orgasm to come.

      My circumcision is the worst thing that has ever been done to me. It has have an impact onto my entire life. It has always been filling me with shame. My mother says she is very sorry about it. She would never do it again. This is helpful for my soul but not for my body.

      My foreskin is lost and doesn't return.

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    • Gute Arbeit! Von wegen kein Profi!

      Wenn einer meine Geschichte irgend jemandem schicken oder sie irgendwo posten will, ihr habt meine Erlaubnis. Der Strom von wütenden/enttäuschten E-Mail an unsere Politiker darf nicht abreißen. Sie sollen wissen das wir leben und unglücklich sind. Und dass wir sie nicht wählen, wenn sie weiterhin Kinder verstümmeln möchten.
    • Danke Baba.

      Nein, es ist wirklich nur Schulenglisch, das ich im Laufe der Jahre ausgebaut habe durch die Lektüre englischer Medien. Das bedeutet insbesondere, dass auch Fehler drin sein können. Ich hoffe und denke allerdings, man kann das verstehen.

      Deine Geschichte halte ich für eine der Wichtigsten in dieser Debatte, da es sich ja um einen medizinisch einwandfreien Eingriff handelt und weil Du offen über die seelischen und sexuellen Nachteile sprichst.

      Ein solches Outing kann eine Petition von 10 000 Beschneidungsverfechtern in die Schranken verweisen. Hört sich vielleicht übertrieben an, ist aber so.

      In der Debatte selbst hat Deutschland keineswegs eine Inselfunktion. Das Urteil des LG Köln hat weltweit einen Nerv getroffen. Überall werden hitzige Debatten geführt. In diesem Hin und Her der Argumente, die sich ebenfalls überall ähneln und gegenseitig beeinflussen, halte ich Dein Statement für besonders wertvoll.
    • Strafanzeige

      Also, ich habe heute die Krankenakte meiner Beschneidung angefordert. Ich war gar nicht 5 sondern schon 6 Jahre alt. Na ja, jetzt weiß ich das Datum und den Namen des Arztes. Ich werde demnächst Strafanzeige gegen ihn stellen, einfach weil es ja kein Anderer macht. Leider komme ich aus München und Bayern hat ja schon immer freiwillig auf rechtsstaatlichen Prinzipien verzichtet. Von daher denke ich, dass das Verfahren direkt abgeschmettert wird. Aber ich kann ja sonst nichts machen. Ich rate auch jedem, der Beschnitten wurde, zur Strafanzeige. Ihr müsst im Prinzip nichts selber ermitteln, sodern nur zur Polizei gehen und eine Anzeige aufgeben. Das dauert eine Stunde und es ist gemacht. Deutschland soll wissen, dass wir unglücklich sind.

      Wie ist das mit einer zivilen Klage? Kennt sich einer damit aus? Ich denke ich würde volle Prozesskostenhilfe erhalten. Welche Anträge muss ich stellen. Als armer Student kann ich mir keinen Anwalt leisten, deshalb brauche ich eure Unterstützung.

      Können wir hier einen Trend machen, in denen Informationen und Hilfen für Männer, die ihre Ärzte anzeigen wollen, zusammengetragen werden?
    • Baba, die Strafverfolgung wegen (einfacher) Körperverletzung (223 StGB) verjährt nach 5 Jahren. Zur Stellung eines Strafantrags berechtigt wären Deine Eltern gewesen. Nur bei schwerer oder gefährlicher Körperverletzung ist es egal, wer Anzeige erstattet und in diesen Fällen sind auch die Verjährungsfristen länger. Dazu müssen aber ganz bestimmte Fälle vorliegen (beispielsweise der vollständige Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit oder Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeugs - das LG Köln hatte jedoch unter Berufung auf vorangegangene Rechtsprechung festgestellt, dass ein Skalpell in der Hand eines Arztes kein gefährliches Werkzeug sei. Selbst wenn, sprechen wir von 10 Jahren Frist und die sind auch schon rum). Dennoch halte ich die Anzeige für ein wichtiges Signal an die zuständige Staatsanwaltschaft: seht her, ich bin verstümmelt worden, als ich noch ein Kind war, und ich leide darunter. Das ist schon der richtige Kanal. Er sensibilisiert die Ermittlungsbeamten, für die dieses Thema natürlich wichtig ist. Logisch.

      Sonderregelungen für die Verjährung gibt es bei sexuellem Missbrauch von Kindern. Aber nicht bei Körperverletzung.

      Auch Schadenersatzansprüche halte ich für verjährt (3 Jahre nach Erlangung der Kenntnisse über die Umstände, die die Schadensersatzpflicht begründen). Mach lieber erst mal einen Beratungstermin mit Deinem örtlichen Anwalt aus und verhandele dafür den Preis (das geht bei reiner Beratung, wenn kein Brief geschrieben und kein Telefonat geführt wird). Auf Beratungsschein macht das aber eigentlich keiner. Die Schwachköpfe zahlen nie, da hast Du als Anwalt nichts als Arbeit und Ärger. Am Ende bekommst Du maximal "Pizzageld" (eine Handvoll Euro im Wert von einer Salamipizza und Du hast letztlich draufgezahlt, weil Du für den ganzen Shit halt Kosten hast - Akte, Sekretärin, Miete usw.).
    • Mein Lieber Baba, ich verstehe den Schmerz und die Wut und den Frust. Die letzten beiden möchte man loswerden und irgendwie möchte man auch die Schläge zurückgeben, den sofortigen Schmerz, die Spätfolgen, das Schamgefühl, Hohn und Spott, der einem in Foren entgegenschlägt.

      Aber... eventuell erreichst Du mit rechtlichen Maßnahmen nichts, bis sogar das Gegenteil, wonach dir der Kopf steht.

      Der Autor des Buches "der Schnitt", ist Anwalt in Hamburg und hat sich auf das Gebiet spezialisiert. Vielleicht lohnt sich ein Anruf bei ihm, als erste Maßnahme.

      Ich habe mir geschworen Geld auf den Tisch zu legen, wenn eine Angelegenheit Aussicht auf Erfolg hat. Dazu gehört aber, dass formhalber die Voraussetzungen gegeben sind. Denn ein gegnerischer Anwalt wird immer versucht sein, die Sache formaljuristisch zu demontieren, um nicht über den Inhalt reden zu müssen: Verjährung, Zuständigkeiten usw. sind solche Hebel. Leider.
      • Die Vorhaut kann mit einer Rosenknospe verglichen werden. Wie eine Rosenknospe wird sie erst blühen, wenn die Zeit gekommen ist. Niemand öffnet eine Rosenknospe, um sie zum Blühen zu bringen (Dr. med. H. L. Tan).
      • Alle Wahrheit verläuft in drei Stadien: Im ersten wird sie verlacht. Im zweiten wird sie vehement bekämpft. Im dritten wird sie als selbstverständlich anerkannt (Arthur Schopenhauer).
      • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
    • Bin nochmals flüchtig über das Strafgesetzbuch getigert. Unter Umständen könnte bei einer Beschneidung auch eine Misshandlung Schutzbefohlener einschlägig sein. Ändert wenig an der Verjährung, aber an der Antragspflicht für andere Fälle (kein Strafantrag einer berechtigten Person notwendig, Anzeige von irgendwem langt).

      Die Ermittlungsbeamten müssen aber erst mal wissen, welche körperlichen und psychischen Folgen so ein Eingriff hat oder haben kann. Darum ist es so wichtig, dass Du ihnen Deinen Fall schilderst.

      Ich befasse mich nur selten mit Strafrecht, ist nicht meine Spielwiese. Darum nur grobe Einschätzungen. Eins ist klar: für die Beurteilung weiterer Fälle - und auch für ihre Verfolgung - ist Aufklärung unglaublich wichtig.

      Im Übrigen schließe ich mich der Meinung von Guy an.

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    • Das ist alles was ich weiß, oder zumindest meine zu Wissen:

      strafverteidigung-hamburg.com/…ung-von-kindesmissbrauch/

      Bei sexuelllem Missbrauch wird die Verjährung aufgeschoben.
      strafverteidigung-hamburg.com/…ung-von-kindesmissbrauch/

      Bei körperlichem Missbrauch der nicht von den Eltern begangen wird (kann aber von den Eltern angeordnet werden) beginnt die Verjährungsfrist mit Tatbeginn. Nur die Eltern sind in so einem Fall (einfache Körperverletzung) zu Anzeige berechtigt.
      spiegel.de/spiegel/print/d-21197294.html

      Aber darum geht es mir nicht. Ich bin mir sehr sicher, dass die Staatsanwaltschaft gar nicht erst ermittelt. Aber sie muss die Anzeige zur Kenntnis nehmen. Sie muss in den Archiven gelagert werden. Ich fordere alle unfreiwillig Beschnittenen, egal welchen Alters, auf es mir gleich zu machen. Wenn genügend Anzeigen eingehen, interessiert sich vielleicht die Presse dafür.

      Ich wurde im Februar 1995 Beschnitten. Das heißt sie Straftat einfache Körperverletzung ist verjäht als ich 11 Jahre alt war. Bei der Operation wurden mir laut Krankenbericht auch die Mandeln entfernt. Weder meine Mutter noch ich wussten etwas davon.

      Post was edited 1 time, last by Baba ().

    • Ich sehe es genau so wie du Baba.

      Auch wenn es rein juristisch keine
      Bedeutung hat. Wenn immer Mehr Anzeigen eingehen und im Archiv landen
      wird es schwerer zu sagen es gäbe keine Beschnittenen die leiden.

      Die Politiker werden in den seltensten
      Fällen aktiv nach Betroffenen suchen.


      Der am lautesten schreit bekommt eben
      leider doch mehr Gehör.
    • Ich habe von Jura gar keine Ahnung und kann somit nicht abschätzen, ob du irgendetwas erreichen könntest. Allerdings schließe ich mich der Meinung an, daß schon die Anzeige als solche eine Signalwirkung haben könnte.
      Bist du dir mit den Mandeln sicher? Was stand denn dort( wenn dir die Frage nicht zu intim ist)? Als Mediziner kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, daß man das nicht merkt. Das sind schon nicht unerhebliche Schmerzen nach dem Eingriff.
      Hast du dir mal überlegt, dich an einen Fernsehsender zu wenden? Zur Zeit ist das sicher ein gefragtes Thema. Es bestünde ja auch die Möglichkeit dich in dem Bericht unkenntlich zu machen.
    • Der Bericht ist noch nicht angekommen, aber am Telofon hat man mir gesagt das die Rachenmandeln entfernt wurden. Ich hatte als Baby eine Hirnhautentzündung und sollte deshalb am Ohr untersuch werden. Das war der Grund für den Eingriff. Dabei wurde mir das Trommelfell Aufgeschnitten und irgendwas im Innenohr gemacht. Da ich dafür eine Narkose bekam sollte ich auch gleich beschnitten werden. Von den Mandeln hat niemand was gesagt.
      Ich habe nach der Operation weder von den Mandeln npch von meinem Ohr irgend etwas gemerkt. Ich hab die ganze Zeit geweint weil mir mein Penis so weh tat und er so schlimm aussah. Ich bin wirklich auf den Bericht gespannt.
    • Ich war Zeit meines Lebens nie besondes religiös. Mein Vater war Muslim, meine Mutter katholisch und beide wollten mich gerne in ihren Reihen wissen. Als Kind habe ich die Geschichten der Bibel und des Korans geglaubt wie ich Grimms Märchen glaubte. Aber ich habe (fast) nie gebetet oder ähnliches.
      Darum überredete mein Vater meine Mutter mich auf eine Koranschule zu schicken. Dort lernte ich den Koran auswendig und musste drei mal während des Schultages Richtung Mekka beten. Da ich mich wie schon gesagt nie für Religion interessiert habe, gab es dort oft Probleme die mit Körperstrafen behandelt wurden. Das haben meine Eltern aber nicht gewusst. Ich hab es ihnen zwar mal gesagt, sie haben mir aber nicht geglaubt und dachten ich wolle nur nicht in die Schule gehen. Diese Schule ist inzwischen wegen Verbindungen zu terroristischen organisationen geschlossen.

      Nach der Grundschule witterte meine Mutter ihre Chance und schickte mich auf ein katholisches Internat in Traunstein. Nicht irgendein katholisches Internat, das katholische Internat in Bayern schlecht hin. Dort war sogar der alte Ratzinger zur Schule gegangen. Auch dort hat es nicht wirklich funktioniert und nach der sechsten Klasse haben meine Eltern es endlich aufgegeben, meine Seele retten zu wollen.

      Nein ich bin nicht religiös. Für mich waren Religionen immer nur belastend und ich war sehr froh mich soweit von ihnen zu entfernen, wie nur irgend wie möglich.
    • Ich würde gerne noch eine Sache klarstellen:

      Meine Eltern sind gut Eltern. Mein Vater und meine Mutter wollten immer nur das Beste für mich. Das der Wille zum Guten nicht immer zu Gutem führt ist ja bekannt. Aber wenn meine Eltern, auch mein muslimischer Vater gewusst hätten, dass ich so unter meiner Beschneidung leiden würde, sie hätten es niemals gemacht, Religion und Tadition hin oder her.
      Meine Eltern haben in (fast) allen Entscheidungen die Richtige Wahl getroffen und haben immer ihr möglichstes gemacht um meine Schwester und mich glücklich zu sehen. Ich hatte im Großen und Ganzen eine glückliche Kinheit und habe viel gelacht und viel Freiheit genossen. Und egal welche drastische Entscheidung ich in meinem Leben gefällt habe (Apostasie u.ä.) sie haben es immer Akzeptiert und mich geliebt. Ich habe vor meine Vorhaut über ein Dehnverfahren wiederherzustellen und meine Mutter, die nicht viel Geld hat, zahlt mir mit Freude alle Arztbesuche und Geräte nur um mich glücklich zu machen.
    • Ach so...

      Umso schlimmer dass Du dann diese Prozedur über Dich ergehen lassen musstest. Denn es war ja dann eigentlich "umsonst"... :(

      Ich finde es sehr sehr schön und sehr großzügig von Dir, dass Du es Deinen Eltern -trotz des Schmerzes - nicht übel nimmst. Dass Du verstehst, dass sie nicht in böser Absicht handelten.

      Auch wenn Eltern nur das Beste für ihre geliebten Kinder möchten, machen sie oft Fehler...

      Auch ich habe leider diesen Fehler begangen, in dem Glauben meinem Kind etwas Gutes zu tun...Mein kleiner Sohn ist ebenfalls beschnitten und ich bete und hoffe nun inständig, dass er nicht zu denjenigen gehören wird, die darunter leiden müssen. :S
    • @Anna: :thumbup: Umso großartiger finde ich, dass Du Dich jetzt und hier so gegen Beschneidung einsetzt, das muss echt mal gesagt werden!
      Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
      Es ist sehr schwierig, Menschen hinters Licht zu führen, sobald es ihnen aufgegangen ist. (Alfred Polgar)
      Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
      Niemand ist so taub, wie der, der nichts hören will. (Karl Marx)
    • Solidaritätsfonds

      Wenn ich mir die Worte des Oberrabbiners Yona Metzger anhöre, so fühle ich mich ins Mittelalter versetzt: Beschneidung ohne Betäubung und nicht durch Ärzte.
      Wie das eben mit Initiationsriten ist: wer sie selbst durchlitten hat, der verteidigt sie später unreflektiert.
      Was ich aus den verschiedenen Berichten über von Betroffenen ihre Beschneidung verstanden habe, kann ich nur als Verstümmelung bezeichnen: z.B. die starke Beeinträchtigung ihrer Sexualität, die großen traumatischen psychischen Folgen. Die Frauen haben mit Recht und mit Erfolg die Genitalverstümmelung zum Thema und zum Tabu gemacht. Wir Männer müssen uns ebenfalls organisieren und gegen die Verstümmelung von Knaben angehen. Die Dulder einer Beschneidung setzen auf Verharmlosung. Ich schlage vor, dass wir auch Geld zusammentragen, um Klagewilligen bei den Prozesskosten zu helfen. Die Geschichte gehört bis zum Bundesverfassungsgericht und notfalls auch vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

      R(h)einwein

      :!:
      Aufrichtig zu sein kann ich versprechen, unparteiisch zu sein aber nicht. (JWvG)
      Auch für die Religionsfreiheit gilt: "Freiheit ist immer nur die Freiheit des anders Denkenden." (R.Luxemburg)

      Post was edited 1 time, last by R(h)einwein ().

    • Ich bin fassungslos!! Ich hatte im Alter meiner Beschneidung nachweislich keine Phimose und heute lese ich im Operationsbericht Diagnose: hypertrophes Präputiums. Dann rufe ich im Klinikum Dripper Orden an und frage nach wer diese Diagnose gestellt hat, weil ich ja keine Phimose habe und dann sagt mir die Frau kackdreist: Ja das machen wir hier so weil die Krankenkassen ja keine rituelle Beschneidung bezahlen." Ich gehe jetzt sofort zur Polizei!
    • Interessant ist übrigens auch, daß eine der prominentesten Frauen, die sich gegen weibliche Beschneidung engagieren, sich auch gegen männliche Beschneidung aussprechen:
      "....Male circumcision is a problem too, I am against that as well, as a doctor. There has been no progress on this front......"
      http://www.theglobaldispatches.com/articles/nawal-al-saadawi
    • Baba, Deine Krankenkasse sollte unbedingt benachrichtigt werden; sie könnte ggf. Schadenersatzansprüche geltend machen (weil sie erst jetzt von gewissen Umständen Kenntnis erhält und daher für sie die Frist später zu laufen beginnt). Je mehr Streß die veranstalten, desto besser. Möglicherweise geht die Kasse sogar noch weiter in der Geltendmachung ihrer Rückforderungsansprüche gegen das Hospital - und sie hat auch das Geld für die großen Prozesse. Du wärst dann einfach Zeuge. Schildere ihr doch einfach mal alles in allen Einzelheiten, mal sehen, was dann passiert.

      Anzeigen bei der Polizei kosten natürlich gar nichts.
    • Ich war bei der Polizei

      Ich war bei der Polizei

      Ergebnis: Körperverletzung verjährt, Betrug und Akternfälschung verjährt, beides als ich 11 Jahre alt war. Verjährte Taten kann man nicht zu Anzeige bringen, was wohl der Grund ist, dass keine Anzeigen eingehen. Als Kind darf man sie nicht stellen, weil man unmündig ist und als Erwachsener kann man sie nicht mehr stellen, weil sie verjährt ist. Die Klinik ist fein raus.

      Aber: Der Polizist der mit mir gesprochen hat ist selber unglücklich beschnitten und hatte großes Mitleid mit meinem Fall. Er hat mich mit all seinem Fachwissen Beraten und mir eine zivile Klage nahegelegt. Das ist der Weg den ich gehen werde, bis zum BVG. Aber der Polizist meinte man muss den Anfang beim Amtsgericht sehr genau planen, sonst fällt später alles zusammen. Sprich Gutachten sammeln, Fachärzte befragen und und und. Zu aller erst werde ich zu einem Beratungsgespräch im Amtsgericht gehen und mich erkundigen, ob mein Fall Chance auf Erflog hat. Wenn ja, dann brauche ich mächtige Verbündete mit Geld, Zeit und Anwälten.

      Zu aller erst aber muss ich beweisen können, dass ich als Kind keine Phimose hatte und der Operationsbericht eine Fälschung ist. Die Aussage meiner Mutter wird da wenig helfen. Ich werde mich morgen mit meinem Kinderarzt in Verbindung setzen und hoffe, dass er die nötigen Unterlagen hat. Damit steht und fällt mein Fall.
    • Warum hast du es machen lassen? Wann? Wo? Magst du das erzählen? Und warum bist du nun überzeugt, daß es falsch ist? Ich glaube, Menschen wie du sind einer der Schlüssel zur Lösung des Problems.
      Es geht nämlich auch um Schuld. Was habe ich mit meinem Kind gemacht und aus welcher Motivation?
      Traurig, daß deinem Sohn das passiert ist, aber vielleicht sorgt es indirekt durch deine Mitarbeit hier dafür, daß es vielen anderen Kindern erspart bleibt. Meine Hochachtung dafür, daß du genügend Menschlichkeit und Selbstreflexion besitzt, dich nun dagegen zu engagieren. Ich weiß nicht, ob ich sie hätte.
    • Die Idee mit Holm Putzke halte ich für sehr gut. Natürlich freut der sich über solche Zuschriften!! Stellt bitte Euer Licht nicht unter den Scheffel, Leute! Für die Wissenschaft sind Eure Erfahrungsberichte wertvoll, ich hatte ja schon mal die Meinung geäußert, dass es sinnvoll sei, sich an die Unis zu wenden.

      Die Hochschulprofessoren, die ich persönlich kenne, sind übrigens alle sehr nett, außerordentlich bescheiden und bodenständig. Haben alle ganz viel Stress und ganz wenig Zeit, ok, aber die kochen alle nur mit Wasser. Es gibt dämliche und abgehobene Professoren, aber Holm Putzke ist nach meinen Kenntnissen keiner davon.
    • Hier noch zwei juristische Professoren, die nach eingehender Prüfung der Sach- und Rechtslage die Beschneidung von Jungen ablehnen (= für strafbar halten) und für ihre Erkenntnisse sicher gern die Unterstützung von Betroffenen entgegennehmen (die Kenntnis von konkreten Fällen ist von großer Bedeutung für die juristische Wertung):


      Prof. Dr. iur. em. Rolf Dietrich Herzberg

      Email: LS.Herzberg@jura.rub.de
      Telefon: +49(0) 234/ 32-22811

      Ruhr-Universität Bochum
      44780 Bochum
      Deutschland

      Straßenanschrift:
      Universitätsstraße 150
      44801 Bochum

      Postfach:
      Postfach 102148
      44721 Bochum


      Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Günter Jerouschek

      Postanschrift:
      Friedrich-Schiller-Universität
      07737 Jena

      Besucheradresse:
      Carl-Zeiss-Straße 3
      07743 Jena
      Zimmer 2.60
      (2. Etage)

      Telefon: +49 3641 / 94 23 10
      Telefax: +49 3641 / 94 23 12
      eMail: Günter.Jerouschek[at]uni-jena.de

      Nochmal meine Bitte an ALLE Betroffenen: schildert diesen Leuten Eure Fälle! Deren juristische Aufsätze und Einschätzungen werden von Gerichten respektiert und von Anwälten gern verwendet! Sie sind im Augenblick nicht selten darauf angewiesen, sich auf die Schilderungen Necla Keleks von der Beschneidung ihrer Cousins zu beschränken - doch das ist eben nicht alles.

      Post was edited 2 times, last by Maria Werner ().

    • @ Ava: es ist nie ein Fehler, zumal diese Vereinigungen auch mal Arbeitsgruppen bilden. In der Regel arbeiten Gerichte und Staatsanwaltschaften anders und berufen sich nicht auf derartige Zuschriften, für die allgemeine Beurteilung der Rechtslage in solchen Fällen ist das aber von Bedeutung. D.h. sie können sich anhand solcher Erfahrungsberichte generell eine Meinung bilden, die nicht auf Argumenten von der grünen Wiese basiert. Was sie letztlich damit anfangen werden, sieht man - aber dass die Zuschriften von Bedeutung sind, daran habe ich keinerlei Zweifel.

      Hinzu kommt, dass das Urteil ihrer Kollegen unterstützt wird. Man könnte das sogar zum Thema machen:

      "Sehr geehrte Damen und Herren,
      sehr geehrter Herr Oberstaatsanwalt Christoph Frank,

      Ich halte das Urteil des LG Köln für richtig und kann die Wertung Ihrer Kollegen nur unterstützen, dass das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit nicht durch religiöse Überzeugungen der Eltern beeinträchtigt werden darf. Ich bin auch beschnitten worden. Weil einige Befürworter der Beschneidung argumentieren, sie diene dem Wohl des Kindes, habe medizinische Vorteile und würde keine Beeinträchtigungen nach sich ziehen, möchte ich Ihnen hiermit meinen Fall schildern. Ich hoffe, dass Ihnen das bei der Beurteilung der Rechtslage hinsichtlich der Beschneidung von Jungen weiterhelfen wird. Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

      (Fallbeschreibung)

      Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass auf der Internet-Seite "www.beschneidung-von-jungen.de" einige medizinische Studien zu dem Thema aufgeführt werden, deren Inhalt ich durch meine eigene Erfahrung bestätigen kann.

      Mit freundlichen Grüßen
      (...)"

      drb.de/cms/index.php?id=416